Erst in der vergangenen Woche hatte die EU-Kommission eine Rekordstrafe gegen Google verhängt und wird das Unternehmen vermutlich um ganze 2,42 Milliarden Euro erleichtern. Möglicherweise sollte die Konzernmutter Alphabet den Geldkoffer aber nicht zu weit weglegen, denn schon bald könnte die nächste Rekordstrafe bevorstehen. Auch das Verfahren gegen Android könnte schon bald zum Abschluss kommen und geht in die ernste Phase.
Im April dieses Jahres hatte die EU-Kommission ein Verfahren gegen Android gestartet, in dem man Google vorwirft, die Marktmacht des Betriebssystems auszunutzen. Angesichts der Marktanteile von knapp 90 Prozent ist ein solches Verfahren kaum verwunderlich, aber die Argumente der EU sind nur an den Haaren herbeigezogen - behauptet nun zumindest Google in der offiziellen Antwort. Wenig überraschend weist man alle Vorwürfe von sich - und das durchaus überzeugend.
Die letzten zwei Jahre waren für Google in der EU nicht gerade leicht, denn insgesamt hängen dem Unternehmen nun schon ganze drei Verfahren wegen Wettbewerbsmissbrauch an - und diese betreffen naturgemäß die wichtigsten Produkte. In dem Verfahren gegen Android steht nun offenbar schon bald eine Entscheidung an, denn die Wettbewerbshüter sollen ein 150 Seiten starkes Dokument verfasst haben, aus dem hervorgeht dass Google die Bündelung der einzelnen Komponenten in Zukunft untersagt werden soll. Außerdem droht eine hohe Strafzahlung.
Es ist bereits seit einigen Tagen erwartet worden, und heute Mittag hat die EU-Kommission es offiziell verkündet: Der Wettbewerbskommission ist die Marktmacht von Android ein Dorn im Auge, die Google laut den Ergebnissen der Ermittlung ausnutzt um Konkurrenten systematisch aus dem Weg zu räumen und die eigenen Angebote zu bevorzugen. Google hat nun Zeit offiziell auf die Vorwürfe zu reagieren, es dürfte aber ein langes und sehr kostspieliges Verfahren bevorstehen.
Schon seit längerer Zeit steht Google in der EU-Wettbewerbskommission auf der Beobachtungsliste und spätestens seit dem vergangenen Jahr sind die Untersuchungen gegen das Unternehmen verschärft worden. Seit dem Frühjahr letztens Jahres droht ein langes und wahrscheinlich schmerzhaftes Verfahren in der EU wegen eines angeblichen Wettbewerbsmissbrauchs. Doch während bisher vor allem die Suchmaschine im Fokus stand, soll nun auch das dominierende Betriebssystem mit in die Untersuchungen aufgenommen werden.
In den vergangenen Jahren hatte die EU-Kommission gegen Google wegen Wettbewerbsmissbrauchs im Markt der Suchmaschinen ermittelt, und konnte dennoch nur sehr geringe Zugeständnisse des Unternehmens erreichen. Jetzt haben die EU-Kartellwächter einen neuen Markt gefunden und bereiten angeblich eine große Untersuchung gegen Android vor, weil Google dessen Verbreitung zu Lasten der Konkurrenz ausnutzt.