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Google Maps & Waze: Googles Navigations-Plattformen haben sich erfolgreich gegenseitig kopiert & ignoriert

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Die Kartenplattform Google Maps gehört zu den wichtigsten Produkten des Unternehmens und streckt die Fühler in immer neue Bereiche aus. Auf der anderen Seite betreibt Google schon seit einigen Jahren die Navigationsplattform Waze, deren Schicksal eigentlich schon vor langer Zeit als besiegelt galt – doch weit gefehlt. Nach bald acht Jahren muss man sich fragen, welche Bedeutung Waze für Google überhaupt noch hat.


Es ist für Google nicht ungewöhnlich, zwei oder mehr Produkte für einen sehr ähnlichen Aufgabenbereich im Portfolio zu haben. Meistens entwickeln sich zwei Produkte in ähnliche Richtungen, haben immer mehr Überschneidungen oder es gibt einen geplanten Übergang zwischen zwei Diensten. Die Liste der Beispiele ist lang, in der Vergangenheit war aber meist recht gut nachvollziehbar, warum solche Entscheidungen getroffen wurden. Bei Waze ist das etwas anders.

Google hat die Navigationsplattform Waze 2013 Jahren übernommen – das ist nun schon knapp acht Jahre her. Für ein Unternehmen, das selbst erst vor wenigen Tagen den 22. Geburtstag gefeiert hat, ist das schon eine kleine Ewigkeit. Schon damals war die Übernahme sehr überraschend und viele Beobachter fragten sich, was Google überhaupt mit der Plattform will. Acht Jahre später sind die Fragezeichen noch größer geworden – vor allem nach dem Abgang des Waze-CEOs.

Waze und Google Maps sind zwei völlig verschiedene Produkte, buhlen aber in einem Bereich um die gleiche Nutzerschaft: Bei der Navigation. Waze hilft den Menschen bei der Navigation, unterstützt mit Live-Daten zu Verkehrsbehinderungen, ermöglicht die Planung von Trips und vieles mehr. Die App erfreut sich in vielen Regionen großer Beliebtheit und ist ganz nebenbei die einzige Kartenplattform neben Google Maps, die in Android Auto unterstützt wird. Angesichts des Besitzers ist das auch kein Wunder.

Google Maps hingegen ist die eierlegende Wollmilchsau unter den Kartenplattformen und kann in allen Belangen behilflich sein. Die Navigation ist nur ein kleiner Teil von Google Maps, hat aber mittlerweile eine gefühlt 100%ige Überschneidung mit Waze. Es scheint nicht sinnvoll, zwei Apps zu betreiben.


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Als Google die Navigationsplattform übernommen hat, immerhin für eine Milliarde Dollar, war Google Maps zwar schon dominant, hatte im Vergleich zum Neuzugang aber noch erhebliche Schwächen bei den Live-Daten. Nicht wenige hatten erwartet, dass die Waze-Technologie in Google Maps integriert wird oder zumindest die Daten untereinander freigegeben werden. Aber weit gefehlt. Die Waze-Daten fanden niemals den Weg zu Google Maps und in den Jahren nach der Übernahme sah es so aus, als wenn Waze schnell vergessen gewesen ist.

Google Maps hat Waze nachgebaut
In den letzten zwei Jahre hat Google Maps starke Fortschritte gemacht und bietet nun ebenfalls die Möglichkeiten, zahlreiche Verkehrsstörungen, Unfälle, Blitzer und Ähnliches zu melden und mit anderen Nutzern zu teilen. Das ist regional zum Teil eingeschränkt, funktioniert aber sehr gut. Aber werden die gemeldeten Daten zwischen Google Maps und Waze geteilt? Nein. Beide Plattform agieren nach wie vor völlig eigenständig voneinander. Jegliche Synergien, von denen es genügend gäbe, werden nicht genutzt.

Vielen Waze-Nutzern dürfte nicht einmal bekannt sein, dass Waze zu Google gehört. Bis auf den möglichen Google-Login, der nicht zwingend ist, gibt es keine Überschneidungen. Selbst das Kartenmaterial basiert nicht auf Google Maps und wird von Waze separat eingekauft. Dass auch im Hintergrund unterschiedliche Daten zum Einsatz kommen, konnte ich selbst an einigen Stellen mit unterschiedlichen Straßenverläufen und Fehlern auf der Waze-Karte nachvollziehen.

Alles Neu bei Waze
Die gesamte Waze-Funktionalität wurde nun in Google Maps nachgebaut, aber auch das scheint noch nicht Grund genug, die Plattformen in Google Maps aufgehen zu lassen. Erst im vergangenen Herbst gab es den großen Waze-Relaunch mit einem ganz neuen Markenauftritt und auch die Weiterentwicklung der Plattform mit neuen Funktionen wird vorangetrieben. Selbst der vielen Nutzern nicht bekannte Web Client der Kartenplattform hat eine Politur erhalten. Das sieht nicht nach einem schnellen Ende für die Plattform aus.

Natürlich hat Waze seine Fans, die den Fortbestand der Plattform sehr schätzen werden, aber für Google scheint der Weiterbetrieb der Plattform nicht sinnvoll. Ob jemals Waze-Technologien in Google Maps eingeflossen sind, dafür würde ich meine Hand nicht ins Feuer legen wollen. Aber wofür hat Google eine Milliarde Dollar ausgegeben, wenn nicht für die Daten und die Nutzerschar? Die reine Plattform zur Meldung von Verkehrsinformationen können (und konnten) die Google-Entwickler problemlos nachbauen.




Waze soll kein Google Maps-Konkurrent werden
Rückblickend halte ich es für möglich, dass Google die Plattform nur zu dem Zweck gekauft hat, keinen mächtigen Konkurrenten zur Google Maps Navigation entstehen zu lassen. Hätten Microsoft, Facebook, Amazon oder vielleicht auch Apple zugeschlagen, hätte es anders ausgehen können. Gut möglich, dass Waze einfach nur zum Schutz von Google Maps gekauft bzw. behalten wurde. Eventuell hätte man Synergien nutzen wollen, die dann aber vielleicht doch zu kompliziert gewesen wären. Who know’s.

Derzeit sieht es so aus, dass Waze Fit für den Verkauf gemacht wird. Allerdings würde man dann die gleiche Situation wie damals provozieren und riskieren, dass ein Konkurrent die starke Plattform erhält. Der Schein dürfte also trügen. Einstellen kann man Waze aufgrund der riesigen Community auch nicht, dafür wäre der Aufschrei wohl zu groß. Ein geregelter Übergang zu Google Maps wäre die beste Lösung, aber das scheint mir nach sieben Jahren auch schon etwas spät.

Ich hätte schon vor zwei bis drei Jahren nicht mehr auf eine lange Zukunft von Waze gewettet und sehe das heute nicht unbedingt anders. Es gibt aber auch keine Anzeichen für ein Aus der Plattform. Betreibt man sie also ewig parallel weiter ohne die Nutzer jemals zu Google Maps locken zu wollen? Es sieht fast so aus. Spannend wird der neue Driving Mode in Google Maps, der Android Auto auf dem Smartphone ersetzen könnte und in dem Fall auch Waze aussperren würde.


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