Google Pay: Warum die Schweiz weiter auf Twint setzt
An der Kasse eines Zürcher Supermarkts funktioniert das Android-Smartphone genauso zuverlässig wie in München. Im Bezahlfenster eines Schweizer Onlineshops verschwindet Google Pay dagegen häufig aus der Liste. Die Schweiz ist der einzige deutschsprachige Markt, in dem Googles Bezahlplattform gegen eine heimische Lösung deutlich zurückliegt. Der Konkurrent heißt Twint und gehört den Banken des Landes. Wie es dazu kam, hat weniger mit Technik zu tun als mit der Frage, wo das Geld herkommt.
Twints Vorsprung beginnt beim Bankkonto
Twint bucht Zahlungen direkt vom Bankkonto ab. Google Wallet kann das in der Schweiz nicht, dort muss immer eine Debit- oder Kreditkarte hinterlegt sein, die den Betrag abrechnet. Dieser Unterschied klingt technisch, entscheidet aber über die Kosten pro Transaktion und darüber, welcher Anbieter überhaupt mitverdient. Weil die Zahlung über einen QR-Code läuft, war Twint außerdem nie auf Schnittstellen der Plattformbetreiber angewiesen. Hinter der App stehen dieselben Institute, die die Konten führen: UBS, PostFinance, Raiffeisen, die Zürcher Kantonalbank und die BCV, dazu die Börsenbetreiberin SIX und der Zahlungsabwickler Worldline. Jede beteiligte Bank brachte die App ihren eigenen Kunden ins E-Banking, Vertriebskosten fielen dafür kaum an. Nach Angaben des Unternehmens zählt die App inzwischen über 6 Millionen Nutzende, in einem Land mit rund neun Millionen Einwohnern. Google Pay startete in der Schweiz erst Ende April 2019, zwei Jahre nach der landesweiten Einführung von Twint. Der Rückstand blieb, und er zeigt sich heute nicht mehr an der Ladenkasse.
Wo die Akzeptanz auseinandergeht
Der Swiss Payment Monitor von Universität St. Gallen und ZHAW zeigt, wie groß der Abstand tatsächlich ist. Vor Ort liegt Apple Pay mit 23,3 Prozent der mobilen Zahlungen auf Platz zwei, Google Pay folgt mit 6,2 Prozent. Online kippt das Bild. Googles Anteil an allen mobilen Zahlungen sank laut derselben Erhebung zuletzt auf 4,3 Prozent, und der Rückgang hat einen nüchternen Grund. Viele Schweizer Onlineshops führen die Wallets von Apple und Google überhaupt nicht, während knapp 80 Prozent der Händler Twint akzeptieren.
Wie weit das reicht, zeigt sich in Branchen, deren Anbieter aus dem Ausland heraus arbeiten. Bei Online Casinos mit Echtgeld, die das Expertenteam von Legalcasinos-swiss.com geprüft hat, stehen an den Kassen fast immer Kreditkarte und Prepaid-Guthaben, Kryptowährungen kommen häufig dazu. Die Wallets von Google und Apple fehlen dort meist. Über die Freischaltung entscheidet der Acquirer, der eine Branche als Risiko einstuft oder nicht, und nicht das Smartphone des Kunden.
Für Nutzer ist das kaum zu erkennen. Wer im Onlineshop keine Wallet-Option findet, sucht den Fehler meist beim Gerät oder beim Google-Konto, obwohl die Entscheidung längst vorher gefallen ist. Google kann daran mit neuen Funktionen wenig ändern. Ob eine Wallet im Bezahlfenster erscheint, hängt an der Bank und am Zahlungsdienstleister des Händlers, der die Branche einstuft. In Deutschland hat sich dieser Engpass über die Jahre gelöst, weil immer mehr Institute mitgemacht haben. In der Schweiz fehlt dafür der Druck, solange eine Alternative existiert, die fast überall funktioniert. Bemerkenswert ist deshalb weniger die Marke als die Technik dahinter, die im Schweizer Alltag inzwischen an Boden gewinnt.
NFC wächst, die Marke schrumpft
Im Laden setzt sich die Technik der Mobile Wallets tatsächlich durch. Nach derselben Erhebung laufen 36,1 Prozent der Zahlungen vor Ort über NFC, während der QR-Code, das primäre Verfahren von Twint, auf 27,9 Prozent kommt. Der Grund liegt bei den Karten. Seit die neue Generation von Debitkarten in Wallets hinterlegt werden kann, wächst der Kreis der Nutzer, die kontaktlos mit dem Telefon bezahlen. Laut dem Monitor liegt heute bei rund der Hälfte aller Wallet-Zahlungen eine Debitkarte dahinter. Die Karte im Hintergrund ist damit zum Normalfall geworden.
Von diesem Wachstum profitiert allerdings vor allem Apple. Laut dem Swiss Payment Monitor legte Apple Pay im letzten Halbjahr auf 16,9 Prozent zu und liegt damit klar vor Google Pay, Samsung Pay fiel auf 1,5 Prozent zurück. Googles Anteil sinkt also nicht, weil mobiles Bezahlen unbeliebt wäre, sondern weil andere Wallets die Zuwächse einsammeln. Seit dem Umbau zu Google Wallet ist das Bezahlen ohnehin nur noch eine Funktion unter mehreren. Was in der Schweiz fehlt, ist der Anlass, die Karte dort überhaupt einzurichten.
Was für Android-Nutzer bleibt
Für Reisende aus Deutschland bleibt die Lage überschaubar. An der Ladenkasse funktioniert Google Wallet in der Schweiz wie zu Hause, weil das Terminal nur die Karte hinter der Wallet sieht. Beim Einkauf in einem Schweizer Onlineshop lohnt der Blick auf die Bezahlseite vor dem Warenkorb, denn dort entscheidet der Händler und nicht das Betriebssystem. Wer dauerhaft in der Schweiz lebt, kommt an Twint praktisch nicht vorbei, sobald Geld zwischen Privatpersonen fließt oder eine Parkuhr bezahlt werden soll.
Ob sich daran etwas ändert, hängt weniger an Google als an den Schweizer Banken und ihren Zahlungsdienstleistern. Solange eine eigene Lösung fast überall funktioniert und den Instituten selbst gehört, gibt es kaum einen Grund, den amerikanischen Wallets mehr Raum zu geben. Der Markt zeigt damit, wie stark Reichweite im Bezahlen von Eigentumsverhältnissen abhängt.
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