Made by Google: Google will eigene Geräte bevorzugen – Strategiewechsel gegen offene Plattformen? (Bericht)

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Google ist in vielen Bereichen mit eigenen Produkten aktiv, tritt manchmal aber auch als Plattformbetreiber auf, der sowohl Nutzer als auch andere Hersteller bedienen will. In der Vergangenheit war man damit recht erfolgreich, doch in den letzten Wochen deutet sich immer stärker ein Strategiewechsel an, der den Fokus hin zu den eigenen Produkten verschiebt. Zwischen den Zeilen wurde das kürzlich auch von CEO Sundar Pichai bestätigt.


pixel portfolio 2022

Es gibt einige Produktkategorien, in denen Google doppelgleisig fährt. Allen voran bei Android kann man das sehr gut sehen, denn man bietet sowohl die Plattform (Android) als auch eigene Produkte (Pixel) und tritt somit als Konkurrent für die eigenen Partner auf. Ähnlich verhält es sich im Smart Home-Bereich, denn Google stellt die Plattform (Cast OS & Google Assistant) sowie eigene Geräte (Google Home / Nest). Man kann das bei Android TV / Google TV fortsetzen und bis hin zu Android-Tablets, Wear OS-Smartwatches und Chromebooks beobachten. Wobei man aus letzter Kategorie gerade aussteigt.

Man war bisher recht erfolgreich damit und hat sich dadurch schnell Marktanteile gesichert, denn die Hersteller haben die jeweils kostenlos angebotene Plattform dankbar angenommen. Immerhin können sie sich dadurch hohe Entwicklungskosten sparen und die Google-Dienste ziehen die breite Nutzerschaft an. Allerdings hat das für Google auch den Nachteil, dass man sich ein wenig bei der Weiterentwicklung einschränken muss, um stets das gesamte Ökosystem zu versorgen.

Daher ist zunehmend zu beobachten, dass man die eigenen Geräte nicht mehr wie der Konkurrenz behandelt, sondern bevorzugt. Bei den Pixel-Smartphones ist das sehr deutlich, bei Android TV mit Google TV ebenfalls, bei Wear OS hat man nahezu alle Partner abseits von Samsung für einige Zeit fallenlassen und auch im Smart Home-Bereich soll es in diese Richtung gehen. Das passt sehr gut zu den kürzlichen Berichten, die eigenen Produkte zu stärken.




Sundar Pichai

Google-CEO Sundar Pichai hatte vor einigen Monaten die Devise ausgegeben, dass das Unternehmen deutlich effizienter werden muss und sich teure Nebenschauplätze vorerst nicht mehr leisten kann. Die Entwicklung von Plattformen für andere Hersteller gehört sicherlich dazu. Denn statt die Plattformen für andere Hersteller voranzubringen, könnte man sich lieber auf die eigenen Geräte konzentrieren und den Nutzern diese schmackhaft zu machen.

Statt also nur mit den eigenen Apps auf den kostenlosen Plattformen Geld zu verdienen, sollen die Umsätze aus Hardware-Verkauf dazukommen. Beispiel: Android ist kostenlos und Google verdient mit dem Betriebssystem abseits vollständig zu vernachlässigender Gebühren kein Geld. Stattdessen verdient man indirekt über die hohe Reichweite der Google-Apps, die wiederum Nutzer binden und Umsätze mit Werbung oder Abos erzielen. Letztes würde bleiben, aber durch die Pixel-Smartphones fließt auch der Kaufpreis in Googles Tasche und nicht in Samsungs, Xiaomis oder andere. Netter Nebeneffekt: Man erhält selbst mehr Freiheiten und noch mehr Kontrolle, ohne Rücksicht nehmen zu müssen.

Und tatsächlich hat Sundar Pichai vor wenigen Tagen bei der Verkündung der Quartalszahlen mit einer interessanten Aussage nachgelegt:

Hardware is an important area of investment for us. We are investing deeply from the silicon to the OS to powerful software experiences, because it’s a big opportunity to move computing forward and build deeper relationships with people who love using Google products. It also really helps to guide the Android ecosystem beyond just building the underlying platform.

Deutsche Übersetzung:

Hardware ist für uns ein wichtiger Investitionsbereich. Wir investieren viel vom Chip über das Betriebssystem bis hin zu leistungsstarken Softwareerlebnissen, weil dies eine große Chance ist, die Computertechnologie voranzubringen und tiefere Beziehungen zu Menschen aufzubauen, die gerne Google-Produkte verwenden. Es hilft auch wirklich, das Android-Ökosystem über den Aufbau der zugrunde liegenden Plattform hinaus zu führen.

Mit dieser Aussage betont er nicht nur die wachsende Relevanz von Hardware, sondern vor allem die Symbiose aus Hardware, Plattform und Apps. Fällt noch jemandem auf, dass man in diesem tyischen Manager-Satz das von „people“ und nicht von „partner“ spricht? Von Partnern ist überhaupt keine Rede mehr, doch noch vor wenigen Monaten hätte das Wörtchen sicherlich dort gestanden.




android google logo

Man kann in diese Sätze sehr viel hinein interpretieren, sollte sich dabei aber auch nicht verrennen. Ich hatte vor wenigen Tagen über eine etwas weiter entfernte Zukunft geschrieben, in der es Google-Apps nur noch für die Pixel-Smartphones geben wird. Davon kann noch lange nicht die Rede sein, aber dass man die Strategie geändert hat und nun etwas andere Ziele verfolgt, wird langsam offensichtlich. Google-Produkte sollen auf Google-Geräten am besten funktionieren, alle anderen Geräte sind nicht so wichtig. So könnte man das ganze Salopp zusammenfassen.

Früher war es so, dass die Plattformen Mittel zum Zweck waren, um die eigenen Apps und Dienste in den Massenmarkt zu bringen und dort zu verankern. Dabei war es Google schlussendlich vollkommen egal, auf welchem Weg man das erreicht. Jetzt möchte man nicht mehr nur die Plattformen und Apps stärken, sondern auch die Hardware. Es ist der Apple-Weg, wenn auch aus einer anderen Richtung kommend und mit etwas weniger Druck und Geschwindigkeit. Langfristig würde ich das von mir beschriebene Szenario nach wie vor nicht ausschließen und sehe in den Berichten und Aussagen der letzten Tage eher eine Bestätigung.

Wohin dieser Strategiewechsel führen wird, lässt sich noch nicht abschließend sagen. Doch dass man den Ansatz ändert, ist offensichtlich.


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comment 1 Kommentare zum Thema "Made by Google: Google will eigene Geräte bevorzugen – Strategiewechsel gegen offene Plattformen? (Bericht)"

  • Ist doch ok immer weg mit den nervigen Bloaadware und Akkufressenden sch..Google Apps,die braucht eh niemand und es entsteht ein Freiraum, von vollkommen Werbefreien Geräten, die mich mal nicht ausspionieren und von mir jedes Mal ein Profil erstellen…danke Google !

Kommentare sind geschlossen.