Entwickler: Android-Konzept wurde nach iPhone-Vorstellung „völlig neu überdacht“

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Es wurde Google in der Vergangenheit oft vorgeworfen, mit Android eine Kopie von Apples Betriebssystem iOS erschaffen zu haben, mit dessen Hilfe das eigene System so explosionshaft wachsen konnte. Nun blickt ein Entwickler auf die Anfangszeit des Systems zurück und gibt viele interessante Einblicke in die Pläne und Konzepte von damals. Außerdem verrät er, dass nicht Apple der eigentliche „Feind“ war, sondern ein ganz anderes Unternehmen.


Knapp 1 Jahr nachdem Steve Jobs sein erstes iPhone vorgestellt und damit die gesamte mobile Welt revolutioniert hat, kam das erste Smartphone mit Googles damals kaum beachtetem Betriebssystem Android auf den Markt: Das HTC G1 – früher auch oft GooglePhone genannt. Doch bei hierbei handelte es sich nicht um einen Schnellschuss gegen den neuen Konkurrenten, tatsächlich war das eigene Betriebssystem schon gut 3 Jahre in der Entwicklung – erhielt aber durch das iPhone den entscheidenden Schub.

Android Cupcake

Google hatte im Jahr 2005 das unfertige Android-Betriebssystem gekauft und dessen Entwicklung unter Leitung von Andy Rubin weiter gepusht – mehr als 15 Monate arbeitete ein Team von gut 50 Entwicklern an Konzepten und Programmierarbeiten. Die Entwicklung war also schon weit fortgeschritten, lange bevor Steve Jobs auf die Bühne getreten ist – man wusste aber sehr wohl, dass Apple ein Smartphone entwickelt. Google war auf dem iPhone gut vertreten: Die Websuche, die Maps und YouTube waren schließlich vorinstalliert.

Google fürchtete Microsofts Dominanz
Der eigentliche Grund für die Entwicklung von Android war Microsofts Bestreben, mit Windows CE den Markt für mobile Betriebssysteme einzunehmen – dessen Marktanteile damals noch explodierten. Google war in Sorge, dass Microsoft es den Nutzern schwer machen würde Google als Suchanbieter zu nutzen und die eigene Websuche zu pushen. Den mobilen Markt, der damals eigentlich noch keiner war, wollte man keinesfalls verschlafen und stark vertreten sein.


Also plante man ein eigenes mobiles Betriebssystem das auf vielen Handys bzw. Smartphones installiert werden sollte und auch endlich ein einheitliches System für Entwickler bereitstellen sollte. Auch einen App Store hatte man schon früh in die Planung eingeschlossen, über den die Apps bezogen werden sollten. Bis dahin waren mobile Apps nahezu unbekannt, da es einem Entwickler kaum möglich war sein „Programm“ auf mehreren Handys von verschiedenen Herstellern zum laufen zu bringen.

Die Entwicklung war weit vorangeschritten und man hatte bereits dutzende Prototypen entwickelt. Allesamt hatten sie ein großes Display mit Touch-Bedienung, dazu aber auch eine Hardware-Tastatur – sie sahen aus wie BlackBerrys. Das gesamte Konzept war bereits auf Touch ausgelegt, man konnte sich aber nicht vorstellen dass die Nutzer auch längere Texte über den Bildschirm eingeben würden und musste daher jedem Gerät zwangsweise eine so platzfressende Tastatur spendieren.

Und dann kam das iPhone
Dann stellte Steve Jobs das iPhone vor, eines der ersten Geräte das vollständig auf eine Tastatur verzichtet – und Googles Entwickler waren geschockt. Sie wussten, dass ihr eigenes Smartphone gegen dieses System kaum eine Chance hätte und man noch einmal „völlig neu beginnen“ müsse. Der riesige Bildschirm ermöglichte völlig neue Bedienkonzepte, auch die automatische Drehung des Displays hatte man selbst bisher nicht bedacht – hätte bei dieser Hardware-Tastatur wohl auch keinen Sinn gemacht.

Steve Jobs iPhone

Also schmiss man Teile des Konzepts über den Haufen und setzte ebenfalls auf ein riesiges Touch-Display und verzichtete bei einigen Prototypen auf die Hardware-Tastatur. Durch die neu gewonnene Flexibilität waren völlig neue Konzepte möglich, Buttons konnten nun nur dann eingeblendet werden wenn man sie wirklich gebraucht hat. Dennoch konnte man sich einfach nicht vorstellen dass die Nutzer dies annehmen würden, und verbaute in der Anfangszeit stets weiterhin ausziehbare Tastaturen.

Zu dieser Zeit waren die beiden Abteilungen Google Mobile und Android teilweise sogar verfeindet, da man befürchtete dass das eigene Betriebssystem die Stimmung zwischen Apple und Google trüben könnte – was dann wenige Jahre später auch eingetreten ist. Dennoch arbeitete das Team mit wenig Unterstützung weiter und präsentierte im Oktober 2008 das bereits erwähnte T-Mobile G1 mit Hardware aus dem Hause HTC – mit ausziehbarer Hardware-Tastatur.

Googles Führungsetage glaubte lange Zeit nicht an den Erfolg ihres neuen Produkts und konzentrierte sich auch noch Jahre nach dem hauseigenen Smartphone auf das iPhone. Erst im Jahr 2010 soll es richtig Klick gemacht und Google die gesamte mobile Strategie auf Android umgestellt haben. Vorher hatten Eric Schmidt und Larry Page das Potenzial dieses Systems einfach nicht erkannt und sahen es als ein weiteres Projekt in der damals langen Liste von Produkten.

T-Mobile HTC G1

Heute lässt sich natürlich schwer sagen wie Android bzw. die Smartphone-Welt ohne das iPhone von Apple ausgesehen hätte – das dem gesamten Markt einen gewaltigen Schub gegeben hat. Möglicherweise hätten heute immer noch alle Smartphones eine Hardware-Tastatur, vielleicht hätten sich Smartphones auch niemals so schnell verbreitet oder BlackBerry und Microsoft wären die treibenden Kräfte. Auch Google brauchte den Schub durch Apple um die Bedeutung des mobilen Markts zu verstehen.

[The Atlantic]



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