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Android Auto: Neue App will Fußgänger-Unfälle schon bald verhindern – Google könnte es umsetzen (Video)

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Smarte Technologien spielen im Auto nicht erst seit Android Auto eine große Rolle, aber Googles Plattform hat den Zugang sowohl für Nutzer als auch Entwickler vereinfacht. Ein Startup hat im Rahmen der vergangenen CES eine interessante Technologie gezeigt, mit der sich Autounfälle mit Fußgängern verhindern oder zumindest verringern lassen sollen. Möglicherweise könnte so etwas in Zukunft auch für Googles Android Automotive sehr interessant werden.


Moderne Fahrzeuge sind heute mit zahlreichen Sicherheitstechnologien ausgestattet, die Unfälle entweder verhindern oder zumindest deren Wirkung abschwächen sollen. Dabei geht es weniger um Sicherheitsgurte oder Airbags, sondern viel mehr um Kollisionswarner, Abstandshalter, Notbremsassistenten, Aufmerksamkeits-Checker und vieles mehr. Für all diese Funktionen kommen die im Fahrzeug verbauten Sensoren zum Einsatz, aber das allein kann für einen allumfassenden Schutz nicht ausreichen.


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Auf der insgesamt enttäuschenden CES 2020 hat das Unternehmen Viziblezone sein erstes und einziges Produkt vorgestellt, das Fußgänger in Zukunft besser schützen und Autofahrer vor unachtsamen Fußgängern warnen soll. Die vorgestellte Technologie setzt dabei nicht auf Sensoren im Fahrzeug, sondern auf ein zweigeteiltes System aus Smartphone und dem Infotainment-System im Fahrzeug. Das Smartphone der Fußgänger soll das herannahende Fahrzeug davor warnen, dass der Fußgänger die Straße betreten wird.

Grundlegend ist das Prinzip ganz einfach: Der Nutzer trägt sein Smartphone stets bei sich und muss zum eigenen Schutz die Viziblezone-App installiert haben. Diese überträgt ständig den Standort in die Cloud und wertet die Bewegung mit Künstlicher Intelligenz aus. Die Fahrzeuge in der Nähe, die natürlich ebenfalls die Viziblezone-App unter Android Auto installiert haben müssen, erhalten diese Daten und können den Fahrer warnen, wenn sich dieser quasi auf Kollisionskurs mit dem Fußgänger befindet.

Klingt erst einmal sehr einfach und nachvollziehbar, aber damit das wirklich funktionieren kann, wird es wohl deutlich größere Kaliber als ein Startup und eine tiefe Integration in die Infrastruktur des Fahrzeugs benötigen. Aber der Reihe nach.



In obigem Video seht ihr das System im Einsatz und in der im nächsten Absatz eingebundenen Grafik ist noch einmal im Detail zu sehen, wie dieses System funktionieren soll. Das ganze Geheimnis ist die ständige Kommunikation zwischen dem Fußgänger und dem Autofahrer, wenn auch in vollständig passiver Form über das Smartphone und das Infotainment-System. Dazu noch ein Klecks Künstliche Intelligenz und schon sollen sowohl Fußgänger als auch Autofahrer vor solchen unschönen Unfällen sicher sein.


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Der Teufel steckt aber im Detail, vielleicht auch schon im Grundkonzept. Achtung: Das ist nur meine Meinung. Damit das funktionieren kann, muss sowohl der Standort des Fußgängers als auch des Fahrzeugs permanent in die Cloud gesendet werden – mehrmals pro Sekunde. Dort müssen die Daten ausgewertet werden, eine mögliche Kollisionsroute erkannt werden und dann die Warnung an den Autofahrer gesendet werden. Die Daten sollen zwar zur Zeitersparnis auch direkt im Fahrzeug ausgewertet werden, aber das wird nicht viel ändern. Ist das alles geschehen, muss der Autofahrer natürlich auch noch die Warnung wahrnehmen und entsprechend reagieren. Wir kennen es aus der Fahrschule: Anhalteweg = Bremsweg + Reaktionsweg.

Es muss also alles extrem schnell gehen, denn der Weg des Fußgängers von der Bordsteinkante bis auf die Straße dauert je nach Gehgeschwindigkeit wohl nicht mehr als 1-2 Sekunden. In dieser Zeit müssen all diese Auswertungen stattgefunden haben und der Fahrer eben auch noch entsprechend reagieren – der Reaktionsweg ist nicht zu unterschätzen! Gerade bei solchen komplett unvorhersehbaren Hindernissen wie einem Fußgänger ist es vielleicht doch eine bessere Idee, wenn das Fahrzeug vollautomatisch bremst.



Nun muss man sich ganz ehrlich fragen, wie das funktionieren soll – die Probleme habe ich bereits angesprochen. Das wissen auch die Entwickler hinter dieser Technologie und zielen schon heute ganz bewusst auch auf die autonomen Fahrzeuge ab, bei denen es gewissermaßen keinen Reaktionsweg mehr gibt. Das Fahrzeug wird in der Millisekunde, in der die Daten eintreffen die Situation im Überblick haben und je nach Entfernung, Geschwindigkeit oder nachfahrenden Fahrzeugen entsprechend stark bremsen oder ausweichen.

Aber selbst in diesem perfekten Szenario muss eben vorausgesetzt sein, dass der Fußgänger die App installiert und seinen Standort ständig gemeldet hat. So schnell kann ein Funkloch lebensgefährlich werden. Grundsätzlich sollte man eigentlich immer davon ausgehen können, dass sich Erwachsene Fußgänger korrekt verhalten und nicht auf die Straße laufen – aber wie sieht es beim klassischen traurigen Beispiel aus? Ball rollt auf die Straße, Kind rennt hinterher. Weil das Kind wohl kein Smartphone dabei hat, lässt sich das nicht lösen.

Lange Rede, kurzer Sinn: So etwas kann vermutlich nur dann funktionieren, wenn es – Stand Heute – von Google in Kooperation mit Autoherstellern umgesetzt wird. Android-Smartphones melden ständig ihren Standort und mit Android Automotive wäre eine Schnittstelle vorhanden, die eventuell eines Tages auch in die Notfallsysteme des Fahrzeugs eingreifen kann. Bis das in der von Visiblezone geplanten Form funktionieren kann, werden aber wohl noch viele Jahre vergehen…

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