EU-Leistungsschutzrecht: Googles extrem zensierte Websuche hat zu einem starken Traffic-Einbruch geführt

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Schon seit langer Zeit diskutiert die EU-Kommission über ein mögliches Leistungsschutzrecht für alle EU-Länder, das schon in Kürze beschlossen werden könnte. Google stellt sich natürlich gegen ein solches Gesetz und hat vor wenigen Wochen allen Nutzern mit stark beschnittenen Suchergebnissen vor Augen geführt, was das bedeuten würde. Jetzt hat das Unternehmen offizielle Zahlen zu diesem Experiment bekannt gegeben.


Bereits vor weit über vier Jahren, nämlich im März 2013, wurde das Leistungsschutzrecht in Deutschland eingeführt – aber wirklich geändert hat sich seitdem nichts, zumindest nicht für die Beteiligten Parteien. Und weil es in Deutschland und einigen anderen Ländern schon nicht funktioniert, hat sich die EU-Kommission einfach mal gedacht, dass man das Gesetz gleich europaweit einführen könnte. Wie eine unter Verschluss gehaltene Studie aber gezeigt hat, ist das Leistungsschutzrecht sogar kontraproduktiv.

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Viele Nutzer dürften in den letzten Wochen nicht schlecht gestaunt haben, als die Suchergebnisse in der Google Websuche plötzlich stark zensiert waren und die Darstellung irgendwo zwischen kurios und traurig schwankte. Je nach Umfang des Tests wurden keine Vorschaubilder mehr angezeigt, Auszüge weggespart und teilweise sogar der Titel und der Name der Webseite ausgeblendet. Und so sah das dann aus:

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Dass solche Ergebnisse niemanden zum Klicken animieren, lässt sich leicht nachvollziehen. Wer das dahinter liegende Newsportal nicht sehr gut kennt und vielleicht sowieso besuchen wollte, hat damit sicher keine neuen Quellen gefunden. Und genauso war es dann auch, wie Google nun in der Auswertung offiziell belegt. Die Klickzahlen sind um etwa die Hälfte eingebrochen und eine solche Darstellung hätte auch sehr schnell langfristige Folgen.



Even a moderate version of the experiment (where we showed the publication title, URL, and video thumbnails) led to a 45 percent reduction in traffic to news publishers. Our experiment demonstrated that many users turned instead to non-news sites, social media platforms, and online video sites—another unintended consequence of legislation that aims to support high-quality journalism. Searches on Google even increased as users sought alternate ways to find information.

Die Zahl der Klicks ging um 45 Prozent zurück und die Nutzer haben stattdessen nach anderen Möglichkeiten gesucht, News zu erhalten. Es würde also sehr schnell eine Verlagerung auf Social Media-Plattformen oder wenige andere große Portale stattfinden, womit gerade vielen kleinen und mittelständischen News-Publishern das Aus drohen würde.

Google fordert nicht unbedingt, dass das Leistungsschutzrecht nicht beschlossen werden soll, empfiehlt aber eine deutlich Aufweichung. So sollte es jedem Portal und Autor freistehen, ob seine Werke von diesem Recht abgedeckt werden sollen oder nicht bzw. es sollte die Möglichkeit geben, Ausnahmen zu schaffen. Mit den deutschen Verlagen hat Google solche Ausnahmen schon vor Jahren getroffen, doch diese wären nach dem aktuellen Gesetzesentwurf nicht mehr erlaubt.

Mehr Informationen, Hintergründe und weitere Screenshots zu dem geplanten Gesetz und Googles Konsequenzen findet ihr im folgenden Artikel:

» Traurig und Kurios: Google testet extrem zensierte Websuche für das kommende EU-Leistungsschutzrecht

» Artikel im Google-Blog


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