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Android: Änderungen bei der Suchmaschinen-Weiche – Googles ’super unfaires‘ EU-Blendwerk wird angepasst

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Nach einem Urteil der EU-Kommission musste Google vor einiger Zeit die Suchmaschinen-Weiche in Android einführen, die bei Neueinrichtung eines Smartphones verpflichtend angezeigt wird und Nutzern in der Europäischen Union mehrere Alternativen zur Wahl stellt. Vor einigen Monaten ging erneut eine Runde unter Protest zu Ende und nun hat Google finale Anpassungen angekündigt.


UPDATE 8. Juni 2021:
Google hat nun „finale Änderungen“ an diesem System angekündigt, die ab Herbst aktiv werden sollen. Final bedeutet wohl genau das – es wird daran nicht mehr gerüttelt. Ab Herbst sollen mehr Suchmaschinen-Anbieter statt nur drei Alternativen angezeigt werden und die Aufnahme in die Liste ist ab diesem Zeitpunkt Gratis. Anbieter müssen sich weiterhin bewerben, aber keine Höchstgebote mehr abgeben und sehr viel Geld an Google zahlen. Für die Nutzer wird sich nicht viel ändern, für die Anbieter dürfte das aber als klarer Sieg gewertet werden.

Artikel vom März 2021:
Auf jedem von Google zertifizierten Android-Smartphone sind eine ganze Reihe von Google-Diensten vorinstalliert, darunter natürlich auch die Suchen-App mit der Websuche. An dieser Vorinstallation stoßen sich Konkurrenten und Kartellwächter schon seit Jahren, doch geändert hat sich bisher nichts. Nach einem Verfahren der EU-Kommission, das mit einer Milliardenstrafe und vermeintlich harten Auflagen geendet hat, muss Google seit einiger Zeit bei der Einrichtung eines Smartphones im EU-Raum und einigen anderen Ländern eine Suchmachinen-Weiche einblenden.

Diese lässt den Nutzern direkt bei der Einrichtung die Wahl, welche Suchmaschine sie auf dem Smartphone verwenden möchten. Diese Einstellung lässt sich jederzeit ändern bzw. widerrufen, aber weil die absolute Mehrheit der Nutzer das niemals tut, hat man die Auswahl nun unumgänglich zum festen Bestandteil der Einrichtung gemacht. Damit folgt Google den Erfordernissen des damaligen Urteils und der Auflagen, doch die Konkurrenz ist dennoch nicht glücklich.

Tatsächlich scheint es so zu sein, dass Google von der Auswahl selbst am meisten profitiert und die Konkurrenz eher gestärkt statt geschwächt wird.




Als das Urteil gegen die feste Einbindung der Google Websuche in Android gefallen ist, lag der Marktanteil von Google im mobilen Markt bei 96,6 Prozent. Jetzt, zweieinhalb Jahre später, liegt der Marktanteil bei über 97 Prozent. Natürlich sollte Google durch das Urteil nicht geschwächt werden, sondern eher die Konkurrenz gestärkt werden. Führt natürlich beides zum gleichen Ergebnis, hat aber eben eine völlig andere Bedeutung. Wie sich zeigt, hat Google schlussendlich aber profitiert und die Konkurrenz wurde weiter geschwächt.

Statt eine Reihe von zufälligen Suchmaschinen anzuzeigen, hat Google aus der ganzen Sache eine Auktion gemacht – ähnlich zum System der Werbeanzeigen. Suchmaschinen-Anbieter haben die Möglichkeit, sich für den Platz in dieser Liste zu bewerben und einen Betrag zu bieten, den sie für die Listung bezahlen möchten. Google behält es sich vor, dies nur als Signal zu nehmen und einige Teilnehmer nicht anzunehmen, aber grundsätzlich gewinnt der Anbieter, der das meiste Geld bietet.

Der Nutzer sieht dann bis zu vier Suchmaschinen in einer Liste, die sehr einfach ausgewählt werden können. Neben den drei Alternativen ist Google stets dabei. Keines der Einträge ist vorausgewählt und die Reihenfolge wird bei jedem Nutzer zufällig bestimmt. Klingt im ersten Moment fair, doch aus Sicht der Konkurrenten ist es das nicht. Und meiner Meinung nach ist es das ohne rosarote Google-Brille auch nicht. Denn statt gestärkt, gehen die Konkurrenten eher geschwächt hervor.

Finanzielle Details sind nicht bekannt und dürfen nicht genannt werden, doch die Anbieter sprechen in Statements von signifikanten Beträgen, die für die Aufnahme und für jeden einzelnen gewonnenen Nutzer gezahlt werden müssen – also wieder ähnlich zum Werbesystem. Der Gewinner steht von vorneherein fest: Google. Die Masse aller Nutzer wird das ganze wohl eher als rhetorische Frage sehen und sich natürlich für Google entscheiden – von der Konkurrenz haben die meisten vermutlich noch nie etwas gehört. Und wenn sie sich dann doch für eine Alternative entscheiden, fließt ein Geldbetrag an Google, sodass das Unternehmen auch am verlorenen Nutzer verdient hat.

Wird dann eine Alternative genutzt, gibt es aber nach wie vor die zahlreichen weiteren Google-Produkte, die die Nutzer dazu verleiten, wieder auf die Google-Websuche zu wechseln. Das ist eine Frage der Markenbindung und vielleicht auch die Macht der Gewohnheit. Das ist vollkommen in Ordnung, soll auch gar nicht reguliert werden, ist für die Konkurrenten aber problematisch. Denn der Nutzer, für den sie in dem Sinne bezahlt haben, ist schnell wieder weg. Kein Wunder, dass viele Alternativen nun verkünden, an dem System gar nicht mehr teilnehmen zu wollen. Am Ende verbrennen sie mehr Geld, als sie hätten gewinnen können.




It’s a super unfair game — where it’s not only ‘David against Goliath’ but also Goliath gets to choose the rules, gets a free ticket, he can change the rules of game if he likes to. So it’s not amusing for us to participate in that.

Lest euch einmal die zahlreichen Statements der Alternativanbieter in diesem Artikel durch, die an dieser Stelle den Rahmen sprengen würden. Der Tenor ist nicht nur, dass man daran nicht mehr teilnehmen möchte, sondern das System als fehlerhaft ansieht. Wenn es eine solche Regulierung und Auswahl gibt, dann sollte nicht Google die Regeln diktieren. Man kann dazu stehen wie man möchte, aber dass sich die EU-Kommission nach einem jahrelangen Verfahren damit zufrieden gibt, ist unverständlich. Und genau deshalb fordern die Anbieter ein erneutes Eingreifen mit anderen Spielregeln.

Die Thematik ist nicht leicht, denn faktisch ist Google die beste Suchmaschine. Daran führt kein Weg vorbei. Viele haben aus diversen Gründen Alternativen ausprobiert, landen aber immer wieder bei Google. Das muss man einfach anerkennen, Googles Suchmaschine liefert die aus Nutzersicht besten Ergebnisse. Man kann die Nutzer nicht zu Alternativen zwingen und ich glaube auch nicht, dass sich Googles Marktanteile signifikant verringern würden, wenn das System anders gestaltet wäre. Dennoch ist es fragwürdig.

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