Zu kompliziert und ätzend: Google möchte URLs im Chrome-Browser verschwinden lassen

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Mit der nicht ganz so runden Jubiläums-Version Chrome 69 hat Google viele Veränderungen in den Browser gebracht, die aber allesamt nur als Weiterentwicklungen oder Modernisierungen bezeichnet werden können. Jetzt hat Google angekündigt, dass es in Zukunft wohl eine sehr radikale Änderung geben wird, die für Diskussionen sorgen wird: Das Chrome-Team möchte URLs bzw. deren Darstellung in der Adressleiste abschaffen.


So modern der Chrome-Browser und seine Kollegen auch sein mögen, so sehr basiert das gesamte Browser-System doch auf Technologien, die nun schon einige Jahre auf dem Buckel haben. Dazu gehören etwa auch URLs, die bei der Übertragung vieler Parameter gefühlt ganze Bücher füllen können. In 99,9 Prozent der Fälle interessiert sich der Nutzer allerdings nicht für die vollständige URL, sondern höchstens für den ersten Teil – nämlich die Domain.

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Jetzt hat Chromes Entwicklungschefin Adrienne Porter angekündigt, dass sich die Darstellung von URLs in Zukunft ändern wird. Derzeit ist dem Chrome-Team selbst noch nicht klar, wohin die Reise gehen wird, aber die künftig vorgenommenen Änderungen werden für kontroverse Diskussionen sorgen – dem ist sich das Team selbst bewusst. Doch laut eigenen Aussagen sind URLs einfach ätzend/scheiße („Kind of suck“) und gehören zumindest in der Darstellung abgeschafft.

They’re hard to read, it’s hard to know which part of them is supposed to be trusted, and in general I don’t think URLs are working as a good way to convey site identity. So we want to move toward a place where web identity is understandable by everyone—they know who they’re talking to when they’re using a website and they can reason about whether they can trust them. But this will mean big changes in how and when Chrome displays URLs. We want to challenge how URLs should be displayed and question it as we’re figuring out the right way to convey identity.

Vermutlich wird darauf hinauslaufen, dass nur noch Teile der URLs angezeigt werden. Die Domain gehört als Identität wohl auf jeden Fall dazu, alles weitere könnte in Form einer intelligent erkannten Navigation dargestellt werden, so wie es einige Jahre lang auch in der Google Websuche angewendet wurde.



Natürlich löst man damit nicht das Problem, dass eine Domain nicht immer unbedingt auf das Angebot schließen lässt. Natürlich könnte man so etwas über die Angaben in den Meta-Daten auslesen, aber dadurch wäre wieder viel Spielraum geschaffen, dort Angaben unterzubringen, die den Nutzer verwirren, falsche Angebote oder gar eine falsche Sicherheit vorgaukeln. Das Hauptproblem sind aber vor allem Parameter.

Lange URLs bestehen weniger aus einem langen Dateipfad auf dem Webserver, sondern viel mehr aus den endlosen Parametern (auch die Google-Websuche). Genau diese könnte man sich sparen, denn sie sind für 99,9 Prozent der Nutzer, wie bereits angesprochen, völlig irrelevant. Es gibt so viele weitere Daten, die auf anderem Wege übertragen werden und für den Nutzer ebenfalls nicht sichtbar sind. Dazu zählen POST-Daten, aber z.B. auch in Cookies gespeicherte Informationen. Die per GET gesendeten Daten in der URL könnten genauso versteckt und erst nach Anforderung des Nutzers angezeigt werden.

I don’t know what this will look like, because it’s an active discussion in the team right now. But I do know that whatever we propose is going to be controversial. That’s one of the challenges with a really old and open and sprawling platform. Change will be controversial whatever form it takes. But it’s important we do something, because everyone is unsatisfied by URLs

Wir dürfen gespannt sein, wie das schlussendlich aussehen wird.

UPDATE 08.09.2018
» Googles Kampf gegen die URL: Chrome 69 blendet erste URL-Teile aus – So lassen sie sich wieder einblenden

Siehe auch
» Chrome für Android Omnibox: Google lässt die URL bei Suchanfragen verschwinden – so lässt es sich testen
» Google Chrome 69: Neues Design auf allen Plattformen, anpassbare Neuer Tab-Seite, Easteregg & mehr
» Nach dem großen Chrome-Redesign: Chrome OS 70 wird viele Verbesserungen für Tablet-Nutzer bringen

[engadget]


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comment 3 Kommentare zum Thema "Zu kompliziert und ätzend: Google möchte URLs im Chrome-Browser verschwinden lassen"

  • google? das sind doch die, die es auch ätzend und kompliziert finden, den anwendern zu vermitteln, welche berechtigungen apps und browsererweiterungen einfordern und damit haufenweise malware unter die leute verbreiten. am ende wird das internet noch ein wenig unsicherer. danke google

  • So ein schwachsinn, da muss sich wohl eher jemand profilieren das man überhaupt was zu tun hat. Wenn bereits im Team Diskussion darüber herrscht, dann lässt man es bleiben. Chrome ist ein Flagschiff Browser, da hätte ich als Vorstandsvorsitzender definitiv was zu sagen, es geht auch um Marktmacht und sowas wie die URL einfach mal abschaffen zu wollen ist absurd und würde mich als Nutzer zu Firefox etc. ziehen oder wenn dann noch Chromium, frei von dem Google Chrome mist. Die sollen sich lieber um das RAM Problem kümmern, das ist nicht sonderlich besser geworden. Es gibt vieles mehr was man im Chrome in angriff nehmen könnte.

  • Hey, Binary Tags… Man könnte das ganze URL System abschaffen oder parallel weiter laufen lassen. Mit mehreren Wörtern oder einem Stichwort direkt eine Seite besuchen oder diesbezüglich ähnliche finden indem man Seiten mit diesen und ähnlichen Tags sucht. Man könnte bestimmte Tags festlegen, die man als Pflicht haben will, deshalb Binary weil, z.B. eine Verschlüsselung oder Zertifikat, gleich als Zwangstag mit existieren muss (oder nicht, je nach Anwender). Die ganze notwendige Übertragung und Speicherung gibt das bisherige HTML Protokoll her. Schon seit v.4. Versierte Benutzer hätten mehr Kontrolle, weniger Versierte hätten es deutlich einfacher. Google könnte seine Infrastruktur behalten und später vermutlich die Suche darauf optimieren.

    Man könnte sogar den Benutzern die Möglichkeit geben selber bei der Kategorisierung zu helfen, sofern man das wirklich möchte. Was ich eher nicht empfehlen würde.

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