Google versenkte TITANIC: Das Satiremagazin flog aus dem Play Store – Google entschuldigt sich mit Karikatur

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Google ist mittlerweile berüchtigt dafür, dass Algorithmen Entscheidungen treffen und die Betroffenen darunter zu leiden haben bzw. eine Situation eskaliert. Nachdem erst kürzlich eine harmlose App gesperrt wurde, gibt es nun wieder einen neuen Fall im Google Play Store. Die Android-App des Satire-Magazins TITANIC wurde ohne Vorwarnung aus dem Play Store gelöscht und dürfte wohl so schnell auch nicht mehr zurückkommen. (UPDATE)


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Das Satire-Magazin TITANIC dürfte vielen Menschen bekannt sein, auch wenn sie es vielleicht nicht unbedingt regelmäßig konsumieren. Man treibt die Satire manchmal auf die Spitze und legt sich dadurch immer wieder mit einzelnen Gruppen oder Personen an. Das Magazin bietet seit 2014 eine Android-App, die nun von Google ohne Vorwarnung aus dem Play Store entfernt wurde. Der Grund ist die Titelseite der Dezember-Ausgabe, die ihr hier sehen könnt. Man kann über das Motiv streiten, aber für TITANIC ist das nicht unbedingt ungewöhnlich.

Nun hat das Magazin den Fall öffentlich gemacht und die Einzelheiten geschildert. Google hat wohl noch mehrere Ausgaben mit anstößigen Darstellungen gefunden, die man gelöscht sehen möchte. Aus diesem Grund wurde die App vollständig entfernt, ein Einspruch blieb unbeantwortet (woher kennen wir das nur…?) und es ist nicht klar, ob die App noch einmal freigeschaltet werden kann. TITANIC will den Google Play Store nun wohl dauerhaft verlassen und auf die digitalen Einnahmen verzichten. Außerdem hat man noch folgendes Statement veröffentlicht:

TITANIC wird sich nicht selbst zensieren, um dem verkniffenen Humor von Monopolwichsern in San Fernando Valley, äh: Silicon Valley gerecht zu werden.

Warum man erst nach sieben Jahren bemerkt, dass bei TITANIC solche Inhalte verbreitet werden, lässt sich nur schwer beantworten. Könnte noch spannend werden, denn vielleicht wird in einer der nächsten Ausgaben ja Google auf der Titelseite sein… 😉




Google Titanic

UPDATE

Google hat den Fehler eingesehen und lässt ausrichten, dass man Humor und Satire doch gar nicht so schlimm findet und hat gleichzeitig die obige Karikatur mitgeschickt. Wer hätte gedacht, dass bei Google offenbar doch noch jemand erreichbar ist? Bei mir hat sich nach wie vor keiner gemeldet…

Wir möchten uns sowohl bei der Titanic als auch bei ihren Leser:innen aufrichtig dafür entschuldigen, dass die App zwischenzeitlich nicht verfügbar war. Auch wir finden: Humor und Satire dürfen nicht untergehen – schon gar nicht in Deutschland.

[Spiegel Online]


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comment 5 Kommentare zum Thema "Google versenkte TITANIC: Das Satiremagazin flog aus dem Play Store – Google entschuldigt sich mit Karikatur"

  • Naja, es ist keine staatliche Behörde (Google). Das Bild ist nicht ohne und grenzwertig. Google hat eben das Hausrecht als Unternehmen und wenn es diese Art nicht mittragen will, ist es deren gutes Recht. Wenn die USA selbst Titanic verboten hätte, wäre es eine Zensur. Find ich auch nicht gut, aber Amerikaner sind sehr christlich geprägt und der Schaden in den USA (Hauptmarkt) wäre größer, wenn sie es ignorieren würde. Können froh sein, dass es kein andere Darstellung einer anderen Religion war. Wahrscheinlich gab es auch eine Meldewelle bei Google.

    Satire darf alles, aber Satire kann auch verletzend sein. Und Amerikaner sind so gläubig, wie Deutschland vor 1950 und sogar fanatischer.

    Aus europäischer Sicht unverständlich, aber deren Hausrecht, deren regeln. Gilt bei jedem Unternehmen.

  • Das hat nichts mehr mit Hausrecht zu tun, vor allem da Google hier eine Monopolstellung genießt und diese scheinbar zum Machtmissbrauch nutzt, um ein in Deutschland unter Presse- und Meinungsfreiheit geltendes Recht zu brechen.
    Es ist verdammt traurig, dass sich die Gesellschaft, aber insbesondere die Politik, über die letzten Jahre hat abhängig machen lassen von privaten Konzernen in den USA. Die Folge ist, dass die Existenz von Medien in Deutschland nun von alleinigen, willkürlich und intransparent getroffenen Entscheidungen im Silicon Valley abhängt. Es gehört dort scheinbar zum Tagesgeschäft, solche Zensur-Prozesse bewusst unter Verschluss zu halten, was das Gegenteil der Demokratie bedeutet und uns Deutsche daher ins Mark trifft. Dass man auf Nachfragen der zensierten Betroffenen nicht reagiert (sei es im Falle von Titanic, aber u.a. auch bei den Abhängigkeiten des hiesigen GWB), zeugt nicht von Anstand, sondern von Habgier, Machtausübung und Rücksichtslosigkeit.
    Die digitale Souveränität muss dringend nach Deutschland geholt werden, mit aller Kraft und im Sinne unserer Gesetze, vor allem um die Pressefreiheit, Meinungsfreiheit und Medienvielfalt zu bewahren. Die Politik sollte entsprechende Projekte ins Leben rufen und Förder- sowie Forschungsgelder bereitstellen, um dieser stumpfen Abhängigkeit ein Ende zu bereiten.

    • Fanboys versuchen sogar ne knallhart Zensur schön zureden…

      Was ist mit Google los… es wird immer mehr evil…

  • Zensur durch die Silikon-Valley-Giganten gibt es seit mehr als einem Jahrzehnt. Apple hat schon vor Jahren Sternmagazine zensiert wegen nackter Frauenbrüste (warum die auf einem Titelblatt zu sehen sein müssen, ist eine andere Frage). Facebook zensiert Frauen-Brustwarzen, ebenso wie Instagram, aber nicht Männerbrustwarzen.
    Und das alles aus einem Land, in dem der 1. Verfassungszusatz zur Meinungsfreiheit so hochgehalten wird. Faktisch jede Lüge ist dort gedeckt, Hetzer am rechten Rand pöbeln ohne Unterlass, ohne dass es eine rechtliche Handhabe gibt.

    Es darf nicht sein, dass wir unser verbrieftes Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit an US-Großkonzerne (die ja NICHT die Regierung vertreten) abgeben müssen.

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