Der Browser Google Chrome ist seit vielen Jahren mit großem Abstand Marktführer und kann dementsprechend großen Einfluss auf die Nutzer und den gesamten Markt nehmen. Jetzt steht ein bedeutendes Update vor der Tür, das schon seit langer Zeit für Diskussionen sorgt: Mit der kommenden Version werden praktisch alle populären Werbeblocker vollständig blockiert.
Die Installation eines Werbeblockers gehört für immer mehr Menschen zur ersten Amtshandlung nach der Einrichtung eines neuen Browsers – und das ist (trotz aller persönlichen Vorteile) bekanntlich ein riesiges Problem. Es ist das gute Recht des Nutzers, hat in der Masse aber spürbare Folgen für das gesamte Web. Ich habe hier im Blog schon sehr häufig über das Pro und Contra geschrieben, aus Sicht eines Betroffenen, aber in der Masse ist das auch für Google selbst ein Problem.
Wenig überraschend sehr groß fiel die Kritik aus, als Google vor über zwei Jahre ein neues Chrome-Manifest angekündigt hatte, das die Arbeit der meisten Werbeblocker-Erweiterungen so gut wie unmöglich macht. Weil Google eine Doppelrolle spielt, gab und gibt es viele Diskussionen. Wohl auch deswegen vergingen zwischen Ankündigung und Rollout viel Zeit, aber irgendwann ist die finale Phase gekommen. Das angekündigte „Manifest V3“ ist bereits Standard und blockiert mit seinen Anforderungen die Arbeit der populären Werbeblocker. Ab dem 24. Juli werden alle alten Erweiterungen blockiert.
In der Übergangsphase hat der Chrome-Browser die Nutzung des Manifest V2 weiterhin ermöglicht. Erst nativ, später mit einem Schalter in den Flags und mit zunehmender Kompliziertheit. Jetzt steht die zeitnahe Deaktivierung der Flags auf dem Programm. Das bedeutet, dass das Manifest V2 in etwa einer Woche endgültig aus dem Browser entfernt wird und die darauf basierenden (und angewiesenen) Erweiterungen nicht mehr verwendet werden können. Konkret geht es um das Flag ExtensionManifestV2Disabled, das mit der Version 150 (schon seit dem 30. Juni) entfernt wird und die drei restlichen Flags ExtensionManifestV2Unsupported, ExtensionManifestV2Availability und AllowLegacyMV2Extensions werden mit der Version 151 ab dem 24. Juli aus dem Browser gestrichen.
MV2-Erweiterungen sind in keiner unterstützten Chrome-Version mehr zulässig. Wir stellen die Unterstützung für diese Erweiterungen und die zugehörigen Funktionen ein. Aufgrund der Komplexität, der damit verbundenen technischen Altlasten und der Sicherheitsrisiken (wir haben in letzter Zeit einige MV2-spezifische Fehler entdeckt) können wir diese Funktionen nicht dauerhaft bereitstellen bzw. warten.
Wenn das Ganze final umgesetzt ist, werden sich die beliebten Werbeblocker wie uBlock Origin nicht mehr nutzen lassen. Das bedeutet nicht, dass Google Chrome absolut frei von Werbeblockern sein wird. Aber deren Arbeit wird so weit verunmöglicht, dass die bisherige Qualität nicht einmal im Ansatz gehalten werden kann. Als Ersatz hat Google schon vor Jahren einen eigenen Werbeblocker in Chrome integriert, der zu aufdringliche oder stark Ressourcen-fressende Werbeanzeigen entfernt.
Damit endet die Ära der klassischen Adblocker in Google Chrome endgültig. Ab August werden auch alle Erweiterungen aus dem Chrome Web Store entfernt. Dennoch weist man darauf hin, dass andere Chrome-basierte Browser wie Microsoft Edge oder Opera die Unterstützung weiterhin verwenden und selbst pflegen können. Ob sie das tun, steht auf einem anderen Blatt. Weil diese beiden Unternehmen kaum bis gar nicht von Werbung abhängig sind, ist das aber nicht ganz ausgeschlossen. Ganz im Gegensatz dazu hat Mozilla erst kürzlich angekündigt, einen Werbeblocker in Firefox zu integrieren.
» Google auf dem Desktop: Wird der Chrome-Browser zum trojanischen Pferd? Neue Integrationen kommen
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