Google Maps: Bayrisches Restaurant verklagt Google wegen falscher Wartezeit-Prognosen

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Google Maps ist bekannt dafür, aus den zur Verfügung stehenden Daten unglaublich viele Informationen herauszuquetschen, die bei vielen anderen Kartenplattformen nicht zu finden sind. Dazu gehören die Statistiken zu den Wartezeiten, dem Andrang und auch den Besuchszeiten, die natürlich nur als Schätzungen zu verstehen sind. Bei mindestens einem deutschen Restaurant sind diese Statistiken allerdings durchgehend nicht korrekt und somit geschäftsschädigend. Nach langer Diskussion zieht er nun gegen Google vor Gericht.


Google bezieht für Maps nur sehr wenige Informationen aus hochoffiziellen Quellen, sondern generiert viele aus den über andere Quellen gesammelten Daten einfach selbst oder befragt die Nutzer. Dadurch kann man mittlerweile automatische Speisekarten generieren, den Nutzern ganz ohne reale Grundlage Bus-Verspätungen anzeigen oder sogar zu Chaos und Katastrophen führen.

google maps braustüberl

Wer sich etwas länger mit Google Maps beschäftigt und auf der Suche nach einem Restaurant ist, dürfte die berühmten Balken schon einmal gesehen haben, die den Nutzer darüber informieren, mit wie viel Andrang zu rechnen ist, wie viel Zeit die Menschen dort verbringen und wie lange es dauert, bis sie bedient werden. Je nach Kategorie stehen mehr oder weniger Daten zur Verfügung, die natürlich auch auf sehr viele statistische Werte angewiesen sind.

Was für die Nutze so praktisch ist, kann für die Inhaber aber zum Problem werden – denn sie haben natürlich keinen Einfluss darauf. Im bayerischen Braustüberl am Tegernsee wurden die Nutzer bereits seit 2017 darüber informiert, dass sie mit 30 Minuten Wartezeit zu rechnen haben – obwohl das laut eigenen Angaben nicht stimmt. Auch die vielen Rezensionen der Nutzer sprechen von einer schnellen Bedienung, sodass man davon ausgehen kann, dass es sich um einen Fehler handelt. Nagut, Fehler passieren, man kann ja reden. Aber nicht mit Google.

Seit zwei Jahren hat der Wirt, auch mithilfe seines Anwalts, versucht, diese Daten zu korrigieren – allerdings erfolglos. Ob Google diese Anfragen stets ignoriert hat oder einfach nicht helfen wollte, ist nicht bekannt – man kann aber wohl von Erstem ausgehen. Jetzt hat der Wirt genug und reicht Klage gegen Google ein.



Nach den ersten Medienberichten hat Google reagiert und diese Statistik erst einmal vollständig für dieses Restaurant deaktiviert – womit sich der Wirt zwar zufrieden geben würde, aber man weiß ja nie, wie lange das so bleibt. Natürlich kann man auch argumentieren, dass das nun auch ein Wettbewerbsnachteil sein kann, da andere Restaurants diese Angaben weiterhin besitzen. Nach ersten Berichten sollen sich Dutzende weitere Betroffene bei dem Wirt gemeldet haben, was das Ausmaß dieses Problems zeigt. Google hat mit folgendem kurzen Statement reagiert:

Die geschätzten Wartezeiten basieren auf anonymen Daten von Personen, die in der Vergangenheit das betreffende Restaurant besucht haben, ähnlich wie bei den Funktionen „Stoßzeiten“ und „Besuchsdauer“. Wir werden den Fall außerdem untersuchen, um Google Maps weiter zu verbessern.

Der Wirt bzw. sein Anwalt hat die Klage mittlerweile eingereicht, aber Google stellt sich dennoch stur. Die Klage müsse nicht an Google Deutschland, sondern in die USA zugestellt werden. Das will der Anwalt aber nicht gelten lassen und hat sich nun wohl auch deswegen an die Medien gewandt, die Google mal wieder in einem schlechten Licht zeigen.

Das könnte noch ein sehr interessanter Fall sein, denn grundlegend betrifft es auch viele andere Bereiche, in denen Daten und Statistiken automatisch generiert werden. Dem Betreiber die Kontrolle darüber zu geben, funktioniert natürlich nicht, aber eine echte Bewertung durch Google oder Local Guides wäre ebenso schwierig umzusetzen. Das Thema bleibt spannend.

Siehe auch
» Google Maps: Diese praktischen Funktionen wären ohne die ständige Standorterfassung nicht möglich

» Google Maps: Probleme auf der Karte führen immer wieder zu kleinen Katastrophen & Chaos

» Google Maps: Google sucht neue Einnahmequelle – Restaurant-Aktionen werden getestet (Screenshot)

[heise]


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