Street View: Auch Datenpakete wurden gespeichert; Bundesregierung empört

Street View

Google hat einen grundlegenden Fehler begangen. Zunächst hat man die Medien getäuscht, indem man sagte, dass keine „Payload“-Daten (also Datenpakete) gespeichert werden, sondern nur MAC-Adressen und SSIDs. Dies berichtigte Google in einem sehr entsetzlichen Blogeintrag; es sei „ein Irrtum“ gewesen, denn man speichere knapp 600 Gigabyte an Daten. Das gefällt der Bundesregierung ganz und gar nicht.

Man hatte im April noch groß geschrieben, dass die Autos nur WLAN-Daten speichert, die man von außen einsehen kann. Jedoch war dies nicht ganz richtig, wie man heute im Google-Blog bedauert: „Aber jetzt ist klar: Wir haben versehentlich Payload-Daten-Proben von offenen (z. B. nicht Passwort-geschützten) WLAN-Netzen gesammelt, obwohl wir diese Daten nie irgendeinem Google-Produkt verwendet haben„, so könnte man sehen, dass sie in das WLAN-Netz eingebrochen sind, um sich die Daten zu angeln. Allerdings haben sie immer nur Fragmente gesammelt, wie es weiter heißt, „… wir haben nur Daten-Fragmente vom Payload gesammelt, weil: Unsere Autos sind unterwegs; jemand müsste das Netzwerk benutzen, wenn das Auto vorbeifährt; und unser In-Car-Equipment wechselt den WLAN-Kanal automatisch und ruckartig fünf mal in der Sekunde. Außerdem sammelten wir Information nicht, die über sichere, Kennwort-geschützte WiFi-Netzwerke reist.

Google gibt die Verantwortung auf einen Software-Entwickler ab: Der Soll 2006 an einem experimentellen Code gearbeitet haben, der alle Arten von WLAN-Daten aufzeichnet. Jedoch hat keiner überprüft, ob auch Payload aufgenommen wird und so ging das Debakel los.

Damit nicht noch mehr Schaden mit diesen Daten angestellt wird, möchte Google aber so schnell wie möglich, die riesigen Datenmengen beseitigen und möchte vorsorgen. Dazu trennt Google die Street View Autos vom Netzwerk. So kommt erstmal keiner an die Daten. Dann sollen die Daten so schnell wie möglich gelöscht werden. Außerdem sollen Dritte an Google’s Hand, die den Prozess weiter überwachen, damit „Google vertrauenswürdig“ bleibt.

Damit Google auch noch seinen Kopf behält, hat man im selben Atemzug die Erwähnung von Google Search in SSL gebracht. Diese soll nächste Woche starten und als erste Suchmaschine der Welt standardmäßig SSL aktiviert haben.

Die Sache hat einen richtig derben Nachgeschmack, denn Google hat Behauptungen aufgestellt, die gar nicht richtig waren. Das kommt auch bei der Bundesregierung sehr schlecht an und ein Sprecher von Ilse Aigner (wir erinnern uns an den Street View-Deal) zeigt sich erbost gegenüber Google und fordert die Politik auf, etwas dagegen zu unternehmen. So sagte ihr Sprecher gegenüber dem Nachrichtenmagazin SPIEGEL: „Nach den uns bisher vorliegenden Informationen ist Google über Jahre offenbar illegal in private Datennetze eingedrungen“, die Vorgänge seien „alarmierend“ in jeder Hinsicht. Für Google „ist Datenschutz“ „ein Fremdwort“, so Eichle (Sprecher von Aigner). Man werde diesen Fall „nicht auf sich beruhen lassen“.

Auch Aigner selbst hat sich nochmals gegenüber SPIEGEL ONLINE geäußert: „Es ist befremdlich, wenn ein Konzern wie Google auf mehrfache Nachfrage einräumen muss, dass er selbst nicht weiß, welche Daten er von Bürgern gesammelt hat„, und der Sprecher fordert, dass alle Karten auf den Tisch gelegt werden müssen und Google endlich zugeben muss „welche Daten bei Street View erfasst, gespeichert, vernetzt und vermarktet werden“. Aigner selbst findet die Google-Informationspolitik „schwer erträglich“ und fordert mehr Offenheit für die Bürger.

Google hat Zugeständnisse gemacht und bedauert diesen Vorfall. Aber auch als Bürger schwindet langsam das Vertrauen in den Suchgiganten. Google hat nicht mit offenen Karten gespielt und wird dafür jetzt bestraft. Was dem Konzern aber als Pluspunkt anzurechnen ist, ist die Tatsache dass man wenigstens zu einer Stellungnahme im Blog bereit war und Fehler eingesehen hat. Oft genug sieht man bei Firmen, dass Daten-Skandale und Lecks einfach der Öffentlichkeit überlassen werden; man antwortet einfach nicht auf Presse-Schreiben oder spielt es als Eklat bzw. Fauxpas herunter. Google muss sich jetzt aber der genauen Begutachtung der Regierung unterstellen, wenn Street View wirklich online kommen möchte. Es ist aber abzusehen, dass die Bundesregierung und die Bürger noch misstrauischer werden und weiter nachbohren.

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