Jigsaw Perspective: Neues kostenloses Tool soll die Diskussionskultur im Internet retten

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Es ist für die Betreiber großer Portale oder Online-Publikationen nicht immer leicht: Da bemüht man sich (zumindest die meisten) um qualitativ hochwertige Inhalte und möchte den Nutzern ein gutes Erlebnis verschaffen, und beim Blick in den Kommentar-Bereich ist das ganze dann vorbei. Die Google-Schwester Jigsaw möchte dieses Problem nun lösen und die Qualität der Kommentarspalten steigern und die Diskussionskultur im Internet wieder verbessern.


Es ist so wie immer im Leben: Wegen einigen wenigen Nutzern – auch liebenswert Trolle und Hetzer genannt – müssen alle anderen leiden: Mit ihnen ist keine vernünftige Diskussion möglich und sie ersticken jedes vernünftige passende Diskussionsthema im Keim. Aus diesem Grund haben bereits viele Webseiten ihre Kommentar-Bereiche geschlossen oder müssen diese mit einem erheblichen personellen Aufwand moderieren. Aber damit könnte bald schluss sein.

jigsaw perspective

Die Google-Schwester Jigsaw hat heute ein Tool namens Persepective vorgestellt, dass sich genau um dieses Problem kümmert: Die Künstliche Intelligenz im Hintergrund kann beliebige Kommentare auswerten und relativ treffsicher herausfinden ob diese ernsthaft zu einer Diskussion beitragen oder ob sie nur zum Trollen, Hetzen oder Beleidigen abgesendet worden sind. Dabei muss natürlich nicht jeder Kommentar zur Diskussion beitragen – denn wir sind ja schließlich im Neuland und nicht in der Politik – aber er sollte eine aktive Diskussion nicht stören.

Um dies zu erreichen wird jeder Kommentar auf einer „Gift-Skala“ eingeordnet und bekommt einen Wert von 1 bis 100. Je höher der ermittelte Gift-Wert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit dass es sich um einen unpassenden Kommentar handelt. Ein hoher Gift-Wert wird etwa auch bei Kommentaren zurückgegeben, die andere Nutzer dazu verleiten eine Diskussion oder eine Kommentar-Spalte zu verlassen und entnervt aufzugeben. Die Software wurde in den vergangenen Monaten auf dem Portal der New York Times getestet und soll dort ein großer Erfolg gewesen sein.



Das Tool soll für jedes Portal kostenlos zur Verfügung stehen und ganz einfache via API eingebunden werden. Zur Zeit befindet sich das ganze aber noch in einer geschlossenen Testphase und man kann sich lediglich für einen Zugang zu der API anmelden, woraufhin man mit etwas Glück freigeschaltet wird. Eine Limitierung soll es dabei nicht geben, Jigsaw soll einfach nur dazu beitragen die Diskussionskultur im Internet zu verbessern. Wie man damit irgendwann mal Geld verdienen möchte ist offen.

Jigsaw wurde bereits Anfang 2016 gegründet und ging aus Google Ideas hervor, das sich ebenfalls mit solchen Themen beschäftigt hat. Wenn das Tool eines Tages eine so hohe Erkennungsrate entwickelt wie die Spam-Filter aus dem Hause Google, dann könnte es bei entsprechender Verbreitung tatsächlich dazu beitragen, die Diskussionskultur langfristig zu verbessern. Dann müssen auch die Verlage keine Angst mehr vor ihren eigenen Nutzern haben und können ihre Kommentarspalten wieder dauerhaft öffnen.

Ein solches Tool kommt gerade zur rechten Zeit, denn erst vor wenigen Tagen hat etwa Amazon die Diskussionsforen von IMDb geschlossen – und zwar genau aus diesem Grund, nämlich dass dort laut Ansicht des Portals keine ernsthaften Diskussionen mehr möglich waren.

» Jigsaw Perspective

[Spiegel]



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