Android ohne Google: Wird es nie wieder ein Huawei-Smartphone mit vorinstallierten Google-Diensten geben?

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Nach eigenen Angaben wird 2020 ein sehr schweres Jahr für Huawei, das im schlimmsten Falle sogar in seiner Existenz bedroht ist. Ganz so weit wird es wohl in diesem Jahr doch noch nicht kommen, aber dennoch hat im Unternehmen nun ein Wandel eingesetzt, der sich nicht mehr stoppen lässt und der auch starke Auswirkungen auf den globalen Smartphone-Markt haben kann. Ausgerechnet Google könnte am Ende zu den größten Verlierern gehören und sehr viel Macht über Android einbüßen.


Huawei ist ein riesiger Konzern, der längst nicht nur vom Smartphone-Geschäft abhängig ist, sondern im gesamten Telekommunikationsbereich sehr gut aufgestellt ist. Zwar ist das Unternehmen nicht ganz so breit aufgestellt wie etwa Samsung, das man selbst mit dem Wegbrechen eines gesamten Geschäftsteils nicht so leicht ins Wanken bringen könnte, aber dennoch steht Huawei auf strukturell und finanziell sehr stabilen Füßen. Wenn da nur nicht die politischen Machtspiele wären.

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Huawei hat große Probleme, denn bei der zwei der wichtigsten Geschäftszweige ist man gewissermaßen zum Spielball zwischen den USA und China geworden, an dessen Spiel sich auch viele andere Länder beteiligen (auch Deutschland). Wie dieses Spiel ausgehen wird, weiß auch Huawei selbst nicht und ist sehr stark von den äußeren Umständen abhängig – was man erst vor wenigen Tagen ganz unverblümt zugegeben hat.

Aber ganz egal ob Huawei nun 5G-Netze ausrüsten darf oder nicht, oder ob man Smartphones mit Google-Diensten ausliefern kann oder nicht, das Unternehmen wird sich verändern – und es hat sich bereits stark verändert. Der Fokus von Huawei liegt nun erst einmal auf dem Überleben, so überspitzt hat man es selbst dargestellt, aber der zweite Schwerpunkt ist dann schon der Umbau der Lieferkette. Man möchte sich soweit es geht von US-Zulieferern unabhängig machen und stattdessen Produkte aus anderen Regionen, am liebsten natürlich aus China, beziehen.

Schon heute ist Huawei in der Lage, ein komplettes Smartphone ohne Hardware von US-Herstellern zu produzieren, aber an einer Stelle harkt es bisher noch: Bei der Software. Während es für die Hardware zahlreiche Lieferanten für alle Komponenten gibt, kommt man global um Googles Android-Erweiterungen nicht herum – und das ist tatsächlich Huaweis größtes Problem.

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Huawei muss unabhängig werden
Huawei hat in der Vergangenheit mehrfach betont, sich von US-Unternehmen unabhängig zu machen und hat das auch im letzten Statement erneut wiederholt. Dazu gehören aber nicht nur die Hardware-Lieferanten, sondern genauso auch die Software-Seite. Sprich, Huawei will und muss auch die Abhängigkeit von Google zurückfahren oder beenden. Gleichzeitig fällt auf, dass von den früheren Lobpreisungen der Beziehungen zwischen Google und Huawei schon lange nichts mehr zu hören war.

Für Huawei gibt es schon seit längerer Zeit eigentlich kein Zurück mehr, das wird immer deutlicher. Das Unternehmen hat längst sehr viel Geld in den Aufbau eigener Apps und Plattformen gesteckt, die man natürlich nicht einfach fallen lassen wird, wenn Google wieder zum Zug kommen sollte. Selbst wenn der US-Bann schon sehr bald fällt, Mitte Januar wäre ja eine Möglichkeit, ist es nicht unbedingt gesagt, dass Huawei direkt mit offenen Armen zu Google läuft.

Huawei hat nicht nur viel Geld in die Konkurrenz zum Play Store und vielen Google-Apps gesteckt, sondern muss diese in Zukunft natürlich auch pflegen und stets einsatzbereit haben. Ein erneuter Bann kann niemals ausgeschlossen werden, denn so schnell werden die USA und China keine Freunde mehr. Und dass Huawei fortan zweigleisig fährt und zwei komplett voneinander getrennte Smartphone-Welten aufrechterhält, kann so gut wie ausgeschlossen werden.

Kann Huawei vollständig auf Googles Android verzichten?
Huawei wird aller Voraussicht nach auf absehbare Zeit an Android festhalten, aber das eigene Ökosystem drumherum aufbauen und vollständig auf Google verzichten. Man wird den Menschen vor Augen führen wollen, dass es auch ohne Google geht – auch wenn das heute noch sehr schwer ist. Der Verkaufsstart des Huawei Mate 30 Pro in vielen europäischen Ländern war ein erstes Zeichen, der geplante globale Verkaufsstart des Huawei P40 ist ein deutliches Signal. Man will es versuchen, was bleibt auch anderes übrig.

Würde man nun aber wieder zu Google zurückkehren, wäre das ein fatales Signal in die andere Richtung. Aus diesem Grund halte ich es ganz persönlich für nicht ganz so abwegig, dass sich Huawei vollständig von Google distanzieren wird und den Play Store sowie die vielen Google-Dienste nicht mehr Vorinstallieren wird. Der Weg zum weltweit größten Smartphone-Hersteller ist dann erst einmal in weite Ferne gerückt, aber wenn Huaweis Botschaft ankommt und sich immer mehr Nutzer die Alternativen ansehen, kann es nach einigen Jahren auch wieder schnell aufwärtsgehen.

Googles Android ist auf jeden Fall nicht mehr unantastbar und das ist vor allem eine Folge des Huawei-Banns. Derzeit müssen auch die Menschen in der Türkei lernen, ohne Google zu leben. Jede Kettenreaktion beginnt mit einem kleinen Funken – hier haben wir schon zwei.



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Google wird Federn lassen müssen
Google ist seit vielen Jahren in der sehr komfortablen Position, den Smartphone-Herstellern viele Bedingungen diktieren zu können, denn sie haben keine andere Wahl und müssen sich vielen Dingen beugen, wenn sie die Android-Lizenz nicht verlieren wollen. Wenn aber erst einmal ein größerer Hardware-Hersteller den Absprung geschafft hat, schlägt das Pendel plötzlich auf die andere Seite aus. Denn dann sind die Smartphone-Hersteller am längeren Hebel, denn ohne sie wäre Googles Dominanz auf dem mobilen Markt undenkbar.

Man wird sich also zukünftig mehr auf Augenhöhe begegnen und vielleicht wird es langfristig wieder mehr als nur zwei große Smartphone-Ökosysteme geben. Weil es auf dem Smartphone-Markt eine hohe Konzentration auf wenige Marken gibt, kann Google sehr schnell in die Enge geraten. Huawei zu verlieren dürfte man vielleicht schon eingeplant haben, aber in diesen Strudel können dann sehr schnell auch Xiaomi und die OPPO-Marken gelangen und schon sind 3 der 5 größten Hersteller abgesprungen.

Das kann bei weiteren politischen Eskalationen schneller gehen, als man denkt. Wir haben es an Huawei gesehen, denn das hätte wenige Tage vor dem Bann auch keiner ernsthaft für möglich gehalten. Und spätestens dann kann auch die unangefochtene Nummer 1, Samsung, bei Google anklopfen und dem Unternehmen vor Augen führen, welchen Anteil man selbst an der Verbreitung der vielen Google-Apps hat. In jeder Hinsicht wird es ein spannendes Jahr.

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