Einseitige Partnerschaft: YouTube hat Wikipedia nicht über die neue Integration informiert (offener Brief)

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YouTube ist eine sehr facettenreiche Plattform, auf der man zu allen nur erdenkbaren Themen und Meinungen unendliches Videomaterial findet. Dazu gehören auch kontroverse Themen und Verschwörungstheorien, die Millionen von Klicks generieren und Menschen Dinge glaubhaft machen wollen, die so nicht der Wahrheit entsprechen. YouTube möchte mit Hilfe von Wikipedia nun dagegen vorgehen – das Problem daran ist nur, dass man Wikipedia gar nicht gefragt hat.


Bei YouTube liegt derzeit einiges im Argen, weshalb man auch eine ganze Reihe von Maßnahmen angekündigt und teilweise auch schon umgesetzt hat, um die eigene Plattform wieder sauber zu bekommen. Aber ausgerechnet der wohl älteste Teil der „unerwünschten“ Videos sorgt nun für Diskussionen und war vielen Nutzer wohl bisher gar nicht als Problem bewusst. Die Rede ist von den zahlreichen Videos, die kontroverse Themen falsch aufbereiten, Verschwörungstheorien verbreiten oder einfach nur Fake Facts als Wahrheit darstellen.

YouTube Wikipedia

YouTube möchte solch eine Art von Videos nicht von der eigenen Plattform verbannen, sondern möchte stattdessen die Nutzer darüber informieren, dass in den Videos vielleicht nicht die volle Wahrheit dargelegt wird. Da man aber selbst keine Redaktion beschäftigt oder beschäftigen möchte, setzt man einfach auf die Hilfe von Wikipedia und zeigt in Zukunft Auszüge aus der Online-Enzyklopädie zu dem betreffenden Thema an und verlinkt auf die vollständigen Artikel.

Wikipedia bzw. die dahinter stehende Wikimedia Foundation zeigt sich von dieser Ankündigung nun sehr überrascht, da YouTube den Verein wohl nicht über dieses Vorhaben informiert hat. In einem offenen Brief, der nun per Tweet veröffentlicht wurde, stellt man klar, dass man weder informiert wurde und dass auch keine Partnerschaft zwischen YouTube und Wikipedia besteht. Gleichzeitig hält man aber auch fest, dass YouTube grundsätzlich keinen Vertrag benötigt, da alle Inhalte frei zugänglich sind.

Dennoch ist es unter großen Unternehmen und reichweitenstarken Plattformen üblich, dass man eine Vereinbarung über eine solche Integration trifft. Die Wikimedia Foundation fordert YouTube nun indirekt dazu auf, einen Beitrag – finanzieller Natur versteht sich – an den Verein zu leisten.

At the same time, we encourage companies who use Wikimedia’s content to give back in the spirit of sustainability.



Wikipedia befürchtet wohl, dass die Verlinkung nicht nur zu einem höheren Traffic führen könnte, sondern sieht vor allem ein Hauptproblem darin, dass die Verschwörungstheoretiker nun noch häufiger versuchen könnten, falsche Informationen in die Artikel einfließen zu lassen – was für die Community zu einer großen Last werden könnte. Damit würde man das Problem also gewissermaßen nur verlagern.

Natürlich hätte YouTube die Wikimedia Foundation wenigstens vorher einweihen können, aber der Zugriff auf die Daten selbst, sollte zwischen den beiden Unternehmen längst geregelt sein. Wikipedia ist seit Jahren ein Grundpfeiler des Google Knowledge Graph und nichts anderes soll (soweit man das im Screenshot erkennen kann), unter den YouTube-Videos angezeigt werden.

Über etwas mehr Traffic von Google dürfte sich Wikpedia auch freuen, denn vor einigen Jahren wurde bekannt, dass der Wikipedia-Traffic durch den Knowledge Graph stark eingebrochen ist. Ich bin sehr auf eine etwaige Antwort von YouTube gespannt.

[The Verge]


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comment 2 Kommentare zum Thema "Einseitige Partnerschaft: YouTube hat Wikipedia nicht über die neue Integration informiert (offener Brief)"

  • Ein interessanten Schachzug von Youtube. Die Pflicht und Arbeit auf andere auszulagern könnte neben der Bereinigung wirklich der zweite Hauptgrund für diesen Schritt sein. Wenn ich allerdings daran denke wie zerstritten und letztlich winzig die Kerntruppe zur Betreuung von Wikipedia ist könnte das zum echten Problem werden.

  • Zitat: „die … Menschen Dinge glaubhaft machen wollen, die so nicht der Wahrheit entsprechen“

    Das machen diverse Religionsvertreter mit ihrer Anhängerschaft genauso, ohne das jemand Wikipedia-Artikel zur Evolutionstheorie in Gotteshäusern aushängt.

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