Neue Play-Store-Vorgaben und MiCA setzen Android-Wallets unter Druck

Im Sommer 2024 sind diverse Krypto-Apps internationaler Anbieter vorübergehend nicht mehr im deutschen Google Play Store auffindbar gewesen. Kein öffentliches Blacklisting, kein spektakulärer Bann. Stattdessen technische Hinweise, eingeschränkte Update-Möglichkeiten und neue Formularpflichten für Entwickler.

Dies sollte eigentlich eine hausinterne Plattformänderung sein, hat jedoch direkten Bezug zu einem regulatorischen Einschnitt, der seit Ende 2024 in voller Schärfe greift.


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MiCA gibt den Takt vor, die Plattformen ziehen mit

Seit dem 30. Juni 2024 gelten zahlreiche Regulierungen der EU-Verordnung über Märkte für Kryptowerte nun auch für Stablecoin-Emittenten. Ab dem 30. Dezember 2024 gilt in der gesamten EU die umfassende Lizenzpflicht für Anbieter von Kryptodienstleistungen.

Mit der Verordnung schafft die EU erstmals einen einheitlichen Rechtsrahmen für Crypto Asset Service Provider. Wer die Verwahrung, den Handel oder das Staking von Kryptowerten anbietet, braucht dafür eine Lizenz in der EU. In Deutschland übernimmt das Erlaubnisverfahren die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Die BaFin hat im Jahr 2024 schon mehrfach klargemacht, dass bestehende Betriebserlaubnisse nach nationalem Recht nicht automatisch als MiCA-Lizenzen gelten und Unternehmen sich daher anpassen müssen.

Dieser regulatorische Wandel ist keine Formalität auf dem Papier. Google reagiert mit anspruchsvolleren Checks für Finanz- und Krypto-Apps im europäischen Play Store. Entwickler müssen nachweisen, unter welcher Lizenz sie tätig sind und welche Aufsicht über sie wacht. Liegt diese nicht vor, werden Updates verzögert oder Apps fallen in bestimmten Regionen aus.

Die Plattformbetreiber sind so auf der anderen Seite ein zweites Kontrollorgan neben den Finanzaufsehern.

Android dominiert den deutschen Markt

Im Januar 2025 hatte Android in Deutschland laut StatCounter einen Marktanteil von über 60 Prozent bei den mobilen Betriebssystemen. Wer im Krypto-Segment tätig ist, erreicht deutsche Nutzer vor allem über den Play Store.

Das gibt Googles Vorgaben umfassende Marktmacht. Eine Wallet, die auf Android nicht mehr zu haben ist, ist in Deutschland sofort weniger attraktiv. Das gilt für Handelsplätze ebenso wie für DeFi-Anwendungen oder hybride Modelle mit Gaming-Elementen.

Binance und die Lizenzfrage

Ein konkretes Beispiel liefert Binance. Das Unternehmen hatte 2023 einen Antrag auf Erteilung einer Kryptoverwahrlizenz bei der BaFin gestellt. Im Juli 2023 zog Binance diesen Antrag zurück.

2024 operiert Binance innerhalb der EU über eine französische Zulassung, die unter dem neuen europäischen Regime perspektivisch grenzüberschreitend nutzbar ist. Mit dem vollständigen Inkrafttreten von MiCA ab Ende 2024 verschiebt sich die Rechtsgrundlage für solche Anbieter deutlich.

Für deutsche Nutzer bedeutete das zwischenzeitlich Unsicherheit. Die App blieb technisch erreichbar, doch regulatorische Hinweise und nationale Zuständigkeitsfragen wurden sichtbarer kommuniziert als noch zwei Jahre zuvor.

Das Signal ist eindeutig: Plattformzugang hängt zunehmend vom formalen Rechtsstatus ab.

Wallets, Verwahrung und Grauzonen

Nicht jede App ist gleichermaßen betroffen.

Reine Self-Custody-Wallets, die lediglich private Schlüssel lokal speichern und keine Verwahrdienstleistung anbieten, bewegen sich weiterhin außerhalb der klassischen Finanzaufsicht.

