Corona-Warn-App: Mehr als zehn Prozent der Android-Nutzer haben die App wieder deinstalliert & Statistiken

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Die Verbreitung des Coronavirus verläuft wieder exponentiell, der “Lockdown lite” kommt und wir nehmen das zum Anlass, mal wieder auf die Zahlen der Corona-Warn-App zu blicken. Mittlerweile hat sich nicht nur die interessante Situation ergeben, dass Vergleichszahlen vorliegen, sondern es gibt auch offizielle Schätzungen der aktiven Nutzung der App. Diese liegen nach aktuellem Stand allerdings noch weit auseinander.


Corona-Warn-App Logo

Wir haben die Entwicklung der Verbreitung der Corona-Warn-App in den letzten Monaten ausführlich beobachtet und nun wird es auf Grundlage aktueller Zahlen wieder Zeit für eine neue Betrachtung: Weil der Google Play Store nur sehr grobe Zahlen zur Installationsbasis angibt und das RKI nach offiziellen Zahlen keine Möglichkeit zur Messung der Verbreitung hat, können nach dem Durchbrechen des letzten Meilensteins nun andere Zahlen herangezogen werden.

Laut den offiziellen Daten des Robert-Koch-Instituts vom 22. Oktober 2020 kommt die App auf 11 Millionen Downloads im Google Play Store. Diese sollen tatsächlich auch von 11 Millionen unterschiedlichen Nutzern durchgeführt worden sein. Betrachten wir nun aber die Kennzahlen im Google Play Store, dann steht die App nach wie vor bei “+5 Millionen Installationen” – also irgendwo unter zehn Millionen. Das ist leider eine sehr ungenaue Angabe und könnte irgendwo zwischen 5.000.001 und 9.999.999 liegen. Exakter geht es leider nicht.

Gehen wir einfach mal davon aus, dass die App auch im Play Store kurz vor der 10 Millionen-Marke liegt, ergibt sich daraus schon der Wert, dass gut 10 Prozent aller Android-Nutzer die App wieder deinstalliert haben. Mindestens. Das ist meines Erachtens nach schon ein recht hoher Wert.




corona-warn-app kennzahlen oktober 2020

In dieser einfachen Rechnung stecken einige Unbekannte, sodass es auch daneben liegen kann. Allerdings gibt der Play Store stets die aktiven Installationen und das RKI die Downloads nach Unique User ID an. Das bedeutet, dass ein Smartphone-Wechsel, ein Factory Reset oder die Nutzung mehrere Geräte keinen Einfluss auf diese Rechnung haben sollten. Das sind aber nur Annahmen, die sich leider nicht weiter untermauern lassen.

Aber das RKI selbst rechnet selbst sehr viel pessimistischer, wie ihr der obigen Infografik entnehmen könnt: Bei insgesamt 20,3 Millionen Downloads rechnet man damit, dass 15 bis 16 Millionen Nutzer die App tatsächlich aktiv nutzen bzw. im Hintergrund auf dem Smartphone ausführen. Pi mal Daumen wären das 75 Prozent aktive Nutzer. Jeder vierte hätte die App also plattformübergreifend wieder deinstalliert oder zumindest deaktiviert.

Zwischen jedem zehnten und jedem vierten Nutzer liegen natürlich Welten, aber irgendwo in der Mitte wird wohl die Wahrheit liegen. Wir werden es erst dann erfahren, wenn die App im Google Play Store hochoffiziell die Marke von zehn Millionen Installationen bricht. Dann blicken wir erneut auf die letzten RKI-Zahlen und haben den ungefähren Schnitt, wie viele Nutzer die App wieder von ihrem Smartphone geworfen haben. Das Wachstum der Verbreitung hat sich in den letzten Wochen nicht nennenswert geändert und liegt nach wie vor bei 100.000 bis 200.000 neuen Nutzern pro Woche.

Persönlich ging ich davon aus, dass die App mit Beginn der zweiten Welle wieder mehr Zulauf erfahren wird, aber vielleicht wird es auch genau andersherum sein: Aus der Politik hört man immer wieder, dass das Contact Tracing in der momentanen Situation kaum noch bis gar nicht mehr funktioniert. Das spricht natürlich nicht unbedingt dafür, die App weiterhin zu verwenden (bitte nicht als Wertung oder Empfehlung verstehen!) und könnte eher dazu führen, dass die Menschen die App wieder vom Smartphone schmeißen.




corona-warn-app bewertungen

Auch bei den Bewertungen der App geht es weiter abwärts: Mittlerweile steht sie bei nur noch 2,9 Sternen und sackt weiter ab. Das ist für eine solch bekannte App zwar nicht unbedingt relevant und wird nur wenige Nutzer von der Installation abhalten, ist aber ein Gradmesser dafür, dass die Menschen nicht mehr ganz so viel von dieser App halten. Wer sie freiwillig installiert und somit eigentlich helfen und auch sich selbst schützen möchte, dürfte eher eine positive Grundeinstellung haben. Dennoch geht es mit den Bewertungen abwärts.

