Stadia: Spieleplattform vor dem Aus? Googles halbes Dementi, interessante Zahlen & Blick in die Zukunft

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Am Freitag ist über Googles Spieleplattform Stadia eine Bombe geplatzt, die für manche überraschend und für andere erwartbar gewesen ist: Ein Medienbericht hat das de-facto Aus der Spieleplattform angekündigt, das zwar noch weit in der Zukunft liegt, aber intern wohl schon seit langer Zeit vorbereitet wird. Die veröffentlichten Zahlen und Googles halbherziges Dementi stützen den Bericht.


stadia logo

Stadia befindet sich bereits im dritten Jahr und ist damit schon länger am Markt, als es so manche Beobachter erwartet hätten. Gerade zu Beginn mussten Googles Teams immer wieder betonen, dass die Spieleplattform ein langfristiges Projekt ist und man viel Geduld beweisen wird. Gut möglich, dass diese Geduld schon kurz nach dem ersten Geburtstag geendet hat, denn selbst die bescheidenen Ziele konnte man nicht erreichen.

Glaubt man dem Bericht, der ja offenbar viel Wahrheit enthält, hatte Stadia Ende 2020 gerade einmal 750.000 aktive Spieler – sowohl Pro als auch Base. Als Ziel hatte man sich wohl eine Million Spieler gesetzt. Das hat dann dazu geführt, dass die Weiterentwicklung zu großen Teilen auf die Infrastruktur und nicht mehr auf das daraus basierende Produkt konzentriert wurde. Im Bericht heißt es, dass lediglich 20 Prozent der Energien der Entwicklung in Stadia geflossen sind.

Die Zahlen sprechen nicht für Stadia, also muss es das Marketing tun. In drei Tweets hat man die Zukunft von Stadia verteidigt, ohne direkt auf den Bericht und die in den Raum gestellte Nachricht der zukünftigen Einstellung einzugehen. Allerdings sind die Tweets recht wortgewandt formuliert und lassen einiges an Interpretationsspielraum. Ein echtes Dementi mit der Faust auf dem Tisch sieht anders aus.




Man erwähnt die „große Zukunft von Stadia“ im selben Atemzug wie der des Cloud Gaming. Das ist nicht nur eine Bestätigung des neuen „Google Stream“, sondern auch ein recht eindeutiger Hinweis darauf, dass Stadia ein Teil davon wird.

Das klingt gut. Die Spieleauswahl wird also trotz allem weiter wachsen. Das kann natürlich auch damit im Zusammenhang stehen, dass die neuen Titel auf der Google Stream-Infrastruktur basieren sollen und somit auch bei Stadia freigeschaltet werden können.

Große neue Features gab es bei Stadia schon länger nicht mehr. Ich nehme an, dass sich die Verbesserungen eher im Infrastruktur-Bereich bewegen werden: Neue Märkte, stabilere Verbindung und eventuell Features, die auch dem Stream-Produkt zugute kommen.




stadia controller design 3

Stadia ist tot, lang lebe Cloud Gaming
Ich denke, dass Googles Stadia-Team das langfristige Aus des Produkts sogar noch besiegelt hat. Das heißt aber nicht, dass sich die heute aktiven Nutzer Sorgen machen müssen oder interessierte Nutzer nicht doch noch einen Blick zu Stadia werfen könnten. Denn wenn etwas vor dem Aus steht, dann ist es das Endprodukt, aber nicht die Infrastruktur, die Auswahl der Spiele oder das faktische Angebot zum Zocken von Spielen in der Cloud.

Das neue Hauptprodukt im Spielebereich trägt den derzeitigen Arbeitstitel Google Stream und ist der seit langer Zeit bekannte Wandel zur White-Label-Plattform. Es ist anzunehmen, dass es eine Verbindung zu Stadia geben wird. Stadia könnte als internes Kundenprodukt von Google Stream fortgeführt werden, sodass sich für die Nutzer nichts ändert, diese aber dennoch langfristig eher unter anderen Markennamen auf Googles Infrastruktur zocken.

Doch wie so häufig könnte es bei Google an etwas Scheitern, dass das Unternehmen immer wieder in Probleme bringt: An der Kommunikation. Das jetzige Dementi dürfte nicht unbedingt dazu führen, dass sich die Massen nun auf zu Stadia machen…

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[Stadia @ Twitter]


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comment 2 Kommentare zum Thema "Stadia: Spieleplattform vor dem Aus? Googles halbes Dementi, interessante Zahlen & Blick in die Zukunft"

  • Also ich als Luxemburger kann einen großen Teil der Google Dienste nicht komplett nutzen. Da statt Europa komplett nur Teile für Google wichtig sind. Alleine mit dieser Politik bremst sich Google selbst aus. Alleine Apple Pay: Ohne weiteren Schnickschnack bei uns nutzbar. Aber da Luxemburg nicht von Google Pay unterstützt wird wird es auf lange Dauer sich nie europaweit etablieren können. Das gleiche mit Stadia (über verschiedene Wege konnte ich mich anmelden und nutze es) und es wird nur in X Ländern unterstützt, statt es für jedermann zu öffnen und so viiiiieeeeel mehr User zu haben. Und Google selbst wirbt nicht so richtig fürs eigene Produkt.

    • Generell finde ich das Thema Cloud Gaming Recht interessant, auch wenn ich nicht zu der Zielgruppe gehöre.
      Ich bin technisch interessiert, aufgrund von Familie ( 4 Kinder ) habe ich aber keine Zeit zum sinnvollen Damen.

      Wenn ich nun im gaming Bereich bei 0 anfangen müsste, und Cloud Gaming Platformübergreifend nutzen kann, ist das ganze für mich auch wirtschaftlicher, als alle 2-3 Jahre einen Gaming-PC zu kaufen.

      Die Hauptzielgruppe hat aber meisten Gaming Hardware, und die Tatsache, dass bereits gekaufte Games über die Cloud Platform nochmals gekauft werden muss, sehe ich als Hindernis.

      Ich denke aber trotzdem, dass ein Unternehmen. / Weltkonzern genau diese Themen in den Griff bekommen könnten, wenn es Ihnen nur bewusst wird.

      Ich bin trotzdem gespannt, wie sich das Thema Cloud Gaming entwickelt, auch wenn mehrere großen Anbieter die Weiterentwicklung einstellen ( z.B. Magenta Gaming – mit fehlenden Top Titeln ), da ich das Konzept – sofern Preis/Leistung stimmt überzeugend finde.

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