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Unterschätzter Google Maps Konkurrent: Microsofts Bing Maps punktet mit einigen cleveren Funktionen

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Wer an Plattformen für geografische Informationen und Navigation denkt, hat mit ziemlicher Sicherheit zuerst Google Maps im Kopf. Dass es doch recht viele Alternativen gibt, ist vielen Menschen entweder gar nicht bewusst bzw. möchten es nicht ausprobieren. Auch Microsoft mischt in diesem Markt und hat mit Bing Maps eine Alternative im Angebot, die sich in einigen Punkten gar nicht vor Google verstecken muss und die Lösungen des Marktführers teilweise übertrifft.


Der Markt der Maps-Apps ist fest in Googles Hand, ist aber durchaus umkämpft und fasst viele Anbieter. Aus diesem Grund kann es niemals schaden, auch mal nach Links oder Rechts zu schauen und Alternativen zu testen. Derzeit wagen gleich mehrere Anbieter in ihren Spezialbereichen einen Angriff auf Google: Here will Karten einbetten lassen, Apple Maps stellt sich neu auf und Mapillary will Streetview-Aufnahmen verwenden. Aber keiner ist derzeit Komplettanbieter wie Bing Maps.

Microsoft hat schon vor vielen Jahren die Bing Maps gestartet und betreibt damit einen Kartendienst, der sowohl im Web verfügbar, als auch direkt in Windows 10 integriert ist. Google Maps-Nutzer werden sich schnell zu Hause fühlen, auch wenn die teils sehr unterschiedliche Farbgebung auf der Karte am Anfang für Verwirrung sorgt – aber das ist einfach nur Gewohnheit. Grundlegend ist alles da, was man braucht: Eine Suchleiste, eine Vollbildkarte, optionale Layer und mehr.

Schwebende Infoblöcke
Bing Maps setzt, so wie die Google-Lösung auf schwebende Informationen. Klickt man einen Punkt auf der Karte an, erscheinen auf der linken Seite ein Overlay, das alle verfügbaren Informationen anzeigt. Hier gibt es schon die erste positive Überraschung: Bing Maps setzt auf schwebende Overlays, die nicht die gesamte Karte verdecken. Google hingegen blockiert eine gesamte Spalte, auch wenn nur wenige Informationen zur Verfügung stehen.

Das ist vor allem bei einer längeren Recherche sehr praktisch. Während Google Maps nur jeweils einen Infoblock anzeigen kann, werden diese bei Bing Maps einfach eingeklappt und lassen sich später wieder aufrufen. Diese Blöcke lassen sich sogar in ihrer Gesamtheit teilen. Auf folgendem Screenshot ist das sehr gut zu sehen.



Wie gut zu sehen ist, lässt sich zu jedem Ort auch gleich ein Kalender-Eintrag hinzufügen. Eine sehr praktische Möglichkeit, die auch Google mit dem hauseigenen Calendar spielend leicht umsetzen könnte. Microsoft gleicht durch solche Features den fehlenden Informationsumfang aus, bei dem Google meilenweit voraus liegt. Mit den vielen Live-Informationen, den Massen an Fotos und vielen eigenen Bewertungen kann Bing nicht aufwarten.

Meine Orte / Bezeichnung der Region
Sehr schön ist auch der Bereich „Meine Orte“ direkt in der Hauptnavigation der App, in dem beliebige Orte abgelegt und schnell wieder erreicht werden können. Das ist bei Google Maps zwar auch möglich, aber nicht so einfach und komfortabel umgesetzt. Ein weiterer Pluspunkt ist die Anzeige der Bezeichnung der aktuell sichtbaren Region, die sich direkt neben dem Lokalisieren-Button befindet. Diese Information findet sich zwar auch auf der Karte, aber so muss sie nun nicht mehr gesucht werden.

Sehr schön sind auch die vielen Vogelperspektiven, die Bing Maps sehr häufig aus allen vier Himmelsrichtungen anbietet. Die Aufnahmen sind zwar häufig sehr alt, aber dennoch nicht weniger interessant.

Und Contra
Das waren nun die Vorteile, die direkt nach einer kurzen Nutzung auffallen und gerne auch den Weg in Google Maps finden dürfen. Doch es ist eben nur das drumherum, aus dem das Bing-Team teilweise mehr macht, als das Google Maps-Team. Google Maps profitiert vor allem vom nahezu unendlichen Content aus allen Quellen. Doch diese können von Microsoft weder angezapft noch einfach umgesetzt werden – denn es benötigt viel Vorlaufzeit und vor allem Geld.

Das beginnt bei der gigantischen Maps-Community, geht über die Bewertungen und die Fotos der Nutzer und setzt sich natürlich auch bei den Zusatzangeboten wie Streetview fort – bei dem Google Maps auf ganz andere Konkurrenten trifft. Aber auch die Satellitenaufnahmen sind in meinen Stichproben bei Bing deutlich älter als bei Google Maps. Aber auch hier spielen eben die Kosten wieder eine Rolle. Für Microsoft dürfte Bing Maps kein Gewinngeschäft sein, für Google hingegen schon.



Durch die vergleichsweise geringe Verbreitung von Bing Maps, ist es natürlich auch für die Datenlieferanten nicht ganz so interessant. So gibt es viele ÖPNV-Anbieter gar nicht in Bing Maps, womit diese Navigationsmöglichkeit kaum sinnvoll genutzt werden kann. Während die Anbieter bei Google Maps ein Interesse haben, dort zu erscheinen, dürfte es ihnen bei Bing Maps relativ egal sein. Auch hier gerät Bing Maps dadurch ins Hintertreffen.

Den dicksten Bock schießt Microsoft aber selbst: Es gibt keine Smartphone-App für Bing Maps, was im Jahr 2018 für eine solche Plattform und vor allem einen Konzern wie Microsoft ein Unding ist. Dass dies bisher nicht notwendig gewesen ist, zeigt aber auch, dass Bing Maps wohl keine große Rolle in Microsofts Strategie spielt. Dennoch kann man es, wie ich in diesem Artikel nun beleuchtet habe, durchaus mal als Alternative neben Google Maps verwenden. Das Kartenmaterial stammt übrigens unter anderem von OpenStreetMap und Here.

Einen umfangreichen und bildgewaltigen Vergleich zwischen Google Maps und Bing Maps, der sich vor allem mit dem Content beschäftigt, findet ihr in der Quelle bei Trendblog.

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