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Google Maps verliert den Fokus: Vom Kartendienst zum Social Network – Zeit für eine Aufspaltung?

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Google Maps ist im Jahr 2005 als revolutionäre aber auch sehr einfache Plattform gestartet, die die klassischen Straßenkarten in den Browser und kurz darauf auch auf die Smartphones der Nutzer gebracht hat. Diese Funktion wird auch heute noch erfüllt, doch mittlerweile hat sich Maps zu einer riesigen Plattform mit etlichen Baustellen und Funktionen entwickelt, die kaum noch zu überblicken sind. Langsam muss man sich fragen, ob eine Aufteilung der Plattform sinnvoll wäre.


Googles Strategen sind Meister darin, neue Produkte zu schaffen, interne Konkurrenten aufzubauen, diese zusammenzulegen, einzelne einzustellen, komplett von vorne zu beginnen und so weiter – aufmerksame Leser wissen, was gemeint ist. Die großen Angebote sind meist von solchen Würfelspielen ausgenommen und stehen nicht zur Disposition – aber irgendwann muss es natürlich Anpassungen geben. Bei einem so stark wachsenden Produkt wie Maps sollte auch die Strategie irgendwann überdacht werden.

Die meisten Nutzer dürften Google Maps dafür verwenden, Adressen zu finden, sich dorthin navigieren zu lassen und vielleicht auch noch die Gegend per Karte, Satellit oder Streetview zu erkunden – das sind die Grundfunktionen, die seit über einem Jahrzehnt zur Verfügung stehen. Einige weitere werden noch Bewertungen lesen, selbst eine verfassen, Fotos ansehen oder die Adresse als Favorit markieren bzw. in Listen ablegen. Doch damit erschöpft sich der Funktionsumfang noch lange nicht.

Google Maps enthält auch sehr viele Live-Informationen: Es wird die Wartezeit und der Andrang in Geschäften angezeigt, Stau-und Parkplatz-Informationen sind vorhanden, Live-Abfahrtszeiten von Öffentlichen Verkehrsmitteln inklusive sehr starker Pendler-Funktion steht ebenfalls zur Verfügung. Damit hat man dann schon eine sehr umfangreiche Navigations- und Verkehrs-App, doch damit ist es noch immer nicht getan.

Maps ist nun auch ein Hotel-Portal, enthält Öffnungszeiten und Speisekarten von Restaurants, umfangreiche Indoor-Ansichten und Detailfragen. Zusätzlich lässt sich der eigene Standort tracken und teilen und schon bald kommen immer umfangreiche soziale Funktionen dazu, wie man es gerade erst durch den neuen Folgen-Button gesehen hat. Selbst ein Messenger ist mittlerweile Teil von Maps. Schlussendlich könnte innerhalb von Maps sogar noch ein spezialisiertes Social Network erwachsen. Und selbst die Wiedergabe von Musik gehört mittlerweile in den Aufgabenbereich von Maps.



Sicher habe ich bei der Aufzählung des Funktionsumfangs noch einiges vergessen, aber es zeigt schon, dass sich Maps sehr stark weiterentwickelt hat und es auch heute noch tut. Glaubt man dem englischsprachigen Wikipedia-Artikel, arbeiten bei Google mehr als 7.000 Menschen direkt oder indirekt an Maps. Es gibt also offenbar noch viel zu tun und das Angebot wächst immer weiter über die eigentlichen Kernfunktionen hinaus.

Noch gelingt es den Designern sehr gut, die vielen Funktionen in einer übersichtlichen Oberfläche unter einen Hut zu bringen und dennoch stets nur wenige Taps oder Klicks entfernt zu halten. Das ist aber auch nicht die Hauptschwierigkeit, denn durch eine ausgeklügelte Struktur – die Maps in jedem Fall hat – bleibt der Nutzer stets Herr der Lage und weiß meist recht genau, welche Funktion sich hinter der nächsten Aktion versteckt. Doch die App läuft Gefahr, den Fokus zu verlieren.

Google Maps soll ein One-Stop-Shop für viele Aufgaben werden und konkurriert dabei mit immer mehr Plattformen und Apps anderer Entwickler, die viele Dinge besser können als Google. Dadurch bietet Maps zwar alles aus einer Hand, kann aber nichts davon wirklich perfekt. Bei allem, was mit dem Mapping im ursprünglichen Sinne in Verbindung steht, ist Maps meist der König – andere Dinge hingegen kann die Konkurrenz besser.

Separate Apps – Vorbild Google Drive
Das heißt nicht, dass sich Maps beispielsweise aus der Buchung von Hotels zurückziehen soll, aber vielleicht wäre eine separate App für diese Zwecke das bessere Mittel, das ja gerne auch in Maps integriert sein darf. Maps-Nutzer wollen sich meist nur schnell informieren – wer mehr wissen möchte, kann gerne mit einem Touch wechseln. Die Speisekarte von Restaurants und die Reservierung darf auch gerne in Maps verknüpft und mit einem Touch erreichbar sein – aber es muss nicht direkt in der großen App enthalten sein.

Wie es besser geht, hat Google selbst etwa mit der Aufspaltung von Google Drive gezeigt, das vor längerer Zeit in Drive, Docs, Sheets und Slides getrennt wurde. Dem Nutzer ging dadurch kein Komfort verloren, aber es gab keine Monster-App mehr, die alles unter einen Hut bringen wollte. Ähnlich hat es z.B. auch Facebook vor Jahren gemacht und auch die Teams der großen Google-App und Google Maps könnten sich davon eine Scheibe abschneiden. Selbst das Gboard-Team läuft langsam Gefahr, den Fokus zu verlieren und verzettelt sich mit immer mehr Medien-Funktionen.



Google Maps verzettelt sich – die Konkurrenz sieht Chancen
Aber nicht nur für den Nutzer wäre eine Trennung in zwei oder mehr Produkte von Vorteil, sondern vielleicht auch intern. Auch wenn Maps noch immer die gefühlt beste Mapping-App ist, scheint es in diesem Bereich nur wenig Weiterentwicklung zu geben. Etwas mehr Fokus auf die Grundlagen ist nie verkehrt, was derzeit am Beispiel Apple zu sehen ist, das den Kartenbereich komplett neu aufgebaut hat, wenn auch noch im kleinen Rahmen.

Im Mapping-Bereich gab es bei Google Maps seit langer Zeit keine Verbesserungen mehr und auch das Streetview-Team macht seit Jahren Dienst nach Vorschrift, während die Konkurrenz neue Projekte anstößt: Apple fotografiert mit Kamera-Rucksäcken und Mapillary will die eigenen Daten in Kooperation mit Amazon auswerten. Google hat zwar schon vor Monaten neuen Innovationen wie die Streetview Augmented Reality-Navigation angekündigt, aber das war eher eine Studie statt einer konkreten Produktankündigung. Dennoch muss man dem Team zugute halten, dass immer wieder interessante Streetview-Aufnahmen auf die Nutzer warten.

Dass es mittlerweile auch eine Maps Go Light-Version gibt, zeigt, dass man sich dem Umfang des Produkts sehr bewusst ist.

Wie seht ihr das? Besser alle Features unter einem Dach oder eine sinnvolle Trennung?

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