Wie ChatGPT und Perplexity Google-Suche herausfordern – und was Sichtbarkeit in der KI-Suche heute bedeutet
Wer in den letzten Monaten verfolgt hat, wie sich das Suchverhalten der Nutzer verändert, sieht einen Trend: Ein Teil der heutigen Recherchen beginnt nicht mehr bei google.com, sondern direkt bei ChatGPT, bei Perplexity oder Googles eigenen AI Overviews. Die Zahlen dahinter sind beachtlich. ChatGPT hat mittlerweile über 1,7 Milliarden Besuche pro Monat. Perplexity ist von 52 Millionen Visits im März 2024 auf über 153 Millionen im Mai 2025 hoch geschossen – ein Plus von fast 200 Prozent in etwas mehr als einem Jahr.
Was sich fundamental geändert hat
Suchmaschinen wie Google liefern eine Liste von Links. Der Nutzer entscheidet, welchen er anklickt. Die KI-Suche geht anders: Das System synthetisiert eine Antwort aus mehreren Quellen und nennt in vielen Fällen nur zwei bis fünf Verweise. Wer nicht zitiert wird, existiert in dieser Antwort nicht. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2025 enden inzwischen etwa 60 Prozent aller Google-Suchen ohne einen einzigen Klick auf eine externe Website. Bei mobilen Anfragen ist dieser Wert noch höher. GEO Freelancer und Experte Justin Keirath bringt es auf den Punkt: „Immer mehr Leute, besonders bei komplizierten Entscheidungen, beginnen ihre Recherche nicht mehr bei Google, sondern direkt bei ChatGPT oder Claude.“
Gleichzeitig zeigen die Datenauswertungen aus demselben Jahr, dass Besucher, die über KI-Suchen auf eine Seite gelangen, eine weitaus höhere Conversion-Rate haben als klassische organische Besucher. Sie kommen informiert, weil das KI-System ihnen die Antwort bereits vorstrukturiert hat. Für Unternehmen, die in diesem neuen Umfeld ihre Sichtbarkeit aufbauen wollen, hat sich inzwischen ein eigenes Fachgebiet etabliert: Generative Engine Optimization, kurz GEO.
So wählen KI-Systeme ihre Inhalte aus
Hinter ChatGPT, Perplexity & Co. steckt technisch ein und derselbe Prozess: Retrieval-Augmented Generation, kurz RAG. Das Modell fragt bei einer Nutzeranfrage zunächst unter dem gesamten Web oder einer Wissensbasis nach passenden Inhalten, bewertet sie nach Relevanz und Vertrauenswürdigkeit und generiert dann eine Antwort aus den ihm am zutreffendsten erscheinenden Textauszügen.
Was es heißt, zitierwürdig zu sein, richtet sich nach anderen Maßstäben als das klassische Suchranking. Autorität zählt, aber nicht über Backlinks, sondern über die Vertrauenswürdigkeit der Entität: Wird eine Marke, Person oder Firma an mehreren vertrauenswürdigen Orten erwähnt und beschrieben? Strukturierung ist hier extrem wichtig. Inhalte, die eine klare Fragestellung direkt beantworten, faktenreich sind und eine erkennbare Struktur haben, werden von LLMs bevorzugt verarbeitet. Auch generisches Blabla, das die gleiche Aussage wie Hunderte andere Seiten trifft, hat weniger Chancen zitiert zu werden als Inhalte mit konkreten Daten, eigenen Wertungen oder Erfahrungswissen.
GEO ist kein Ersatz für SEO: GEO ist ein eigenes Thema
Ein weit verbreitetes Missverständnis: GEO löst SEO ab. Das ist natürlich völliger Quatsch. Studien zeigen, dass über 99 Prozent der in Google AI Overviews zitierten Inhalte aus Seiten stammen, die unter den Top-10-Ergebnissen der klassischen Suche gerankt werden. Wer in der organischen Suche nicht sichtbar ist, hat kaum Chancen, in der KI-Suche zitiert zu werden. Starkes SEO ist die Basis.
Was GEO darüber hinaus adressiert: Die klassische SEO optimiert für Klicks. GEO optimiert dafür, in einer generierten Antwort zu stehen. Das erfordert andere Inhaltsstrategien. Nicht die Frage, welches Keyword kommt in einem Text vor, steht im Mittelpunkt, sondern die Frage, beantwortet dieser Text eine spezifische Nutzerintention vollständig und glaubwürdig? Schema-Auszeichnungen, klare Entitäten-Definitionen, die Präsenz auf Drittplattformen wie G2, Reddit oder Branchenverzeichnissen, originäre Daten oder eigene Studien sind viel bedeutsamer als bisher.
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