Die KI-Updates von Google und ihre Relevanz für B2B-Marketer

Wie Unternehmen bei Google gefunden werden, hat sich in den letzten zwei Jahren grundlegend verändert. Was mit einem Experiment namens Search Generative Experience begann, gehört heute zum festen Bestandteil der Welt-Suche von Google: Auf der Ergebnisseite beantwortet ein AI Overview Suchanfragen direkt, bevor Nutzer auch nur einen Link anklicken. Für B2B-Unternehmen, deren Entscheidungsprozesse ohnehin länger und deren Zielgruppen sehr spezifisch recherchieren, ist das eine echte Zäsur. Wer organisch sichtbar bleiben will, braucht eine angepasste Strategie.


Von SGE zu AI Overviews: Was sich strukturell verändert hat

Die Search Generative Experience stellte Google erstmals im Mai 2023 als Laborexperiment vor. Im Mai 2024 folgte der offizielle Rollout für alle US-Nutzer unter neuem Namen: AI Overviews. Seit März 2025 ist das Feature auch in Deutschland verfügbar, zunächst in begrenzten Tests, dann flächendeckend. Inzwischen erscheinen AI Overviews in mehr als 200 Ländern und 40 Sprachen.

Die Auswirkungen auf organischen Traffic sind signifikant. Studien zeigen, dass die CTR auf klassische Suchergebnisse zwischen 34 und 46 Prozent abnimmt, sobald KI-Zusammenfassungen in der Ergebnisseite erscheinen. Eine Analyse mit einer Stichprobe von 68.000 realen Suchanfragen zeigte: Bei sichtbaren AI Overviews klickten die Nutzer nur in 8 Prozent der Fälle auf ein externes Ergebnis, ohne diese Übersicht lag die Rate bei 15 Prozent. Der Anteil von Zero-Click-Searches erhöhte sich zwischen Mai 2024 und Mai 2025 von 56 auf 69 Prozent.

Dabei trifft dies nicht alle Branchen gleich. In informationslastigen Themengebieten wie Technologie erscheinen AI Overviews bei bis zu 23 Prozent der Suchanfragen, bei Gesundheitsfragen sogar bei bis zu 67 Prozent. Bei kommerziellen Suchanfragen liegt die Rate zur Zeit unter 6 Prozent. Das ist ein struktureller Vorteil, den B2B-Teams kennen sollten.

Gemini als neue Suchintelligenz: Was bedeutet das für Inhalte?

Hinter AI Overviews steckt Googles Sprachmodell Gemini. Im März 2025 brachte Google die neue Version Gemini 2.0 heraus und ergänzte es um den AI Mode, einen Konversationssuchmodus, der komplexere, mehrteilige Fragen bewältigen kann. Mit Google I/O 2025 kam das nächste Update: Gemini 2.5 generiert seither die Suchantworten, mit sehr viel besserem Reasoning und multimodaler Verarbeitung von Text, Bild und Code.




Hier wird es strategisch relevant für B2B-Teams: Gemini priorisiert Inhalte, die klar strukturiert, fachlich präzise und vertrauenswürdig sind. Wer im Onlinemarketing arbeitet, merkt das schnell: Inhalte, die wie eine klassische Produktseite klingen, werden seltener als Quelle zitiert als solche, die echtes Expertenwissen transportieren. In AI Overviews erhalten Inhalte mit verifizierten Autoren fast doppelt so viele References wie anonyme Beiträge.
Das Modell schöpft aus vielen vertrauenswürdigen Quellen, nicht aus einer einzigen. Sichtbarkeit wird daher nicht mehr nur durch ein gutes Ranking auf einer URL, sondern durch thematische Präsenz über mehrere Kanäle und Plattformen hinweg erzielt. Monatlich nutzen inzwischen 1,5 Milliarden Menschen AI Overviews. Generative Suchsysteme sollen bis Ende 2025 bereits 50 bis 70 Prozent aller Suchanfragen beeinflussen.

Was B2B-Marketer jetzt konkret anpassen müssen

Die Veränderungen, die Google durch seine KI-Updates erzwingt, lassen sich in drei konkrete Handlungsfelder gliedern.

  1. Inhaltsstruktur für maschinelle Interpretierbarkeit. Gemini extrahiert Antworten bevorzugt aus klar gegliederten Texten. Das bedeutet konkret: strukturierte Überschriften, Antworten ohne Umwege, semantisch korrekte HTML-Auszeichnung. Längere Passagen, die erst nach mehreren Absätzen zur Sache kommen, werden als Quelle weniger häufig herangezogen. Klare Abschnitte mit prägnanten Takeaways punkten überproportional.
  2. E-E-A-T als messbares Qualitätskriterium. Experience, Expertise, Authoritativeness, Trustworthiness sind keine abstrakten Leitlinien mehr. Für B2B-Inhalte heißt das: Autoren namentlich ausweisen, Branchenerfahrung durch konkrete Referenzen belegen, Aussagen mit nachprüfbaren Zahlen unterlegen. Gemini-Suchantworten zitieren nachweislich häufiger Quellen, die diesen Kriterien genügen.
  3. Digitale Autorität jenseits der eigenen Domain aufbauen. Da AI Overviews Traffic umleiten, bevor Nutzer klassische Suchergebnisse zu sehen bekommen, gewinnen Signale außerhalb der eigenen Website an Gewicht. Präsenz auf LinkedIn, strukturierte Unternehmensprofile, Nennungen auf themenrelevanten Plattformen und hochwertige eingehende Links erhöhen die Wahrscheinlichkeit, als Quelle in KI-generierten Antworten genannt zu werden.

Wer diesen Aufbau jetzt vernachlässigt, wird in einem Suchumfeld, das zunehmend ohne Klick auskommt, schlicht nicht mehr stattfinden.


 

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