Geld verdienen mit KI-Infos: Google bezahlt Webmaster für Inhalte – lukratives neues Modell nach der Werbung?
Die Finanzierung vieler redaktioneller Online-Angebote steht auf wackligen Füßen und ist durch die stark steigende Verbreitung von KI-Zusammenfassung und Silbertablett-Antworten kurz vor dem Kollaps. Jetzt hat Google ein interessantes Projekt gestartet, bei dem man Webmaster als KI-Lieferant bezahlen will. Trotz aller Kritik und offener Fragen könnte das zumindest kurzfristig eine Lösung sein.
Wir haben hier im Blog schon vor einigen Tagen über das KI-Lizenzprogramm von Google berichtet, bei dem man einzelne Webseiten den großen Verlagen gleichstellt und diese für Inhalte bezahlt. Dass Google für abgerufene Inhalte bezahlen sollte, ist bekanntlich seit zwei Jahrzehnten ein großes Thema und wurde vom Unternehmen stets abgelehnt – doch jetzt haben sich die Rahmenbedingungen geändert: Denn der frühere Deal – die Webmaster liefern die Inhalte und Google den Traffic – ist durch die KI stark ins Wanken geraten.
Während Google im Suchmaschinen-Bereich praktisch niemals ernsthafte Konkurrenz hatte, sieht das bei der KI völlig anders aus. Viele Anbieter gieren nach Informationen und kaufen diese zum Teil teuer ein – unter anderem bei Verlagen oder sehr großen Online-Publishern. Auch Google bezahlt einige große Plattformen für Inhalte und will dies künftig möglicherweise für jede Webseite ermöglichen. Bezahlt wird allerdings nicht nach Abruf von Inhalten, sondern nach Verwendung. Man nennt das „Pay-per-Value“.
Webmaster werden erst dann vergütet, wenn ihre gelieferten Inhalte von der KI verwendet werden und einen signifikanten Anteil an einer Antwort haben. Wie man das genau messen will, wie hoch die Vergütung ist und woher das Geld überhaupt stammen soll – immerhin verdient auch Google bisher nur vergleichsweise sehr wenig mit KI-Antworten und Gemini – wissen wir noch nicht. Dennoch ist das sicherlich ein Modell, das es in den nächsten Monaten zu beobachten gilt.
Ein faires Angebot?
Ganz unabhängig davon, dass wir die Rahmenbedingungen nicht kennen, kann man das Angebot dennoch bewerten. Denn zunächst ist es eine zusätzliche Einnahmequelle für Webseiten, die sie zuvor schlicht nicht gehabt haben – dieser Punkt kann nur positiv sein. Auf der anderen Seite steht aber ebenfalls Google, das überhaupt erst dafür gesorgt hat und weiter dafür sorgt, dass zusätzliche Einnahmequellen aufgrund des massiven Trafficverlusts notwendig sind. Ich gehe nicht davon aus, dass sich das kompensiert.
Zunächst dürfte Google erreichen wollen, die Webmaster zu beruhigen, die seit längerer Zeit nicht gut auf die Suchmaschine zu sprechen sind. Doch das gilt nur kurzfristig, denn auf Dauer kann eine solche Position als bloßer Inhaltslieferant kaum lohnend sein. Stellt sich natürlich auch die Frage, wie die Abrechnung mit Informationen umgeht, die für Antworten signifikant verwendet werden, aber Hundertfach im Web zu finden sind. Wer bekommt die Vergütung?
Ich denke, dass das Google-Projekt zunächst zu begrüßen ist, doch es wird nicht ausreichen, um die Probleme langfristig zu lösen. Das ohnehin seit vielen Jahren bestehende Problem aus „für Google schreiben“ oder „für die Leser schreiben“ verschärft sich dadurch noch. Ausgang meiner Meinung nach absolut ungewiss…
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