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Wegen Chromecast-Unterstützung? Amazon wirft VLC Media Player vom Fire TV Stick

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Der Kleinkrieg zwischen Amazon und Google ist mittlerweile längst kein Gesprächsthema mehr und ist durch die diversen Lösungen für Nutzer beider Unternehmen im Sande verlaufen – aber das heißt natürlich nicht, dass es hinter den Kulissen nicht weiter brodelt. Offenbar ist nun auch der populäre VLC Media Player Opfer des Streits geworden und zwischen die Räder geraten. Jedenfalls ist die App nun aus dem App Store und von vielen Nutzergeräten verschwunden.


Der VideoLanClient, besser bekannt unter der Abkürzung „VLC“, steht auf vielen Plattformen zur Verfügung und punktet vor allem durch die hohe Anzahl an unterstützen Formaten und Codecs, was ihn zum ultimativen Medienplayer macht. Auch auf dem Amazon Fire TV Stick steht der Player seit Jahren zur Verfügung und hat die gleichen Vorteile auf den auf Android basierenden Stick gebracht. Doch damit ist nun erst einmal Schluss.

Genau so wie viele andere große Unternehmen auch, sieht es Amazon nicht gerne, wenn die eigenen Nutzer aus dem Ökosystem ausbrechen und die Dienste der Konkurrenz verwenden. Der VLC war bisher aber wohl nicht auf der roten Liste von Amazon zu finden – zumindest bis zum letzten Update. Doch das Update auf die Version 3.0 kam niemals auf Amazons Plattform an. Das lag aber offenbar nicht am VLC-Team, sondern an Amazon, das diese Version nicht autorisiert hat.

Die Hintergründe sind bisher unklar, aber in den vergangenen Tagen scheint sich nun ein Verdacht zu bestätigen. Die App lässt sich über den Amazon App Store mittlerweile nicht mehr auf dem Fire TV Stick installieren und wurde bei Nutzern mit automatischen Updates komplett vom Stick entfernt. Der Grund ist wohl in der Unterstützung von Google Cast zu suchen, die der VLC Media Player seit der Version 3 mitbringt.

Vermutlich hat Amazon auf eine Cast-freie Version gepocht, die die Macher aber nicht umsetzen wollten und dann von der Platform geflogen sind. Das ist aber nur reine Spekulation und weder von Amazon noch von einem Mitglied des VLC-Teams bestätigt. Die Wahrscheinlichkeit ist aber ziemlich hoch.



Amazon ist bekannt dafür, hart durchzugreifen wenn es um den Schutz der eigenen Plattform geht. Schon vor einigen Jahren ist der Chromecast aus dem Sortiment geflogen, da er Amazons eigene Videoplattform nicht unterstützt. Auch alle anderen Geräte ohne die Unterstützung von Amazon Prime Video sind verbannt worden und bis heute nicht mehr im Katalog des Onlinehändlers zu finden.

Kurzzeitig, auf dem Höhepunkt des Streits zwischen den beiden Unternehmen, war der Chromecast sogar wieder im Sortiment von Amazon zu finden – allerdings nur in den USA und auch nur mit einer Lieferzeit von mehreren Monaten. Tatsächlich dürfte das aber nur ein Bluff gewesen sein und kein einziger Stick die Heiligen Hallen der Amazon-Lager erreicht haben. Im März ist der Stick dann wieder aus dem Sortiment geflogen, was die derzeit letzte Aktion des Kleinkriegs gewesen ist.

Wir dürfen gespannt sein, ob sich einer der Beteiligten zur VLC-Sperre äußern wird, denn eine solche Abschottung ist für den Erfolg eines Ökosystems natürlich nie gut – obwohl Amazon über die Jahre gut vorgearbeitet und sich eine große Verbreitung aufgebaut hat.

UPDATE
Mittlerweile hat sich ein VLC-Entwickler geäußert und hat mitgeteilt, dass er die App selbst aus dem Store gelöscht hat, weil Amazon die Version 3.0 lange Zeit nicht freigeben sollte. Der Grund soll ein Datenbank-Bug sein. Einige Kommentatoren sind aber skeptisch.

Siehe auch
» VLC Media Player 3.0: So lassen sich lokale Videos auf einen Chromecast übertragen
» Gemeinsam gegen Amazon: Google Websuche soll zur Shopping-Plattform für Einzelhändler werden
» Amazon Smart Home-Aktionen: Zwei Echo Dot kaufen, über 50 Euro sparen & Google-Dienste installieren

[Caschys Blog]


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