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Stadia: Ist Googles Spieleplattform wirklich zu teuer? Die Abo-Preisgestaltung & Leistung unter der Lupe

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Googles neue Spieleplattform Stadia ist nun seit ziemlich genau zwei Monaten online und befindet sich nach wie vor in einer halboffenen Testphase. Bisher haben nur wenige Nutzer Zugriff auf die Plattform, sodass es eigentlich zu früh ist, über Erfolg oder Misserfolg zu sprechen. Schon jetzt sind sich einige Experten und Beobachter aber darüber einig, dass Stadia einfach zu teuer ist. Aber ist es das wirklich?


Nach der ersten Ankündigung von Stadia hatte sich Google lange Zeit gelassen, um konkrete Details rund um die Preisgestaltung zu nennen – vermutlich, weil man erst die Reaktionen des Marktes auf die Ankündigung beobachten wollte. Nach einigen Monaten wurde dann verkündet, dass es Stadia in einer Base- und einer Pro-Version geben wird, die sich vor allem in der Preisgestaltung und Qualität unterscheiden. Ein kleines Detail sorgte dabei aber für Enttäuschung.


Stadia: Google kündigt neue Features und neue Spiele für die Spieleplattform an

Stadia Pro und Stadia Base
Das Preismodell von Stadia wurde anfänglich als zu kompliziert beschrieben – was aber gar nicht ist. Google wird nach der Öffnung der Spieleplattform nur zwei verschiedene Modelle anbieten, wobei aktuell nur eines verfügbar ist. Derzeit gibt es nur Stadia Pro, für das die Nutzer die volle Leistung erhalten in höchster Qualitätsstufe erhalten und 9,99 Euro pro Monat nach Mountain View überweisen müssen. Das zweite Modell ist Stadia Base, das vollkommen kostenlos zur Verfügung steht, bei dem die Nutzer aber Abstriche bei der Bild- und Tonqualität machen müssen.

Spiele sind bei beiden Paketen standardmäßig nicht enthalten, denn diese müssen von den Spielern separat erworben werden. Google hält dafür den Stadia Store bereit, wird aber auch externe Abos der großen Publisher unterstützt, so wie etwa Uplay+ von Ubisoft. Pro-Abonnenten dürfen sich jeden Monat über einen oder mehrere wechselnde kostenlose Titel freuen, den sie statt zum vollen Preis für 0 Euro erwerben können. Die Betonung liegt dabei tatsächlich auf „erwerben“.

Wer ein Spiel im jeweiligen Aktionszeitraum für 0 Euro „kauft“, der kann es zukünftig immer wieder spielen. Das bedeutet, dass man sich im Laufe der Zeit ein schönes Spiele-Portfolio ansammeln kann, für das man bis auf die monatlichen Abo-Gebühren keinen Cent zahlen musste. Base-Abonnenten haben diesen Luxus nicht, zumindest ist er kein Bestandteil des Preismodells.



Das klingt doch erst einmal recht einfach und fair, oder? Dennoch haben sich nun einige Experten gefunden, die Stadia für viel zu teuer halten und schon jetzt prognostizieren, dass Google den Preis dramatisch senken muss, um mittelfristig mit der Konkurrenz mithalten zu können. Welcher Preis dafür angemessen wäre, haben sie allerdings nicht verraten. Na klar, sobald man bezahlen muss ist es immer zu teuer. Billiger geht immer.

Stadia ist nicht Netflix
Die große Kritik liegt vor allem darin, dass Google den Spielern für 9,99 Euro pro Monat kein kostenloses Spiele-Abo anbietet. Stattdessen müssen sie, wenn wir den monatlichen Gratis-Titel jetzt mal außer Acht lassen, die Spiele noch einmal einzeln kaufen. Die 9,99 Euro pro Monat gehen also laut Milchmädchenrechnung vollständig an Google, das diesen Betrag nicht mit den Spieleentwicklern teilen muss. Dabei bekommt man Netflix und Amazon Prime für diesen Betrag Zugriff auf viele Filme und Serien.