Wir werden die Verbreitung der App weiter beobachten und vor allem auf den Moment warten, bis der Zähler im Play Store umspringt. Dann zeigt sich, was die bisherigen Schätzungen wert sind, wie viele Nutzer die App tatsächlich hat und wie viele sie nach der Installation schon wieder von ihren Smartphones entfernt haben.

Corona-Warn-App
Corona-Warn-App
Entwickler: Robert Koch-Institut
Preis: Kostenlos

[RKI & AppBrain]


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comment 6 Kommentare zum Thema "Corona-Warn-App: Mehr als zehn Prozent der Android-Nutzer haben die App wieder deinstalliert & Statistiken"

  • Es ist ja genau der Punkt, dass die App auch ohne das Contact Tracing durch die Gesundheitsämter funktioniert. Aber wenn das sogar die Tech-Seiten nicht klar darstellen, muss man sich nicht wundern…

  • Meine Nutzererfahrung ist eher mau.

    Ich habe die App sofort installiert. Als ich selbst unter Coronaverdacht stand, habe ich den Test per QR-Code sofort in der App hinterlegt. Das Testergebnis kam aber nie in der App an. Dass ich negativ war, habe ich nur per SMS vom Arzt erfahren.

    Eine Recherche ergab, dass das normal sei. Etwa die Hälfte der Testlabore hat keinen Internetanschluss, und wer von denen getestet wird, erfährt das Ergebnis niemals.

    Es kommt aber noch besser: Nach einigen Wochen wurde, vermutlich wegen Datenschutz, mein Test gelöscht. Soweit OK — nur, die App zeigt jetzt nur noch drehendes Rädchen. Löschen des Tests nicht möglich.

    …ich könnte vermutlich die App-Daten löschen. Nur – dann verlöre ich meine UUID und somit die Kontakthistorie.

    Apropos Kontakthistorie: Da taucht nun seit einigen Tagen „1 Begegnung mit geringem Risiko“ auf. Da steht nicht, an welchem Tag und wo. Somit ist mir völlig die Einschätzung aus der Hand genommen, ob das beim Besuch der Familie war, oder am Mittwoch Abend in 10 Meter Abstand im ALDI, und das ist Mist.

    Fazit:
    – Labore ohne Internetanschluss
    – Eine App, die hängt
    – Eine Meldung, die mich ohne Mehrwert verunsichert

    Ich würde folgendes erwarten:
    – Nutzungspflicht für die App für jeden
    – Ergebnisse gehören zu 100% mitgeteilt
    – Kontakte müssen mit vollen persönlichen Daten mitgeteilt werden. Ich will wissen, wer und wo das war.

    Ich sehe das normalerweise anders, aber im Zusammenhang mit Corona gehört der Datenschutz einfach komplett weg-ignoriert.

  • Es gibt Apps die ich aufgrund ihrer Unzulänglichkeit nicht nutze. Diese App gehört dazu. Entweder ich kann mich auf die App verlassen oder ich kann es nicht. Ich würde auch Google Maps nicht nutzen, wenn manche Straßen eingezeichnet sind und andere nicht. Oder wenn manche Dateien dauerhaft in Google Drive abgelegt werden können und andere einfach im Nirvana verschwinden.

    • Eine App die mich warnen kann wenn ich evtl. ansteckend bin oder evtl. krank werde, mit einer Karten-App zu vergleichen, finde ich eine komische Abwägung von Prioritäten. Die App kann nunnmal verhindern, dass man andere ansteckt, eben weil man eventuell nicht mal Symptome hat oder zu spät merkt. Und diese Möglichkeit aufzugeben nur weil “könnte ja nicht funktionieren” ist schon eine komische Argumentation.
      Zum Glück leben wir in Deutschland wo es jeder selbst entscheiden kann. Viel schlimmer finde ich wie wenig darüber aufgeklärt wird. Als wenn irgendwas in unserer Welt perfekt funktionieren würde.
      Falls es interessiert, hier kann man die Erfahrung einer Familie nachlesen, deren Sohn sich angesteckt hatte und sich wegen der Warn-App hat testen lassen, obwohl er keine Symptome hatte. Das ist weit entfernt von perfekt in jeder möglichen Beziehung, aber so wurde halt verhindert, dass er bzw. seine Familie weitere Personen anstecken konnte. Und das ist halt nun mal das entscheidende. https://www.spreeblick.com/blog/2020/10/22/erkenntnisse-aus-zwei-wochen-corona-quarantaene-in-der-familie/

