Fuchsia: Googles neues Betriebssystem kommt auf viele weitere smarte Geräte – wird Android TV ersetzt?

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Google hat mit Fuchsia in diesem Jahr sehr große Schritte getan, die allerdings außerhalb der Tech-Blase von kaum jemandem registriert worden sein dürften – das gilt selbst für die betroffenen Nutzer. Nun hat man angekündigt, Fuchsia in der nächsten Zeit auf weitere Geräte und neue Plattformen bringen zu wollen. Das dürfte erneut durch die Hintertür passieren und könnte zum Austausch eines lang etablierten Betriebssystems führen.


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Google hat zwei sehr bekannte Betriebssysteme im petto, die in ihren abgesteckten Bereichen große Erfolge einfahren können und nach wie vor wachsen: Android und Chrome OS. Bei Android kommen noch diverse Ableger dazu und mit Fuchsia soll nun das dritte große Betriebssystem etabliert werden, das die anderen beiden Plattformen ergänzen und langfristig vielleicht auch ein Stück weit ersetzen soll. Bislang hat man sich dazu allerdings noch nicht geäußert – und das möglicherweise aus gutem Grund.

Betriebssysteme haben früher eine sehr große Rolle gespielt, weil sie sowohl Unterbau als auch Oberfläche boten und viele wichtige Funktionen enthielten. Als Nutzer hat man an vielen Stellen ständig mit dem Betriebssystem oder deren Schnittstellen interagiert. Das ist heute nicht grundlegend anders, aber die Relevanz für den Nutzer ist stark in den Hintergrund gerückt: Auf dem Smartphone dreht sich alles um Apps und der Launcher (die Oberfläche, mit der man häufig interagiert) ist unter Android beliebig austauschbar. Am Desktop findet vieles nur noch im Browser statt.

Auch Google dürfte die Zukunft der Betriebssysteme eher im Hintergrund sehen, denn genau in diese Richtung ist Fuchsia konzipiert: Eine starke Plattform mit sehr flexiblen Schnittstellen und Ebenen, mit der der Endnutzer aber nicht direkt in Berührung kommt. Und so ist es dann auch möglich, das Betriebssystem weitgehend zu verstecken.




nest hub smart display

Fuchsia kommt durch die Hintertür
Auf den ersten Smart Displays wurde Fuchsia bereits im Juni durch die Hintertür ausgerollt, so wurde es sogar von Google offiziell angekündigt: Die Nutzer werden den Austausch nicht bemerken, vermutlich auch nicht darüber informiert und haben (soweit bekannt) keine Möglichkeit, dieses Upgrade bzw. den Wechsel zu stoppen. Wenn sich am Funktionsumfang, der Oberfläche und den sonstigen Parametern von der Kompatibilität bis zum Stromverbrauch nichts ändern, ist es ja auch überhaupt nicht relevant und vergleichbar mit einem Firmware-Update, bei dem man als Endnutzer ebenfalls nicht genau weiß, was sich da eigentlich getan hat.

Smart Displays
Es wird ein breiter Testlauf für Fuchsia, der aus gutem Grund trotz überschaubarer Gerätebasis über mehrere Monate gezogen wird. Es kann aber auch zeigen, wohin die Reise geht und warum Google das neue Betriebssystem trotz nun gestartetem Rollout noch immer nicht offiziell angekündigt hat: Vermutlich gibt es nichts zum Ankündigen, das für externe Personen von Relevanz wäre. Selbst für Entwickler spielt es durch die starke Vorarbeit mit Flutter in den letzten Jahren kaum eine Rolle. Flutter ist ein Entwickler-Framework, das einmal entwickelte Apps auf verschiedenen Plattformen ausführen kann. Jede Flutter-App der letzten Jahre ist automatisch mit Fuchsia kompatibel.

Android TV
Die Smart Displays machen den Anfang, aber bilden natürlich nicht das Ende. Möglich wird der Austausch durch die strikte Trennung von Betriebssystem und Oberfläche, die auch auf anderen Plattformen gegeben ist: Erst Ende vergangenen Jahres hat Google diese Trennung beim Smart TV-Betriebssystem Android TV eingeführt, das mit Google TV eine völlig neue Oberfläche erhielt. Das neue Produkt nennt sich “Google TV”, unter der Haube arbeitet aber weiterhin das altbekannte Google TV. Würde man Android TV durch Fuchsia austauschen, würden es die Nutzer im besten Fall gar nicht bemerken.

Android TV wäre der nächste logische Schritt nach den Smart Displays. Aus dieser Betrachtung scheint die Anfangs verwirrende Aufspaltung der Plattform in Android TV und Google TV plötzlich sehr sinnvoll – zumindest dann, wenn man den Unterbau möglichst gut verstecken möchte. Und Fuchsia scheint im aktuellen Stadium dieses versteckte Betriebssystem zu sein, bei dem wir ja noch nicht einmal wissen, ob “Fuchsia” die endgültige Bezeichnung oder nach wie vor nur ein Projektname ist. Mittlerweile wirkt es aber eher so, dass Fuchsia die finale Bezeichnung für diesen Layer ist.




Tatsächlich ist Android TV der wahrscheinlichste Kandidat für den Austausch, denn in diesen Tagen sucht Google neue Mitarbeiter und hat in recht umfangreichen Stellenbeschreibungen doch recht eindeutig Stellung bezogen, wo man demnächst mit Fuchsia hin möchte. Lest einfach nur einmal die folgenden Beschreibungen:

Chromecast, Video Conferencing and Machine Learning are core parts of many of the upcoming smart products. Plan, scope, and execute of features like Video Casting, Actions on Google, Video Calling, Face Match, and on device ML.

As a Staff Software Engineer on the Fuchsia team, you’ll drive the technical direction for Graphics and Media and ensure that Fuchsia is bringing maximum value to partners and Fuchsia-based products.

You also will influence hardware decisions made by partners to improve Fuchsia and Google’s ability to deliver efficient software solutions for critical Graphics and Media workloads.

Medien, Videoübertragung, Chromecast. Wenn man das auf Betriebssystem-Ebene verlagert, klingt das schon sehr nach Android TV. Sicher ist nichts und vielleicht befindet sich manches noch in der Planungsphase, aber die Richtung scheint klar vorgegeben. Wir halten euch weiter auf dem Laufenden.


Ich halte es nach wie vor nicht für ausgeschlossen, dass in einigen Jahren auch Android und Chrome OS durch Fuchsia ersetzt werden – zumindest unter der Haube. Die gewohnten Oberflächen und Kompatibilitäten könnten vollständig erhalten bleiben und die Nutzer auch bei diesen Produkten niemals erfahren, dass ein Austausch stattgefunden hat. Das ist sicherlich eine Mammut-Aufgabe mit vielen Hürden, aber eine solche hat man bei Android schon einmal auf sich genommen, als das Betriebssystem wegen des Project Treble in separate Layer aufgeteilt wurde.


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