Screenwise Meter: Auch Google hat iPhone-Nutzer umfangreich überwacht – Apple dürfte reagieren

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Die großen Internetkonzerne wie Google oder Facebook sammeln über ihre zahlreichen Dienste große Datenmengen von den Nutzern, meist ohne dass es den Nutzern wirklich bewusst ist. Doch wie erst jetzt bekannt wurde, haben beide Unternehmen im kleinen Kreis sehr viel mehr Daten von freiwilligen iPhone-Nutzern gesammelt und dafür Apples Richtlinien geschickt umschifft. Das sorgt aktuell bei Facebook für große Probleme und könnte auch bei Google für interne Stolpersteine sorgen.


Google und Facebook leben davon, möglichst viele Daten von den Nutzern zu sammeln, diese dadurch besser kennenzulernen und zielgerichtetere Werbung anzeigen zu können. Einen Großteil der Daten geben die Nutzer durch die Verwendung der vielen Apps ganz offen preis, während andere wiederum aggregiert wurden. Die dritte Variante ist es, freiwillige Nutzer vollständig zu durchleuchten und so interessante Nutzungsstatistiken zu gewinnen.

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Gestern war überall die Schlagzeile zu lesen, dass Facebook sich für 20 Dollar im Monat das gesamte Online-Leben der Nutzer kauft. Das bezieht sich auf eine App, die das iPhone des Nutzers vollständig überwachen und auf praktisch alle Daten zugreifen kann. Die Empörung war natürlich groß und Facebook hat die App laut eigenen Angaben auch umgehend eingestellt. Aber das ist vielleicht nur die halbe Wahrheit (mehr dazu weiter unten).

Nun wurde bekannt, dass auch Google eine sehr ähnliche App im Programm hatte, die sehr ähnlich funktioniert hat: Screenwise Meter sammelte Informationen über besuchte Webseiten, genutzte Apps sowie die Nutzungsdauer und einiges mehr. Die Nutzer installieren sich diese App freiwillig und bekommen dafür von Google immer mal wieder Gutscheinkarten spendiert. Man könnte es Spionage nennen, aber da es freiwillig ist, fällt es wohl eher unter Marktforschung.

Screenwise Meter selbst gibt es bereits seit 2012, war ursprünglich aber noch eine Chrome-Extension und fand erst später den Weg auf das iPhone mit sehr viel tieferen Auswertungen. Google hat die App mittlerweile gelöscht und sich entschuldigt.



Das große Problem für beide Unternehmen, abgesehen von negativen Schlagzeilen, ist die Art und Weise wie die Apps auf den iPhones der Nutzer gelandet sind. Solche Spionage-Apps (ob freiwillig oder nicht spielt keine Rolle) wären im App Store nicht erlaubt. Also haben beide Unternehmen sie über spezielle Apple Enterprise-Zertifikate installiert, die es erlauben, den App Store zu umgehen. Diese Zertifikate sind eigentliche für interne Tests oder die Verteilung für interne Apps gedacht.

Apple sieht den Missbrauch dieser Zertifikate als Verstoß gegen die Richtlinien und hat in ersten Maßnahme Facebook alle Zertifikate entzogen. Nun kämpft Facebook mit dem Problem, das viele interne Apps auf den iOS-Geräten der Mitarbeiter plötzlich nicht mehr nutzbar sind. Das geht von rein internen Organisations-Apps bis zu Dogfood-Versionen der großen Apps, die aktuell nicht mehr ausreichend getestet werden können.

Auch Google dürfte nun vor diesem Problem stehen, denn Apple wird gerade beim großen Smartphone-Konkurrenten wohl nicht anders handeln. Mit Sicherheit werden die Unternehmen das schnell klären, aber der Imageschaden ist für alle 3 wieder einmal angerichtet. Immerhin kann man Google zugutehalten, dass sich das Unternehmen direkt entschuldigt hat und stets transparent gemacht hat, welche Daten gesammelt werden.

[The Verge]


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