  • Das ist wie mit den Personenlisten in Restaurants, die von der Polizei zweckentfremdet wird, wenn sie ermitteln.
    Da wird mit dem PAG gewedelt und ohne richterlichen Beschluß die Listen eingesehen. Das schafft vertrauen….NICHT. Stattdessen sind wir nun gezwungen nicht mehr als Donald Duck und Mickey Mouse und der Angabe von anonymen Emailadressen zum Essen zu gehen, um es der STASI äh Polizei einfacher zu machen.
    (Man kann mir ja auch eine EMail schicken an eine anonyme Emailadresse ohne meinen Namen zu kennen)

    Wenn man alle Bürger mit der APP zwingt Bluetooth zu aktivieren, kann man auch an x beliebigen Stellen Geräte hinstellen die das vorbeikommen von Menschen registrieren. Totale Überwachung ist halt damit leicht möglich – FÜR JEDERMAN und nicht nur für den Staat. Solange die Polizei mit ihren maßlosen Überbefugnissen durch die PolizeiAufgabenGesetze Rechte ingeräumt bekommt, die so manch Terror-Diktatur ähneln, fehlt vielen Menschen einfach schlicht das Vertrauen.

    Maskenpflichten daußen an der frischen Luft, selbst wenn der Abstand weit über 2 Meter liegt??? Wer so einen Bullshit umsetzt, dem vertraut keiner und so ist das auch mit der APP.

    Ich bin sicher kein Gegener von Masken oder will das Virus verhamlosen, aber mir fehlt einfach der Einsatz von Hirn an vielen Stellen. Alle Bundesländer einigen sich auf Regeln, was macht MöchteGern Kanzler Söder ” Wir machen es noch einmal strenger”. Niemand weiß ob man sich vermehrt in der Gastro ansteckt (sagen selbst führende Ärzte dieses Landes) was macht die Politik? die Gastro zu… Aber die Schulen wo Kinder zusammenkommen, die sich anstecken könnten und das dann nach Hause schleifen, die bleiben offen? Klar, warum? Na weil die Politik seit 20 Jahren vergessen hat Schulen auf den technologischen Stand von heute zu bringen um HomeSchooling VERNÜNFTIG durchführen zu können in solch schweren Zeiten….
    Hauptsache ne schwarze Null, aber so eine Bullshit wie BER & STGT21 dem Steuerzahler aufbrummen? da sind wir wieder bei dem was so wichtig wäre….. Vertrauen in die Politik.

    Vetrauen ist das was diese Zeit ganz dringend braucht, doch das wird hier so oft verspielt…. Vergesst die App und deren Nutzen und kauft euch statt dessen lieber Lutscher und Bonbons, die haben den selben Effekt wie die App zu Pandemiebekämpfung… Nämlich keinen…..

    • > Niemand weiß ob man sich vermehrt in der Gastro ansteckt

      Sorry, wenn ich das mal so sage— aber Du bist das Problem.

      Solange wir nicht wissen — bedeutet: Nicht hingehen.
      Solange etwas nicht unbedingt nötig ist — nicht machen.

      Wenn der Datenschutz und die Versammlungsfreiheit den Maßnahmen im Wege stehen, dann müssen Datenschutz und Versammlungsfreiheit zurückstehen. Wenn die Polizei so dämlich ist, Listen zweckentfremdet zu nutzen, dann trägst Du deinen Namen, deine Telefonnummer und deine Email trotzdem korrekt ein.

      Last but not least: Entscheidungsfreiheit, Vernunft und Flexibilität hat komplett gar nicht funktioniert. Hatten wir schon.

      Ich war seit Februar zweimal beim Dönermann und einmal beim Eisladen. Ende. Mehr nicht.
      Ich erwarte, dass der Staat das gleiche bei anderen durchsetzt, wenn sie nicht klug genug sind, es von selbst zu begreifen. Jeder, der mit einem Bier auf einer Parkbank sitzt, gehört wie in Indien an Ort und Stelle durchgeprügelt und DANN angezeigt. So ein Mensch ist einfach ein riesiges Charakterschwein.

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