Ermittlungen in Südkorea: Google soll Samsungs Betriebssystem Tizen behindert haben

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In Südkorea haben die Gerichte und Behörden derzeit gut zu tun: Nicht nur der mit Abstand größte Konzern des Landes, Samsung, steht im Fokus der Ermittlungsbehörden, sondern auch Google ist nun ins Visier gelangt. Die Wettbewerbsbehörde sammelt seit einiger Zeit Hinweise darauf, dass Google die Entwicklung von Samsungs Betriebssystem Tizen behindert und praktisch auch verhindert haben soll – zugunsten von Android.


Mit einem Marktanteil von über 80 Prozent ist es nicht verwunderlich dass Android und Google immer wieder in den Fokus der Wettbewerbsbehörden rücken und diese ein Auge auf das Betriebssystem geworfen haben. Nicht nur in der EU gibt es ein laufendes Verfahren, sondern auch in Südkorea könnten Googles Anwälte schon bald wieder vor Gericht stehen. Und der Vorwurf wiegt gerade in dem südkoreanischen Land sehr schwer.

tizen logo

Laut ersten Ergebnissen der Wettbewerbsbehörde soll Google aktiv die Weiterentwicklung und Verbreitung von Samsungs Betriebssystem Tizen behindert haben. Samsungs Betriebssystem ist praktisch seit Jahren startklar, ist aber niemals in großem Stil auf den Markt gekommen und wird nur auf den Smartwatches des Unternehmens eingesetzt. Das soll aber nicht daran liegen dass Android so viel besser wäre, sondern viel mehr daran dass Samsung vertraglich die Hände gebunden sind.

So wie alle anderen Smartphone-Hersteller auch hat Samsung das Anti-Fragmentation Agreement unterschrieben, dass es untersagt ein eigenes Betriebssystem auf Basis von Google-Technologien zu entwickeln. Da auch Tizen teilweise auf Android-Technologien basiert ist dies aber genau der Fall, und damit ist auch erklärt warum von den großen Ankündigungen und Plänen von Samsung plötzlich nichts mehr zu hören war und nur eine sehr kleine Anzahl von Geräten überhaupt auf den Markt gekommen sind.




samsung android

Unsere Partnervereinbarungen sind komplett freiwillig – jeder kann Android ohne Google verwenden.

Google hat den Vertrag und diese Klausel an sich nicht dementiert, verweist aber darauf dass man niemanden dazu zwingt diesen Vertrag zu unterschreiben. Jedem Hersteller steht es frei, Android als Betriebssystem einzusetzen ohne sich dafür von Google zertifizieren zu lassen – dafür fällt dann aber auch der Zugang zum Play Store und der Zugriff auf die Google-Apps weg. Ohne dieses wichtige Verkaufsargument ist es einem Hersteller aber kaum möglich, Käufer für das eigene Gerät zu begeistern.

Es gibt einige wenige Hersteller die dennoch auf eine Google-freie Version von Android setzen, und damit relativ erfolgreich sind. Zum einen wäre Xiaomi zu nennen, dessen Smartphones sich vor allem in China sehr großer Beliebtheit erfreuen, und hierzulande nur schwer zu haben sind. Auch Amazon bietet seine Fire-Tablets nur mit der eigenen Software und dem eigenen App Store an. Mit wenigen Schritten kann der Play Store aber nachgerüstet werden.



Da auch Samsungs Marktanteile langsam aber sicher sinken und man immer mehr Nutzer an die neue und aufstrebende Konkurrenz verliert – und Android den Markt endgültig dominiert – sitzt Google mittlerweile am längeren Hebel und scheint Samsung so einiges diktieren zu können. Erst vor kurzem wurde bekannt, dass man auch den Sprachassistenten Bixby verhindern wollte. Ob dieser nun auf dem kommenden Galaxy S8 zu finden sein wird oder nicht, ist noch nicht bekannt.

Im vergangenen Jahr gab es wiederholt Berichte darüber, dass Samsung den Abschied von Android plant und sich voll und ganz auf Tizen konzentrieren möchte. Angesichts der Tatsache dass man nicht zweigleisig fahren kann eine nachvollziehbare Entscheidung, die aber natürlich ein enormes Risiko birgt. Zur Zeit ist ein solcher Schritt unwahrscheinlich, aber auf lange Sicht möchte sich ein Konzern wie Samsung natürlich nicht immer abhängiger von einem anderen Unternehmen machen und in Entscheidungen reinreden lassen.

[golem]


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comment ommentare zur “Ermittlungen in Südkorea: Google soll Samsungs Betriebssystem Tizen behindert haben

  • Tizen basiert auf Android? Gibt es dazu genauere Quellen?
    Ich dachte es sei eher ein Nachfolger von MeeGo, ähnlich wie Sailfish OS, und böte nur eine Android-Kompatiblität – ebenso wie Sailfish OS.

  • Tizen basiert nicht auf Android. Über MeeGo, das seinerseits aus Nokias Maemo und Intels Moblin hervorgegangen ist, basiert es zwar auch auf GNU/Linux wie Android, aber Samsung hat seine beiden anderen OS SLP und Bada (bei Tizen 2.0) miteingebracht. Ausserdem läuft Tizen auch noch auf ein paar Smart-TVs von Samsung. Asserdem gab/gibt es in Indien Smartphones von Samsung mit Tizen.

    • Hab das Wörtchen „teilweise“ im Artikel hinzugefügt. Es dürften wohl doch einige Android-Technologien darin vorkommen, sonst hätte es kein Problem gegeben.

      Dass es in einigen wenigen Märkten Tizen-Smartphones auf dem Markt gibt ist mir bekannt, wird auch im Artikel erwähnt, vermutlich gibt es dort aber keine Geräte von Samsung mit Android ?!

  • Pffft. Die Firmen sind doch sonst so einfallsreich, wenns um Steuervermeidung oder ähnliches geht. Man kann doch eine „Samsung Mobile Android“-Firma den Google-Vertrag unterschreiben lassen und eine Schwestergesellschaft „Samsung Mobile Tizen“ macht das nicht. Die eine Firma hält sich strikt an ihren Vertrag, hat aber keinerlei rechtlichen Einfluss auf die andere. Die eine bringt nur Google-Android-Geräte auf den Markt…

  • Irgendwie bekomme ich Panik, wenn ich daran denke, dass die Hersteller komplett eigene Betriebssysteme für ihre Geräte entwickeln. Updates wird es dann tatsächlich nur maximal noch 2 Mal in der gesamten Gerätelebenszeit geben oder gar nicht. Externe ROMS wird es dann nicht mehr geben. Mehr Abfall. Das bedeutet letztlich auch, dass alles über die Software geht, keine wirkliche Hardwareentwicklung mehr. Und meint wer solche Fails wie, dass Samsungs Android 7 Verhunzung die Akkuzeit drastisch verringert, wird es dann nicht mehr geben?!

    Unglaublich, dass immer noch Ökonomen davon überzeugt sind, alles regelt sich von alleine zum besten für die Verbraucher, wenn man den Markt nur sich selbst überlassen würde. Aber Studieren hat ja noch niemanden sicher vor totaler Verblödung abgehalten.

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