Sobald jedoch Fiat-Einzahlungen, Orderbücher oder zentrale Verwahrstrukturen integriert werden, greift das europäische Aufsichtsrecht.

Diese Differenzierung spiegelt sich im Play Store wider. Anwendungen mit klar dokumentierter EU-Lizenz bleiben stabil verfügbar. Andere verschwinden leiser.

Der Umbau erfolgt nicht über Schlagzeilen. Er erfolgt über Update-Prozesse.

Auch iGaming-Plattformen im Fokus

Die neue Konstellation betrifft nicht nur klassische Handelsplätze oder Wallet-Anbieter. Auch Plattformen, die Blockchain-Technologie mit Unterhaltungsangeboten verbinden, geraten in das Raster aus MiCA-Vorgaben und Play-Store-Prüfprozessen.

Sobald Token emittiert, verwahrt oder in Fiat-Währungen getauscht werden können, stellt sich die Frage nach der aufsichtsrechtlichen Einordnung. Das gilt auch für Anbieter, die Kryptowährungen als Zahlungsmittel in digitalen Spielumgebungen integrieren. Wer mit einem Crypto Casino Deutschland mit transparenten Strukturen auftreten will, muss heute deutlich mehr offenlegen als noch vor wenigen Jahren: Lizenzangaben, Unternehmenssitz, Zahlungsdienstleister und Verwahrmodell werden inzwischen sichtbar kommuniziert, weil Plattformbetreiber und Zahlungsanbieter entsprechende Nachweise verlangen.

Die Grenze verläuft nicht zwischen Glücksspiel und Finanzdienstleistung, sondern entlang der Frage, ob eine kryptobasierte Dienstleistung als regulierte Tätigkeit einzustufen ist.

BaFin verschärft 2024 ihre Kommunikation

Im Frühjahr 2024 veröffentlichte die BaFin aktualisierte Hinweise zur Anwendung der MiCA-Vorschriften und zur Übergangsphase für bereits tätige Anbieter. Unternehmen, die Kryptowerte verwahren oder Handelsplattformen betreiben, müssen bis spätestens Ende 2024 über eine konforme Zulassung verfügen oder ihre Tätigkeit einstellen.

Diese Klarheit verändert Investitionsentscheidungen.

Mehrere internationale Anbieter kündigten 2024 an, ihre europäischen Strukturen anzupassen oder neue Tochtergesellschaften innerhalb der EU zu gründen. Der Standort Deutschland wird dabei differenziert betrachtet, da hier bereits seit 2020 eine nationale Kryptoverwahrlizenz existiert.

Die Übergangsphase läuft.

Plattformbetreiber als stille Regulierer

Google selbst betreibt keine Finanzaufsicht. Dennoch wirken die aktualisierten Richtlinien faktisch wie eine Vorprüfung regulatorischer Konformität.

Apps müssen in den Metadaten klar ausweisen, welche juristische Einheit die Dienstleistung erbringt. Fehlende Angaben führen zu Verzögerungen. Entwickler berichten von zusätzlichen Dokumentationsanforderungen bei Finanz- und Krypto-Produkten innerhalb der EU.

Das Zusammenspiel aus MiCA und Plattformrichtlinien führt zu einer Marktbereinigung, ohne dass formelle Verbote ausgesprochen werden müssen.

Einige kleinere Anbieter verschwinden. Größere, lizenzierte Unternehmen konsolidieren ihre Position.

Markt bleibt aktiv, aber strukturierter

Die Europäische Zentralbank wies im Financial Stability Review vom Mai 2024 darauf hin, dass die Verflechtung zwischen Krypto-Märkten und dem traditionellen Finanzsystem weiterhin begrenzt ist, zugleich jedoch eine zunehmende Professionalisierung der Anbieter erkennbar wird.

Genau diese Professionalisierung wird nun technisch erzwungen.

Android-Nutzer in Deutschland behalten Zugang zu Wallets und Handelsplattformen, doch der Zugang ist an formale Kriterien gebunden.

Die Phase experimenteller App-Ökonomie im Kryptosektor endet nicht abrupt. Sie wird über regulatorische Nachweise kanalisiert. Der Play Store bildet diese Verschiebung nicht als politische Entscheidung, sondern als Update ab.




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