YouTube: Urheberrechts-Betrüger überführen sich selbst – haben gemeldete Inhalte mit gleicher IP hochgeladen

youtube 

Auf Googles Videoplattform YouTube werden in jeder einzelnen Sekunden mehrere Stunden Videomaterial hochgeladen, die automatisiert von den Algorithmen gesichtet und unter anderem nach Urheberrechtsverstößen durchsucht werden. Nun ist ein Fall bekannt geworden, bei dem eine mehr oder weniger bekannte Musikerin die Videoplattform wegen Untätigkeit verklagen wollte – allerdings hatte die Sache einen sehr großen Haken.


youtube sad logo

YouTube bzw. Google hat es nicht leicht, mit den Urheberrechtsverstößen auf der Videoplattform umzugehen, denn nach wie vor können alle Nutzer beliebige Inhalte hochladen, die jegliches Material enthalten könnten. Zwar machen die Filter einen sehr guten Job und sortieren vermutlich riesige Massen an Material von vorneherein aus – offizielle Statistiken gibt es dazu nicht – aber sie sind eben nicht perfekt. Diese Tatsache wollte sich die Musikerin Maria Schneider, immerhin Grammy-Gewinnerin, nun zunutze machen.

Sie verklagte YouTube wegen Untätigkeit, denn auf der Videoplattform befinden sich angeblich Videos, die ihr Urheberrecht verletzen und von der Plattform von Content ID weder gesperrt noch monetarisiert worden sind. Doch bei YouTube stieß sie auf taube Ohren und so reichte sie Klage gegen die Videoplattform ein. In den Verhandlungen wurde dann auch klar, warum YouTube untätig geblieben und den Content ID-Filter nicht auf ihre Inhalte angewandt hat.

Laut YouTube gab es in der Beziehung zwischen der Musikerin bzw. dem Rechteverwalter mit dem passenden Namen Pirate Monitor keine ausreichende Vertrauensbasis. Näher begründet wurde das im ersten Schritt nicht, aber es wurde schnell klar, dass wohl etwas vorgefallen sein muss.




Auf Nachfrage erklärte den YouTube den Sachverhalt etwas näher: Maria Schneider bzw. das von ihr beauftragte Unternehmen Pirate Monitor hatte die Videoplattform im vergangenen Jahr bereits austricksen wollen – was man auch sehr eindeutig belegen kann. Im Jahr 2019 wurden mehr als 2000 Videos mit einer Länge von exakt 31 Sekunden hochgeladen, die allesamt aus kurzen Ausschnitten eher unbekannter ungarischer Filme stammten. Allein schon das soll bei YouTube wohl aufgefallen sein, denn die Uploads der eher uninteressanten Schnipsel stammten aus Pakistan. Laut YouTube in der Konstellation ein Warnsignal.

Nur wenige Stunden nach dem Upload wurden auf diese Videos dann Urheberrechtsverstöße angemeldet – und zwar auf alle 2000 Videos, bevor sie auch nur einen einzigen Aufruf gehabt hatten. Damit läutete dann schon die nächste Alarmglocke und spätestens beim Blick auf die IP-Adressen wurde klar, dass hier ein Betrugsversuch vorliegt: Die Meldungen der Verstöße kamen von derselben IP-Adresse wie die Uploads. Die genauen Beweggründe dazu sind allerdings nicht bekannt.

Dieses damalige Vorgehen hat dazu geführt, dass das Unternehmen die Dienste des Content ID-Filters nicht mehr in Anspruch nehmen kann. Was das Ganze soll, welchen Gewinn man sich davon versprochen hätte und wie weit die Musikerin mit der ganzen Sache zu tun hat, ist nicht bekannt und für mich persönlich auch nicht ganz nachvollziehbar. An diesem Fall zeigt sich allerdings, warum YouTube manchmal etwas genauer hinschauen oder vielleicht auch voreilig handeln muss.

[TorrentFreak]


Keine Google-News mehr verpassen: Abonniere den GoogleWatchBlog-Newsletter
GoogleWatchBlog Newsletter abonnieren


Teile diesen Artikel:

Facebook twitter Pocket Pocket

comment 3 Kommentare zum Thema "YouTube: Urheberrechts-Betrüger überführen sich selbst – haben gemeldete Inhalte mit gleicher IP hochgeladen"

  • So etwas macht man vermutlich aus Gründen der Beweissicherung. Es geht vielleicht nicht darum einen Schaden geltend zu machen und einzuklagen, sondern nachzuweisen, dass ein bestimmter Vorgang möglich ist. Natürlich ist der erste Weg von Google den Versuch der Beweissicherung als ungesetzlich darzustellen. Aber da das Verhalten der Musikerin so offensichtlich idiotisch wirkt, würde ich erst einmal davon ausgehen, dass die sich schon etwas dabei gedacht haben.

Kommentare sind geschlossen.