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Google Meet: Die Videokonferenzplattform wird in den Markt gedrückt – das kann auch nach hinten losgehen

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Vor wenigen Tagen hatte Google große Ankündigungen rund um Google Duo und Google Meet im Gepäck: Die neue Videokonferenzlösung wird tief in GMail integriert und soll somit allen Nutzern zur Verfügung stehen, die die GMail-App für Android und iOS verwenden. Dieser Schritt wird Google Meet eine riesige Aufmerksamkeit bescheren, ist zugleich aber auch ein großes Risiko, wie die Vergangenheit bereits mehrfach gezeigt hat.


Google und Messenger, diese beiden Welten wollten in den letzten Jahren einfach nicht zusammenpassen. In der verwandten Kategorie der Videokonferenzplattformen sieht das zwar etwas besser aus, aber auch hier scheint sich Google vor allem auf die eigene Größe und Selbstverständlichkeit zu verlassen, mit der man Produkte in den Markt drücken kann. Während Google Duo ein mehr oder weniger gesundes Wachstum zeigt, muss es für Google Meet nun die Rakete sein.

Es ist erst wenige Monate her, dass Google Meet für alle Nutzer geöffnet wurde und sich vom G Suite-Korsett befreit hat, in dem man jahrelang unter der Bezeichnung „Hangouts Meet“ gefangen war. Der neue Name hat zugleich eine völlig neue Richtung gebracht, nämlich die des Massenmarkts außerhalb der Business-Welt. Eigentlich das Metier von Google Duo, das aber vermutlich nicht ganz so schnell wächst, wie sich Google das vorstellt. Diese doppelte Bearbeitung des Marktes, trotz unterschiedlicher Zielgruppen, könnte noch zum Problem werden.

Nachdem Google Meet nun kostenlos für alle Nutzer zur Verfügung steht, soll es mit der Holzhammer-Methode in den Markt gedrückt werden, anders kann man kaum beschreiben, was da am Dienstag angekündigt wurde. Die Videokonferenzplattform wurde sehr schnell an bekannter Stelle in die GMail-Oberfläche integriert, wo es sich glücklicherweise wieder ausblenden lässt und ist auch im Google Kalender als zusätzliches Detail für Termine zu finden.

Der größte Schritt wird aber erst in den kommenden Wochen folgen, nämlich die tiefe Integration in die GMail-App für Android. Einige Nutzer können es vielleicht schon jetzt nutzen, der vollständige Rollout soll aber erst im Laufe der nächsten Wochen abgeschlossen sein. Das wird ein Schlüsselmoment für Google Meet werden, dessen Ausgang kaum vorherzusehen ist.

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Google Meet wird so tief in GMail integriert, dass Nutzer einer Videokonferenz beitreten können, ohne dass die App überhaupt auf dem Smartphone installiert sein muss. Das bedeutet, dass Meet seine potenzielle Reichweite auf einen Schlag auf weit über zwei Milliarden Nutzer ausbaut und in einer App zu finden ist, die laut offiziellen Zahlen auf mehr fünf Milliarden Geräten installiert ist. In puncto potenzieller Reichweite lässt Google damit jeden noch so großen Konkurrenten weit hinter sich.

Diese Integration ist mit Sicherheit sehr praktisch und wird vielen Nutzern gefallen, die Meet-Einladungen per E-Mail erhalten und somit noch schnell in die laufenden Konferenzen einsteigen können. Es ist eine genauso praktische Integration wie die des Google Kalender, Google Drive oder auch YouTube: Es ist vorhanden, wenn man es braucht und es belästigt die Nutzer nicht, wenn sie es nicht brauchen. Aber das ist ja nicht die einzige Meet-Integration.

Google Meet-Button in GMail
Die bisher recht aufgeräumte GMail-Oberfläche wird eine Tableiste am unteren Rand erhalten, die wohl mit voller Absicht sehr groß gehalten ist. Unnötig groß. Über diese Tabs wird es möglich sein, direkt zwischen der E-Mail und der Meet-Oberfläche zu wechseln. Für einige Meet-Nutzer sicherlich sehr praktisch, für alle anderen – die ohne Frage in der Überzahl sind – allerdings ein Ärgernis. Nicht nur, das ein unnötiges Element an die Oberfläche kommt, sondern der auf dem Smartphone ohnehin schon spärliche Platz auf dem Display wird doch recht deutlich verkleinert.

Google ist sich bewusst, dass das vielen Nutzern nicht gefallen hat und hat direkt in der Ankündigung sehr ausführlich beschrieben, wie sich diese Tableiste wieder ausblenden lässt. Ungewöhnlich. Dennoch wird man diese Leiste standardmäßig für alle Nutzer aktivieren und sie somit, wenn sie es nicht möchten, zur Deaktivierung zwingen. Andersherum wäre es natürlich deutlich nutzerfreundlicher gewesen, aber dann wäre es nicht das geworden, was es eigentlich ist: Eine riesige Werbefläche in einer der meistgenutzten Oberflächen überhaupt.

Man darf sich schon fragen, warum Google so etwas bisher nicht mit Hangouts, Talk, Messages, Allo oder auch Duo getan hat, um die Messenger zu promoten. Es darf auch hinterfragt werden, welche Verbindung zwischen einem privaten GMail-Konto und Google Meet besteht. In der Telefon-App ist Google Duo integriert und bei GMail Google Meet. Dass es keinerlei Kompatibilität zwischen Duo und Meet gibt, macht die Sache nicht besser.




Für Google wird sich diese sehr prominente Werbefläche sicherlich auszahlen und es werden Millionen neue Nutzer Google Meet ausprobieren, die Masse wird aber eher davon genervt sein. Und damit zieht sich eine parallele zu zwei damaligen Produkten, die von Google ebenfalls schon sehr früh aufgrund der übermäßigen Integration in ein bestehendes Produkt vor die Wand gefahren worden sind: Google Buzz und Google+.

Google Buzz war so tief in GMail integriert und hatte zusätzlich einige Datenschutzprobleme, sodass man dem Netzwerk sehr schnell den Stecker ziehen musste. Bei Google+ hatte man aus Zweitem gelernt, aus Erstem allerdings nicht. Google+ wurde so penetrant beworben und den Nutzern auf den Bauch gebunden, dass sich diese schon aus Prinzip dagegen gewehrt haben, sich bei Google+ anzumelden. Nach knapp einem Jahr ist das auch bei Googles Strategen angekommen und viele Zwänge wurden in den folgenden Monaten und Jahren wieder zurückgefahren.

Derzeit habe ich den Eindruck, dass mit Google Meet etwas sehr Ähnliches passiert. Natürlich kann ich mich täuschen, aber Meet über das trojanische Pferd GMail auf zwei Milliarden Smartphones zu bringen, weckt genau solche Erinnerungen. Natürlich soll und muss Google die Möglichkeiten nutzen, die man hat, aber das kann man auf verschiedene Arten tun. Ein kleiner Meet-Button hier und da hätte es sicherlich auch getan.

» GMail & Google Meet: So lässt sich die Integration der Videokonferenzplattform wieder ausblenden


GMail & Google Meet: Die Videokonferenzlösung wird tief in die GMail-App integriert – auch in der Navigation


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