Google-Quartalszahlen unter der Lupe: Wie lange ist das Alphabet-Konstrukt noch tragbar? Verbrennt Milliarden

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Google hat vor wenigen Tagen die Geschäftszahlen für das 3. Quartal 2022 vorgelegt und hat damit nicht gerade für Begeisterung unter den Aktionären gesorgt – trotz gestiegenem Umsatz. Denn die von CEO Sundar Pichai seit einigen Monaten herbeigeredete Krise schlägt sich erstmals in den Geschäftszahlen nieder und bringt erneut kritische Fragen zur Alphabet-Zukunft. Langsam muss man sich fragen, ob das Alphabet-Konstrukt als extremer Kostentreiber noch eine Zukunft hat.


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Die Google-Mutter Alphabet gehört zu den wertvollsten Unternehmen der Welt und konnte über viele Jahre ein zweistelliges Umsatzwachstum hinlegen, auch in Zeiten globaler Krisen. Doch zumindest im 3. Quartal war das nicht mehr der Fall, denn plötzlich ist Sand im Getriebe und das Geschäft läuft nicht mehr so reibungslos wie zuvor. Der Umsatz ist um sechs Prozent gestiegen, hat damit aber ein deutlich geringeres Wachstum als zuvor. Noch ein Jahr vorher stieg der Umsatz um 41 Prozent (!).

Wachstum ist endlich und vielleicht hat Google das Ende der Fahnenstange bald erreicht. Aber auch die aktuellen globalen Krisen (Energie, Finanzen, Euro-Absturz, Kriegssorgen,…) spielen natürlich mit herein. Das alles hat dafür gesorgt, dass das Umsatzwachstum stark ausgebremst wurde und auch der Gewinn stark eingebrochen ist. Der Gewinn lag mit 13,9 Milliarden Dollar ganze fünf Milliarden Dollar unter dem Vorjahr.

Wir sind weit davon entfernt, Google in der Krise zu sehen, doch diese Zahlen sind deutlich Warnsignale. CEO Sundar Pichai hatte schon vor drei Monaten vor einem Abflachen gewarnt und seinem Konzern mehr Effizienz verordnet. Man kann sich so manche teure Spielereien der guten Tage derzeit nicht mehr leisten. Die Effizienz soll Konzerweit um 20 Prozent gesteigert werden – was sich in den letzten Wochen schon an einigen Streichungen gezeigt hat (Stadia, Pixelbooks,…). Die 20 Prozent entsprechen in etwa dem Gewinnrückgang und waren somit gut eingeschätzt.




alphabet zahlen q3 2022

Google liefert noch ganz gute Zahlen, aber sind die Aussagen von Pichai nicht ein krasser Gegensatz zum Alphabet-Konstrukt, dessen CEO er ebenfalls ist? Google ist nur ein Teil der Alphabet Holding, die aus einigen weiteren Unternehmen / Projekten / Moonshots besteht und seit vielen Jahren ein finanzielles Fass ohne Boden ist. Ich habe hier im Blog schon häufiger hinterfragt, wie lange sich Google / Alphabet diesen Luxus noch leisten kann. Und jetzt könnte die Zeit gekommen sein, dass sich auch die Aktionäre diese Frage stellen und sich etwas ändern muss.

Die nackten Zahlen
Die Alphabet-Unternehmen neben Google erwirtschaften im Vergleich gesehen keinen nennenswerten Umsatz und fahren Quartal für Quartal hohe Verluste ein. Allein im Jahr 2021 haben die Alphabet-Unternehmen einen Verlust von 5,28 Milliarden Dollar eingefahren. Im 3. Quartal waren es allein 1,6 Milliarden Dollar und damit im Jahr 2022 schon jetzt 4,4 Milliarden Dollar – man dürfte den Vorjahreswert damit knacken. Die Verluste steigen immer weiter und es gibt von Außen betrachtet keinen Hinweis darauf, dass sich das bald ändert. Man hat aus finanzieller Sicht noch immer nicht das nächste Google gefunden, dass Alphabet tragen könnte.

Die Alphabet-Verluste werden vollständig von Google ausgeglichen und mit zweistelligen Milliardengewinnen kann man sich diesen Luxus vielleicht auch einige Jahre leisten. Aber was ist, wenn Googles Gewinn weiter sinkt und das Gesamtergebnis irgendwann nicht mehr so schön rosarot kaschieren kann? Ich denke, dass langsam die Zeit gekommen ist, dass Alphabet seine größten Kostentreiber loswerden muss, welche auch immer das sein mögen. Bis heute schlüsselt Alphabet nicht auf, wie sich diese Zahlen zusammensetzen.

Alphabet-Wetten belasten den Gesamtkonzern
Alphabet ist bereits acht Jahre alt und die darin geparkten Projekte haben in vielen Fällen schon eine deutlich längere Geschichte. Ganz persönlich sehe ich kein Projekt, das eines Tages die hohen Investitionen wieder reinholen könnte. Waymo könnte der größte Kostentreiber sein und hat bis heute kein tragfähiges Geschäftsmodell gefunden, das hohe Gewinne verspricht. Um den Taxidienst ist es in den letzten Monaten auch verdächtig ruhig geworden.




Ich habe schon Anfang des Jahres in meine Glaskugel geblickt und Alphabet als gescheitert betrachtet. In acht Jahren ist keine einzige der großen Wetten aufgegangen, obwohl sie zum Teil schon jahrelang unter dem Dach von Google entwickelt wurden. Kein Projekt kann nennenswerte Umsätze erwirtschaften, viele wurden in den vergangenen Jahren eingestellt und es kommt kaum neues nach. Auch die damals in Aussicht gestellten großen Übernahmen sind ausgeblieben. Alles was unter dem Alphabet-Dach irgendwie interessant ist, stammt aus dem Hause Google.

Alphabet ist mit den aktuell bekannten Projekten gescheitert. Zumindest aus meiner Sicht. Es ist möglich, dass man da intern an etwas ganz Großem dran ist und bald den Turnaround schafft, aber das sehe ich ehrlich gesagt selbst mit dem Fernrohr nicht am Horizont. Ich halte es für bezeichnend, dass Sundar Pichai als Google-CEO auch Alphabet nebenbei mitmanagen kann. Einziger Lichtblick, der allerdings nur eine Verschiebung ist: Das Google-Werbegeschäft könnte zu Alphabet ausgelagert werden. Das brächte allerdings nur das Ergebnis, dass „Google Inc“ plötzlich Verluste einfährt und „Google Ads“ dann der einzige Gewinnbringer bei Alphabet ist.

Man muss sich um Google sicherlich noch keine Sorgen machen, aber ich sehe als absoluter Finanz-Laie eine Gefahr darin, dass das ganze Kartenhaus irgendwann implodiert. Ein irgendwann nicht ausschließbarer weiterer starker Einbruch des Werbegeschäfts kann sehr schnell eine Kettenreaktion auslösen, denn alles basiert darauf, dass Googles Werbegeschäft immer weiter wächst. Man müsste schleunigst einen Geschäftsbereich finden, der das auffängt. Doch das ist bisher weder mit Hardware, mit Cloud-Angeboten noch den zahlreichen Alphabet-Unternehmungen gelungen…

» Alphabet-Zahlen zum Nachlesen

» Google Quartalszahlen 3/2022: Alphabet-Wachstum erheblich gebremst und Gewinn stark eingebrochen


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