Android: EU-Nutzer können die Standard-Suchmaschine ändern & Google verdient bei jedem Wechsel mit

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Die Dominanz von Android auf dem Markt der mobilen Betriebssysteme hatte bereits einigen Folgen, wie die Milliardenstrafe gegen Google und erst vor wenigen Monaten die Einführung der Browserweiche. Jetzt hat Google eine weitere große Änderung angekündigt, die den Nutzern eine einfache Möglichkeit gibt, die Standard-Suchmaschine zu ändern. Die alternativ aufgelisteten Suchmaschinen müssen dabei für jeden einzelnen Nutzer zahlen.


Google wird sehr häufig vorgeworfen, die dominante Stellung von Android auszunutzen und dadurch auch in vielen anderen Bereichen mit den eigenen Apps den Markt anzuführen. Ausnutzung der marktbeherrschenden Stellung nennt man das. Mit Sicherheit hätten viele Google-Produkte ohne Android weniger Nutzer, aber ob die marktbeherrschende Stellung tatsächlich ausgenutzt wird, ist dann doch eine Entscheidung für den Richter. Diese sahen diesen Fall zumindest für Suchmaschinen und Browser bestätigt und Google reagiert nun darauf.

android eu logo

Android: Google lässt alternative Suchmaschinen jetzt bezahlen – warum das dennoch fair ist (Kommentar)

Die Android-Nutzer in Europa werden ab dem kommenden Jahr direkt bei der Einrichtung eines neuen Android-Smartphones oder Tablets die Möglichkeit haben, eine Standard-Suchmaschine auszuwählen. Das gilt sowohl für das Widget auf dem Homescreen des Betriebssystems sowie auch für die im Chrome-Browser verwendete Suchmaschine. Dazu wird es folgendes Auswahlmenü geben, das die Bezeichnung „Android Choicescreen“ trägt und direkt nach der Einrichtung angezeigt wird.

android search choicescreen

Die Nutzer bekommen jeweils exakt vier Suchmaschinen in zufälliger Reihenfolge angezeigt. Dabei handelt es sich stets um drei externe Suchmaschinen sowie die Google Websuche. Die Auswahl ist aber nicht beliebig, sondern die jeweils drei anderen Suchmaschinen müssen sich für die Aufnahme in diese Liste bewerben und entsprechend tief in die Tasche greifen, wenn sie einen neuen Nutzer gewonnen haben. Für Google vermutlich ein sehr lukratives System.



Die Suchmaschinen werden jeweils für ein Jahr ausgewählt und sind von Land zu Land unterschiedlich. Die Anbieter, die dabei sein möchten, müssen einige technische Voraussetzungen erfüllen, Google genügend Schnittstellen für alle Funktionen zur Verfügung stellen, eine kostenlose App im Play Store anbieten und gleichzeitig auch eine gewisse regionale Bedeutung haben. Google stellt also auch weiterhin sicher, dass die Nutzer eine Suchmaschine mit relevanten Inhalten auswählen.

Aber Google möchte auch etwas dafür haben: Ab sofort startet ein Auktionssystem, bei dem jede Suchmaschinen einen Wert X bieten kann, der pro neu gewonnenem Nutzer an Google gezahlt werden muss. Die drei Anbieter mit dem höchsten Gebot erhalten den Zuschlag und werden dann für das kommende Jahr in dieser Auswahlliste angezeigt. Man kann das Ganze also eher mit einer Werbeanzeige vergleichen statt als Auswahlliste zu sehen. Der Nutzer erfährt von dieser Zahlung nichts.

Wie hoch so eine Gebühr pro Nutzer sein könnte, wird sich erst im Rahmen der Auktion zeigen, lässt sich aber sehr schwer abschätzen. Google dürfte dadurch aber profitieren, denn so erhält man Zahlungen von der Konkurrenz (die ohnehin meist nicht so finanzkräftig sind) und behält dennoch die Nutzer, weil die Websuche in weitere Google-Produkte wie den Assistant oder auch Gboard integriert ist. Das dürfte so nicht im Sinne der EU-Hüter sein, aber ist dennoch ein faires System.

» Mehr Details zum Android Choicescreen
» Ankündigung im Google-Blog

Siehe auch
» Android: Die Browserweiche ist da – Nutzer bekommen nun alternative Browser und Suchmaschinen angeboten


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comment 4 Kommentare zum Thema "Android: EU-Nutzer können die Standard-Suchmaschine ändern & Google verdient bei jedem Wechsel mit"

  • Das ist ganz bestimmt nicht im Sinne der EU-Kommission. Das ist aber auch typisches Allmachtsverhalten, wie man es von Facebook und Google kennt, je mehr sie in Bedrängnis geraten, um so frecher ist ihr Auftreten.
    Ich hoffe mal, daß Margrethe Vestager dieses Verhalten mit sich erhöhenden Geldstrafen quittiert und ein Weg gefunden wird, die Einspruchsmöglichkeiten der zu einer Strafe verdonnerten Unternehmen zeitlich zu begrenzen.
    Vielleicht findet ja das Department of Justice eine Möglichkeit, Google bald in Teile zu zerschlagen, denn die einzelnen Teile wären sicherlich fitter als das Gesamtunternehmen, wie es sich im Moment darstellt.

        • @OkerJoker Ist nicht persönlich. Nur ein Hinweis – weil Sie sich ja scheinbar durch das „Allmachtsverhalten“ (ihre Worte) von Google so bedrängt fühlen.

          Kaufen Sie Apple oder Windows und bleiben Sie in deren Kosmos. Die passen vielleicht besser zu Ihnen.

          Niemand muss ja zwingend mit Google arbeiten – weder ich noch Sie.

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