Das ist die Nutzersicht, aber dann muss man es auch mal etwas realistischer sehen. Google hatte in der Vergangenheit mehrfach Sinngemäß gesagt, „Stadia ist nicht Netflix“. Und genau das ist es auch nicht. Google betreibt mit Stadia aktuell kein Spiele-Abo, sondern vermietet lediglich die Spielekonsole – wenn auch nur in virtueller Form. Weil das aktuell 129 Euro teure Starterpaket nicht benötigt wird, spart sich der Spieler also den Anschaffungspreis der Xbox, Playstation oder sonstigen Konsole bzw. sogar des teuren Gaming-PCs.

Man kann schon sehr viele Monate Stadia spielen, bis man mit dem Stadia-Abo den Preis der Konsole übertrifft. Nun kommen wir aber zu den weiteren Vorteilen: Die Konsole hängt am Fernseher im eigenen Wohnzimmer, Stadia hingegen lässt sich überall spielen. Stadia wird stets die höchstmögliche Rechenpower zur Verfügung stellen und Spielern wie Entwicklern die Möglichkeit geben, die Grenzen immer wieder zu verschieben – was bei der einmal gekauften Konsole in der Form nicht möglich ist. Stadia lässt sich außerdem auch am Smartphone und somit unterwegs spielen. Wer all diese Vorteile mit der klassischen Variante möchte, muss sich schon die Konsole, ein starkes Smartphone und einen Gaming-PC besorgen.

Der nächste Punkt sind die Betriebskosten einer Konsole. Die Stromkosten einer täglich stundenlang genutzten Konsole sind nicht zu unterschätzen und fallen mit Stadia zu einem großen Teil weg – denn die gesamte Rechenarbeit findet auf Googles Servern statt, während die lokale Hardware des Nutzers nur das Videobild streamen und hin und wieder die Eingaben des Nutzers übertragen muss. Als letzten großen Punkt möchte ich die Gratis-Titel anführen, die es bei anderen Plattformen in der Form ebenfalls nicht gibt.



Und nun kommen wir zum wichtigsten Punkt, der von Spielern und Beobachtern gerne vergessen wird: Google ist ein Unternehmen, dessen natürliches Ziel es ist, Geld zu verdienen. Vermutlich könnte man den Stadia-Preis senken, um kostendeckend zu arbeiten – aber Kostendeckung kann nicht das langfristige Ziel eines Unternehmens sein. Es muss Geld in die Kasse kommen – und das stets so viel wie möglich. Fragt mal die Aktionäre. Von den 9,99 Euro werden die Server finanziert, deren Betrieb, die Entwicklung der Plattform, der Support und dann eben auch die Gratis-Titel, die die Publisher nicht ohne Gegenleistung seitens Google verschenken. Wie hoch die Gewinnspanne ist, lässt sich ohne Einblick nicht sagen, aber weil Google von „Milliarden Spielern“ träumt, dürfte sie nur sehr sehr gering sein und erst bei einer gewissen Skalierung im grünen Bereich sein.

Ist Stadia zu teuer?
Ist Stadia nun also zu teuer? Meiner ganz persönlichen Meinung nach nicht. Google hat geschickterweise das Stadia Base-Abo geschaffen, mit dem die Plattform vollkommen kostenlos verwendet werden kann – was übrigens auch durch die Pro-Einnahmen subventioniert werden muss. Und das nicht zu knapp. Wer die Plattform also zu teuer findet, kann sie ja auch kostenlos nutzen – und das ist das Novum im Vergleich zu den klassischen Konsolen, mit denen man Stadia nicht vergleichen kann. Stadia Pro ist Premium – und Premium kostet.

Vermutlich sind es die gleichen Nutzer, die für ihre Smartphone-Spiele 50 Cent und mehr für virtuelle Gegenstände ausgeben, die den Stadia-Preis von 9,99 Euro für zu hoch halten. Einfach mal nachrechnen kann aber helfen, die Preisgestaltung in einer anderen Relation zu sehen und vielleicht zu bemerken, dass der Preis für die gemietete Spielekonsole NICHT zu hoch ist.

Hinweis: Der gesamte Artikel ist nur die persönliche Meinung des Autors, so wie alle Beiträge in diesem Blog. Als außenstehender Nicht-Spiele habe ich kein Interesse daran, Stadia in irgendeiner Form zu verteidigen.

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