Google Chrome: Verschlüsselte Verbindungen werden jetzt erzwungen – HTTP nur noch mit Freischaltung
Google hat bereits vor vielen Jahren damit begonnen, innerhalb von Google Chrome das verschlüsselte Web zu einer Priorität – und später zu einer absoluten Notwendigkeit – zu erklären. Jetzt hat man im Zuge der aktuellen Sicherheitsbemühungen den nächsten Schritt umgesetzt, der schon vor langer Zeit angekündigt wurde: Unsichere HTTP-Verbindungen werden mit der neuesten Version zunächst blockiert und erst nach einer Freischaltung überhaupt geladen.
In kleinen und vor allem sehr langsamen Schritten haben die Entwickler von Google Chrome die verschlüsselten Verbindungen (HTTPS) forciert und waren damit ganz ohne Frage sehr erfolgreich. Im vergangenen Jahr hatte man den nächsten kleinen Todesstoß für unverschlüsselte Verbindungen angekündigt, der jetzt mit der neuen Version Chrome 155 umgesetzt wird. Schauen wir uns einmal an, wie die Schritte in den letzten Jahren ausgesehen haben.
Es begann schon vor eineinhalb Jahrzehnten mit der Umstellung, das HTTPS-Verbindungen nicht mehr gesondert ausgewiesen werden, sondern als Standard angesehen werden. Stattdessen hatte man später damit begonnen, gegensätzlich die HTTP-Verbindungen zu markieren – und zwar als unsicher. Im Laufe der Jahre kamen in langsamen Schritten diverse Warnzeichen dazu, die Bevorzugung von HTTPS und mehr. Jetzt beginnt man damit, alle Verbindungen vollständig auf das verschlüsselte Protokoll umzustellen. HTTP ist ein Fallback, das allerdings nicht automatisch geladen wird. Stattdessen wird eine Warnmeldung gezeigt, die vom Nutzer explizit bestätigt werden muss. Erst dann beginnt der Ladevorgang.
Man ist sich im Chrome-Team bewusst, dass das gerade bei lokalen Verbindungen zu Problemen führen könnte – vor allem beim Zugriff auf Modems oder Smart Home-Geräte. Daher gibt man auch Entwarnung: Für interne Verbindungen sollen diese Meldungen nicht gelten. Außerdem erfolgt eine solche Warnung nur einmal pro Domain und soll nach Bestätigung und erneutem Ladevorgang nicht wieder gezeigt werden. Um die Auswirkungen zu testen, empfiehlt man allen Nutzern, diese Umstellung stets frühzeitig in den Einstellungen vorzunehmen. Dazu gibt es den neuen Punkt „Sichere Verbindungen“ im Bereich „Datenschutz und Sicherheit“ der Chrome-Einstellungen.
Aus dem Blogbeitrag geht hervor, dass man im Chrome-Team nach wie vor nicht mit der Verbreitung von HTTPS zufrieden, denn der Wert stagniert wohl seit einigen Jahren bei 99 Prozent. Rein faktisch ist das zwar eine „fast“ vollständige Verdrängung, aber das letzte Prozent dürfte das Härteste sein. Nach wie vor ist man der Meinung, dass das Web das Potenzial hat, 100,0 Prozent aller Verbindungen verschlüsselt aufzubauen. Dennoch: Ob man jemals die 100 Prozent erreichen wird, lässt sich kaum prognostizieren. Dazu müsste man die HTTP-Unterstützung in Chrome wohl vollständig deaktivieren. Bis man sich das traut, könnte es aber noch dauern…
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