Gefährliche Ferndiagnosen: Immer mehr Deutsche befragen Dr. Google zu Gesundheitsthemen (Studie)

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Die Google Websuche ist für viele Menschen die erste Anlaufstelle nach Informationen bzw. für die Beantwortung von Fragen aller Art. In vielen Fällen ist die Suchmaschine auch tatsächlich hilfreich, birgt aber bei einigen Themen auch Gefahren. Eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt jetzt, dass insbesondere bei allen Themen rund um die Gesundheit und Krankheiten der Rat von Dr. Google auch sehr gefährlich werden kann.


Da Google zuverlässig die Antworten auf unzählige Fragen aus allen Bereichen liefert, st es nur logisch dass man auch bei der eigenen Gesundheit Dr. Google um Rat fragt und sich selbst eine erste Ferndiagnose einholt. Das ist auch nicht verkehrt, sorgt aber dann für Probleme, wenn dem Internet mehr Vertrauen als dem eigenen Arzt entgegengebracht wird. Und das ist immer häufiger der Fall, so dass nicht selten der Arztbesuch entfällt.

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Eine Bertelsmann-Studie zeigt nun, dass mindestens 50 Prozent aller Deutschen schon einmal bei Dr. Google um Rat gefragt hat. Und ein Großteil sucht sogar mindestens einmal pro Monat nach Gesundheitsthemen. Da Google aber selbst keine Antworten liefert und sich, wenn es dann mal schnelle Antworten per Onebox gibt, alle Informationen aus dem Web zusammen sucht, sollten alle Informationen hinterfragt werden. Aber genau an dieser Stelle steigen viele schon aus.

Auf der Suche nach Krankheiten und Gesundheitsthemen landen gut 72 Prozent bei Wikipedia, aber auch die bekannten Portale wie gutefrage oder wer-weiss-was sind aufgrund der spezifischen Fragestellungen sehr beliebt. Eine Vorabinformation ist natürlich nicht schlecht, aber man sollte sich nicht zu sehr darauf verlassen und dennoch den Arzt konsultieren und eher auf dessen Rat hören. Die Gefahr besteht nämlich gerade in der Natur dieser Portale.

Wikipedia listet sehr umfangreich zu vielen Krankheiten Symptome auf und geht durch den Detailreichtum natürlich bis hin zu den schwersten Erkrankungen. Im Geiste dürften allein schon dadurch viele Menschen zu Hypochondern werden. Und auch das gefährliche Halbwissen auf den Frage-Antwort-Portalen trägt nicht unbedingt zu fundierten Informationen bei.



Google kann man für diese Tatsache keinen großen Vorwurf machen, denn es tritt nur als Vermittler für die Informationen auf. In den USA ist man allerdings schon länger damit beschäftigt, fundierte Informationen zu Gesundheitsthemen an und setzt dabei auch auf ärztlich geprüfte Informationen. Das ersetzt natürlich noch immer keinen Arzt, sorgt aber wenigstens dafür dass keine falschen Informationen durch die Websuche verbreitet werden.

Für eine ähnliche Umsetzung in Deutschland ist das Bundesgesundheitsministerium gefragt, das sich auch tatsächlich schon Gedanken in diese Richtung gemacht hat:

Es wäre gut, wenn Patienten im Netz einen einfachen, direkten Zugang zu guten Patienteninformationen bekämen, über ein nationales Gesundheitsportal. Das Bundesgesundheitsministerium hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen damit beauftragt, dafür ein Konzept zu entwickeln.“

Problematisch ist aber nicht nur dass der Arztbesuch bei einigen entfällt, sondern auch die Folgen NACH einem Arztbesuch. Hat man sich tatsächlich einmal etwas ernsthaftes geholt, bekommt man vom Arzt einige Fachwörter und Mittelchen aufgeschrieben und darf dann wieder gehen. Doch gerade die gezielte Suche nach Heilmitteln führt dann oft zu gesponsorten Seiten der Pharmaindustrie, und bringt viele Menschen dazu, vielleicht auf ganz andere Mittel zu setzen. Auf jeden Fall ein sehr interessantes Thema, dass in Zukunft vielleicht auch wegen der Smart Speaker und Assistenten noch mehr an Bedeutung gewinnen dürfte.

» Die Studie von Bertelsmann (PDF)

[Tagesschau]


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