Google betreibt seit vielen Jahren ein großes Portfolio an Apps, mit denen die Nutzer ihren digitalen Alltag bewältigen können – unter anderem durch die Verwaltung umfangreicher persönlicher Daten. Gleichzeitig betreibt man das weltweit größte Werbenetzwerk, das bisher nicht auf diese Daten zugreifen durfte – doch das ändert sich nun. Jetzt räumt sich Google das Recht ein, persönliche Daten der Nutzer für Werbung zu verwenden. Das ist ein echter Paradigmentwechsel.
Im Großkonzern Google werden durch das riesige Portfolio einige interne Interessenskonflikte ausgetragen: Google Chrome vs. Werbenetzwerk, Android vs. Pixel, Suchmaschine vs. das eigene App-Portfolio. Einige Abteilungen arbeiten mehr oder weniger gegeneinander, doch zumindest in einem Punkt war man immer ganz klar: Der Konflikt zwischen dem App-Portfolio und dem Werbenetzwerk hatte sehr klare Grenzen, die niemals überschritten worden sind.
Bisher: Persönliche Daten werden nicht für Werbung verwendet
Während die Google-Apps für den digitalen Alltag immer mehr Daten über die Nutzer gesammelt haben, galt stets die Regel, dass diese nicht für das Werbenetzwerk verwendet werden. Dieses baut ein völlig eigenes Nutzerprofil auf, das hauptsächlich auf besuchten Webseiten, Suchanfragen und Kontextinformationen basiert. Die Daten aus GMail, Drive, Fotos und Co wurden niemals dafür verwendet – was man seit jeher immer wieder öffentlich verteidigen musste – und auch die Dienste selbst sind bis auf sehr wenige Ausnahmen vollkommen frei von Werbung.
Jetzt: Google erlaubt sich Datenzugriff
In diesen Tagen informiert Google über neue Datenschutzrichtlinien, in denen man sich ausdrücklich das Recht einräumt, auf die persönlichen Daten zuzugreifen, um diese für Werbezwecke zu verwenden. Allerdings erfolgt wohl kein direkter Zugriff, sondern die Daten werden über die Brücke der Gemini Personal Intelligence abgefangen. Gleichzeitig verweist man darauf, dass die Daten nicht mit den Werbepartnern geteilt werden, sondern nur für das interne Targeting eingesetzt werden. Mehr dazu findet ihr in unserem Artikel zum Thema, Google kann jetzt persönliche Daten für Werbezwecke nutzen.
Die Nutzer öffnen die Schleuse selbst
Weil man seit 2004 (dem Start von GMail) darum bemüht ist, den Fakt zu verteidigen, dass die persönlichen Daten nicht für Werbezwecke zum Einsatz kommen, ist dieser Schritt erstaunlich. Auf der anderen Seite ist es aber auch so, dass die Nutzer selbst über die Gemini Personal Intelligence und die damit verbundene Verknüpfung der Dienste ihre Daten für die werbefinanzierten Dienste freigeben. Technisch und rechtlich betrachtet ist das dann wohl weniger ein Zugriff auf die anderen Dienste, sondern viel mehr eine Weiterleitung der Daten in den Werberaum.
Vor nicht all zu langer Zeit hätte Google sich ein solches Vorgehen wohl nicht getraut. Doch die KI stellt auch in puncto Datenschutz vieles auf den Kopf und schlussendlich gewinnt fast immer die Bequemlichkeit der Nutzer. Weil man den Nutzern weiterhin die Möglichkeit gibt, diese Verknüpfung der Daten zu deaktivieren – dadurch aber viele KI-Funktionen verliert – wird man damit wohl auch durchkommen und massiv profitieren. Wie ich schon im vergangenen Jahr im Blog schrieb: Google ist der ganz große KI-Gewinner. Auch wegen der Datenmengen.
Noch nicht in Europa
Aktuell gilt diese Änderung nicht in Europa, weil auch die Gemini Personal Intelligence noch nicht in Europa gestartet ist. Ob und wann sich das ändert, und wie sich das alles mit den strengen Datenschutzregeln in Europa vertragen soll, ist meiner Meinung nach vollkommen offen. Dennoch zeigt sich, dass man bei Google nun ans Tafelsilber will, um dieses ebenfalls zu vergolden.
Letzte Aktualisierung am 26.10.2026 / Bilder von der Amazon Product Advertising API / Affiliate Links, vielen Dank für eure Unterstützung! Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen.