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Google Fotos: Der unbegrenzte Speicherplatz kommt zurück; aber wohl an der Zielgruppe vorbei (Kommentar)

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Auf der Fotoplattform Google Fotos wird der unbegrenzte Speicherplatz wieder eingeführt – zumindest für eine ausgesuchte Nutzergruppe. Dabei dürfte es sich um einen Testlauf handeln, der bei Erfolg weltweit für alle Nutzer ausgerollt werden könnte und somit das damalige Killerfeature zurückbringt. Doch das Angebot ist nicht nur gleichzeitig besser und schlechter als damals, sondern auch ein wenig problematisch.


Google Fotos besaß von Anfang an kostenlosen unbegrenzten Speicherplatz für alle Nutzer. Dabei gab es lediglich die Einschränkung, dass das Angebot für Bilder und Videos in „Hoher Qualität“ und nicht in Originalqualität gilt. Doch Googles Grenzwerte waren so großzügig gewählt, dass das für die allermeisten Nutzer und Motive kaum einen Unterschied gemacht hat. Im vergangenen Jahr war mit langer Vorlaufzeit allerdings Schluss damit und heute wird den Nutzern jedes hochgeladene Byte berechnet.

Über die Auswirkungen der Einstellung des kostenlosen unbegrenzten Speicherplatzes ist nichts bekannt. Vermutlich hat sich die Nutzung unter der informierten Nutzergruppe reduziert. Ein großer Teil der Nutzer dürfte davon aber gar nichts mitbekommen haben und irgendwann Gefahr laufen, dass das Kontingent voll ist und somit auch keine E-Mails mehr empfangen oder versendet werden können. Je nach Auslastung kann das bei einigen bereits passiert sein.

Die Einstellung des Angebots damals war nachvollziehbar, aber dennoch sehr unschön und vielleicht auch langfristig Gift für die Zukunft der Plattform. Denn Google Fotos lebt davon, dass die Nutzer dort ALLE Bilder finden und nicht nur ausgewählte Kategorien oder besonders teilenswerte Alben. Also muss eine Lösung her, die für beide Seiten akzeptabel ist.




Die neue Lösung ist ein Google One-Kontingent mit unbegrenztem Speicherplatz, das wir euch bereits ausführlich vorgestellt haben. Bisher wird das allerdings nur ausgewählten T-Mobile Kunden in den USA angeboten, was vom Unternehmen als exklusive Aktion angepriesen wird. Da es sich aber um ein Abo handelt und eine solche Exklusivität normalerweise zeitlich befristet ist, kann man von einem Testlauf ausgehen. Dieser kann erfolgreich sein oder eben nicht. Ich denke, man wird Erfahrungen sammeln und dieses oder ein ähnliches Produkt in Zukunft allen Nutzern anbieten wollen.

Mehr Geld für mehr Leistung
Der Haken an der Sache ist allerdings, dass man als Nutzer für dieses Produkt nach heutigem Stand mit 15 Dollar pro Monat zur Kasse gebeten wird. Dafür erhält man das Google One-Paket mit 2 TB Speicherplatz für alle Produkte sowie die bekannten Vorteile, die man normalerweise für 10 Dollar pro Monat erhält. Die fünf Dollar oben drauf sind für den unbegrenzten Speicherplatz bei Google Fotos, ansonsten gibt es keine Veränderungen zum kleineren Paket.

War man zuvor schon Google Fotos-Powernutzer, hatte man wohl ohnehin schon das 10 Dollar-Paket und zahlt effektiv 5 Dollar mehr für die Zusatzleistung. Diese besteht dann aber auch darin, dass man unbegrenzten Speicherplatz für alle Medien in unbegrenzter Größe erhält. Es gilt also nicht mehr wie früher nur in „Hoher Qualität“, sondern in Originalqualität. Wer also sein Terapixel-Bild oder 8K @ 120 FPS-Video dort hochladen möchte (soweit Google Fotos das unterstützt), kann das massenhaft und sorglos tun.

Für Powernutzer ist das ein sehr starkes Angebot. 15 Dollar sind nicht wenig, aber ein echtes Fass ohne Boden mit unbegrenztem Speicherplatz lässt sich auch nicht in Dollar aufwiegen. Natürlich wird Google hoffen, dass es nur wenige Verrückte (nicht negativ gemeint!) gibt, die Datenströme ohne Ende in die Cloud schaufeln und sich das Angebot am Ende rechnet. Aber da sehe ich dann schon das Problem im Konzept dieses neuen Pakets.

Ein durchschnittlicher Nutzer kommt mit 2 TB sehr sehr weit und hat viele Jahre Freude. Nur Powernutzer kratzen schnell an der Grenze und brauchen mehr. Das sind dann aber auch genau die Nutzer, die das Angebot annehmen und Googles Server belasten. Eine behutsame Nutzung halte ich da eher für ausgeschlossen und somit kommt Google langfristig wieder zu dem Problem, dass das selbst mit der monatlichen Gebühr dauerhaft nicht finanzierbar ist. Unbegrenzt gibt es nicht, denn irgendeiner muss den Speicher bereitstellen und bezahlen.




Wofür die restlichen 2 TB?
Mal ganz abgesehen von der Zielgruppen-Frage: Wenn man vom 2 TB-Paket auf das 2 TB+Google Fotos-Paket wechselt, hat man plötzlich jede Menge freien Speicherplatz. Die 2 Terabyte, die man zuvor hatte, dürften bei den allermeisten Nutzern hauptsächlich von Google Fotos-Medien belegt worden sein. Klar kann man sie auch mit Google Drive gut füllen, aber das dürfte eher selten der Fall sein. Und für GMail braucht man das nun wirklich nicht.

Eigenes Abo für Google Fotos?
Ich habe hier im Blog schon vor Jahren geschrieben, dass die gemeinsame Speicherverwaltung von Fotos-Drive-GMail abgelöst werden sollte und bleibe weiterhin dabei. Ein eigenes Abo für Google Fotos wäre sinnvoll. Warum nicht 5 Euro pro Monat für unbegrenzten Speicherplatz in Hoher Qualität und 10 Euro pro Monat für unbegrenzten unlimitierten Speicherplatz berechnen? Ich denke, dass so etwas sehr gut angenommen würde und somit auch die Turbo-Uploader durch die Masse der anderen Nutzer abgefedert werden. Viele wünschen sich den unbegrenzten Speicherplatz zurück und wären bereit, dafür zu zahlen. Aber keine 15 Dollar / Euro im Monat.

Wir dürfen gespannt sein, was da noch kommt. Der aktuelle Testlauf zeigt, dass man das Thema bei Google auf dem Schirm hat und sich nicht grundsätzlich dagegen stellt.

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