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Google Fotos: Kostenloser unbegrenzter Speicherplatz wird eingestellt – böse Überraschung für viele Nutzer?!

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In weniger als vier Wochen wird der kostenlose unbegrenzte Speicherplatz bei Google Fotos eingestellt und damit einem der wichtigsten Argumente FÜR die Fotoplattform der Stecker gezogen. Die Ankündigung liegt lange zurück, doch bis heute dürften wohl nur die wenigsten Nutzer von dieser Änderung gehört haben. Das kann fatale Auswirkungen haben, wenn die Nutzer es nicht rechtzeitig erfahren.


Ab dem 1. Juni wird es große Änderungen beim kostenlosen Google-Speicherplatz geben, die sowohl Google Fotos als auch Google Drive betreffen. Wir haben euch alle wichtigen Informationen bereits ausführlich zusammengetragen, sodass unsere Leser ab Anfang Juni keine Probleme bekommen sollten – aber es soll ja auch Menschen geben, die den GoogleWatchBlog oder andere Tech-Publikationen nicht lesen. Und für die könnte es dann in den folgenden Wochen und Monaten eine böse Überraschung geben.

Wer sich informieren möchte, findet in den folgenden Artikel alle Fragen und Antworten: Google Fotos, Google Drive und Google One. In Kurzform: Jedes hochgeladene Foto, Video oder Dokument wird vom verfügbaren Speicherplatz-Kontingent abgezogen, das bei den meisten Nutzern bei „nur“ 15 Gigabyte liegt. Bisher konnte man mit den richtigen Einstellungen Rahmenbedingungen unbegrenzten kostenlosen Speicherplatz erhalten.

Google hat die Änderung im Herbst vergangenen Jahres angekündigt und natürlich wurde in vielen Tech-Medien darüber berichtet. Aber das ist längst vergessen und die Masse der Nutzer hat es entweder schon damals nicht mitbekommen oder weiß auch heute noch nicht, welche Änderungen ab dem 1. Juni vorgenommen werden. Auch bei den Pixel-Smartphones gibt es Verwirrung




Bisher hat Google keinen guten Job darin gemacht, die Nutzer über die bevorstehenden Änderungen zu informieren. Wir sind jetzt noch etwa mehr als drei Wochen entfernt und bisher gab es weder Hinweise in den Apps noch per E-Mail oder an anderer Stelle. Hier und da wird es mal im Nebensatz erwähnt oder Google One beworben, aber eine echte Information, die man nicht so einfach ignorieren kann, gab es bisher nicht.

Allerdings sprechen wir hier nicht von irgendeinem Google-Produkt, sondern von einem auf jeden zertifizierten Android-Smartphone vorinstallieren Produkt, bei dem das automatische Backup wohl in weit über 90 Prozent der Fälle aktiviert sein dürfte. Potenziell sind also weit mehr als zwei Milliarden Nutzer von der Änderung betroffen (Google Fotos hat laut Play Store über fünf Milliarden aktive Installationen). Allein diese extreme Reichweite schreit gerade dazu danach, dass das Thema präsenter sein sollte.

Warum ist das so wichtig?
Also gut, Google Fotos bietet nun keinen kostenlosen unbegrenzten Speicherplatz mehr, sondern knabbert jedes einzelne Byte vom verfügbaren Kontingent ab. Ärgerlich, aber nicht problematisch. Auf den ersten Blick hat das die Auswirkung, dass nach volllaufen des Speichers keine weiteren Bilder mehr gesichert werden können. Das ist korrekt und könnte mittelfristig für viele Nutzer zu einer bösen Überraschung werden, die sich auf das vermeintlich sichere Backup verlassen. Weil Backups auch heute noch bei vielen Menschen keine große Rolle spielen und man sich einfach auf den Komfort der letzten Jahre verlässt, dürfte das bei nicht wenigen Nutzern im Laufe der Zeit zu Datenverlust führen.

Vermutlich wird Google Fotos die Nutzer informieren, wenn das Backup keinen freien Speicher mehr findet, aber auch diese Meldung wird sich wohl schnell wegwischen lassen und dann nie wieder auftauchen. Dazu kann ich jetzt ehrlicherweise nichts sagen, denn das lässt sich nicht so ohne Weiteres testen (ich habe ein 2 TB-Abo). Und so werden alle weiteren Fotos nicht mehr gesichert und die Nutzer verlassen sich auf den ausgelagerten Bilderspeicher, der ab einem gewissen Zeitpunkt aber gar nicht mehr existiert.

GMail ist der Knackpunkt
Viel problematischer ist aus meiner Sicht aber die bis heute nicht gut kommunizierte Verknüpfung zwischen Google Fotos, Google Drive und GMail: Alle drei Produkte teilen sich ein gemeinsames Kontingent, das standardmäßig bei 15 Gigabyte liegt. Sind diese 15 Gigabyte belegt, können keine neuen Daten mehr gespeichert werden. Das gilt dann auch für E-Mails. Hat man also das letzte Byte mit dem jüngsten Schnappschuss herausgequetscht, macht auch GMail die Schotten dicht und wird weder neue E-Mails empfangen als auch versenden können.




Das bedeutet, dass die Nutzer unter Umständen keine E-Mails mehr empfangen können. Das wird man wohl sehr schnell bemerken, aber wer in der Familie den Administrator spielt der weiß, wie schwer so etwas manchmal zu vermitteln ist. Es müssen dann plötzlich Fotos oder Dateien gelöscht werden oder zusätzlicher Speicherplatz gekauft werden. Bis dahin ist man faktisch per E-Mail nicht erreichbar. Das Gleiche gilt auch für Google Drive, das gerade erst die praktische Filestream-Einbindung erhalten hat und dann keine Dateien mehr synchronisieren (= sichern) kann.

Problematisch ist also die Verknüpfung, mit der man sich drei Produkte gleichzeitig lahmlegen kann. Auch die Einstellungen des Auto Backups sind vielen Nutzern gar nicht bewusst. Wer also aus der Not heraus Bilder, Dateien und E-Mails löscht, könnte sehr schnell vom Smartphone ein Strich durch die Rechnung erhalten, das fleißig neue Bilder per Auto Backup hochlädt. Ich kann mir schon richtig gut vorstellen, wie solche Szenarien in den nächsten Wochen und Monaten ablaufen werden.

Natürlich bedeuten solche Änderungen auch immer Einschränkungen und Google hat das Ganze weit im voraus angekündigt. Doch nun, wo die Änderung vor der Tür steht, sollte man deutlich besser informieren. Nicht erst am 31. Mai um 23:55, sondern jetzt.


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