Warum Glücksspielwerbung bei Google und Instagram in der Kritik steht
223 Beiträge an einem einzigen Bundesliga-Spieltag, darunter 130 bezahlte Anzeigen: So umfangreich war die Werbung der zehn untersuchten Sportwettenanbieter auf Facebook und Instagram. Eine Mitteilung der Universität Hohenheim beziffert die Reichweite auf mehr als zehn Millionen Menschen, überwiegend junge Männer zwischen 18 und 34 Jahren. Die Debatte über Glücksspielwerbung betrifft damit unmittelbar die großen Internetplattformen.
Tausende Werbehinweise während der Fußballübertragung
Im Fernsehen ist die Werbedichte ebenfalls hoch. Wie Merkur über die Hohenheimer Untersuchungen berichtet, erfassten die Forschenden rund um alle neun Begegnungen des 31. Bundesliga-Spieltags 2024/25 insgesamt 18.708 Glücksspielwerbeinhalte. Davon entfielen 15.089 auf Live-Übertragungen. Werbung war über alle untersuchten Spiele hinweg fast 500 Minuten sichtbar.
Gezählt wurden dabei Werbehinweise und Platzierungen, keine 18.708 eigenständigen Fernsehspots. Nach Angaben der Universität bestanden 84 Prozent der erfassten Inhalte ausschließlich aus Logos. Die Marke eines Wettanbieters kann also während des laufenden Spiels präsent sein, ohne dass eine klassische Werbepause beginnt. Wer nur die Spots zwischen zwei Halbzeiten betrachtet, erfasst einen erheblichen Teil der Sichtbarkeit nicht.
Wenn der Streamer zur Marke wird
In Sozialen Medien gibt es eine noch recht neue Werbeform für Glücksspielanbieter. Casino-Streamer kommentieren Spielverläufe, reagieren auf Gewinne und sprechen mit ihrer Community. Ein Beispiel ist Dian Vegas: Die Seite DianBonus.net nennt für ihn mehr als 200.000 Instagram-Abonnenten und bündelt Informationen über den Streamer sowie Casino-Bonusangebote. Damit werden neben Glücksspielunternehmen auch einzelne Personen zu bekannten Namen im Glücksspielumfeld.
Welche Anforderungen Google an Anzeigen stellt
Google behandelt Glücksspiel in seinen Richtlinien für Google Ads als eingeschränkte Werbekategorie. Online-Glücksspielwerbung setzt eine Zertifizierung und die Einhaltung länderspezifischer Voraussetzungen voraus. Anzeigen dürfen nur auf zugelassene Länder ausgerichtet sein. Die verlinkte Zielseite muss Informationen zum verantwortungsbewussten Glücksspiel enthalten; Minderjährige dürfen nicht als Zielgruppe angesprochen werden.
Die Richtlinie erfasst außerdem Inhalte, die für Online-Glücksspiele werben, etwa bestimmte Vergleichs- und Partnerseiten. Welche Angebote beworben werden dürfen, hängt vom jeweiligen Zielland ab. Eine international erreichbare Website kann deshalb nicht automatisch überall Anzeigen schalten. Für Werbetreibende ist entscheidend, ob ihr konkretes Angebot die Anforderungen des Landes erfüllt, in dem die Anzeige erscheinen soll.
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