Facebook vs. YouTube: Mit diesen Tricks rechnet sich Facebook selbst zur größten Videoplattform

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Facebook hat es sich vor einiger Zeit zum Ziel gesetzt, YouTube als weltweit größte Videoplattform abzulösen und selbst den Thron zu besteigen – und dabei sind dem Zuckerberg-Unternehmen offenbar alle Mittel Recht: Schon vor einigen Monaten hatte man stolz verkündet, dass auf Facebook mehr Videos als auf YouTube abgespielt werden, aber schon damals gab es berechtigte Zweifel an diesen Zahlen. Ein genauerer Blick zeigt nun, dass Facebook mit unfairen Mitteln kämpft um sich gegenüber YouTube zu behaupten.


Schon im Dezember vergangenen Jahres hatte Facebook verkündet, dass innerhalb der Plattform mehr Eigene als YouTube-Videos abgespielt werden. Nur fünf Monate später hatte man nachgelegt und behauptet, dass man nun auch global gesehen mit vier Milliarden Videoabrufen pro Tag eine größere Reichweite hat als die Videoplattform von Google. Doch um diese Zahlen zu erreichen wurde an vielen Stellschrauben gedreht, die das ganze dann doch wieder etwas fragwürdig erscheinen lassen…

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Facebook hält YouTube-Videos zurück
Tests haben ergeben, dass Facebook den eigenen Content stark bevorzugt und Videos von YouTube zurück hält – wie obige Grafik eindrucksvoll gezeigt. Zwei jeweils exakt gleiche Videos wurden einmal bei YouTube und einmal bei Facebook hochgeladen und dann innerhalb von Facebook geteilt. Das erste YouTube-Video haben dabei 13.184 Nutzer zu Gesicht bekommen, das Facebook-Video hingegen 74.752. Noch krasser wird es beim zweiten Beispiel, bei dem die YouTube-Version nur 19.984 mal angezeigt und die Facebook-Version fast 1 Million mal eingeblendet wurde. Allein schon aus diesem Grund ist es kaum ein Wunder, dass die Videos bei Facebook deutlich öfter abgespielt werden.

Aufrufe werden bereits nach 3 Sekunden gezählt
Doch auch bei der Zählung der Aufrufe ist man äußerst großzügig: Wenn ein Video mehr als drei Sekunden bei einem Nutzer abgespielt wird, dann zählt es schon als „View“. Dabei ist es auch vollkommen egal ob der Nutzer tatsächlich das Video oder nur das animierte GIF in der Stream-Vorschau gesehen hat. Auch ob der Ton eingeschaltet oder ausgeschaltet war spielt bei dieser Zählung keine Rolle. Wie man in der obigen Grafik wieder sehen kann, haben von den 20.536 gezählten Zusehern nur 438 tatsächlich das Video angeklickt.

YouTube @ Facebook

YouTube hingegen zählt ein View erst dann, wenn der Nutzer das Video tatsächlich aktiv ansieht. Das heißt dass er nicht nach wenigen Sekunden wieder das Video schließt oder nach einigen Sekunden ein anderes ansieht. Ein Richtwert ist dabei, dass das Video mindestens 30 Sekunden angesehen werden muss – wenn es denn überhaupt so lang ist.

Facebook toleriert geklaute Videos
Durch die Tatsache, dass sich mit Facebook-Videos bedeutend mehr Klicks und Views generieren lassen als mit YouTube-Videos, gibt es auch ein immer größer werdendes Problem von geklauten Videos: Videos werden von den Content-Dieben dabei von YouTube heruntergeladen und auf Facebook wieder hochgeladen – ohne die erforderlichen Rechte zu besitzen. So ein Verstoß lässt sich bei Facebook zwar melden, doch bis zur Reaktion kann es bis zu drei Tage dauern – und dann haben ohnehin schon 99% aller potenziellen Nutzer das Video gesehen und einen View generiert.




Facebook hat solche Tricks eigentlich nicht nötig
Eigentlich ist es unverständlich dass Facebook sich mit solchen Tricks an die Spitze bringen möchte, denn theoretisch hat man dies gar nicht nötig. Mit 1,4 Milliarden Mitgliedern – wovon fast 1 Milliarde täglich die Plattform besuchen – hat man eine solch gigantische Reichweite dass man auch ohne diese Zahlenschubsereien sehr ordentliche Werte generieren könnte. Doch offenbar hat man sich selbst nur einen sehr engen Zeitplan gesetzt um YouTube vom Thron zu stoßen, so dass es natürlich schnell gehen musste.

In den vergangenen Monaten haben sich Facebooks Entwickler ordentlich ins Zeug gelegt und Features wie das einbetten von Videos in fremden Webseiten ermöglicht und schon bald möchte man auch die Video-Uploader an den Werbeeinnahmen beteiligen – was als wichtiger Schritt gegen Youtube gilt. Doch wer sich als früher Partner an den derzeit von Facebook gelieferten Viewer-Zahlen orientiert, und sich schon einmal einen Geldspeicher vorbereitet, wird spätestens beim ersten Scheck mehr als enttäuscht sein…

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