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DSGVO: Google will die Umsetzung der Datenschutz-Grundverordnung auf die Webmaster abwälzen

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In zwei Monaten tritt die neue Datenschutz-Grundverordnung in Kraft, von der wohl die meisten schon etwas gehört, aber sich wohl kaum damit beschäftigt haben. Diese von der EU neu eingeführte Datenschutzverordnung ist aber nicht nur eine kleine Herausforderung für Unternehmen, sondern kann auch Webmaster vor große Probleme stellen: Google will die Verantwortung zur Umsetzung auf die AdSense-Partner abschieben.


Online-Werbung ist heute personalisierter denn je und greift auf jede Menge Tracking-Signale zurück, so dass viele Nutzer genau die Werbung sehen, die sie wirklich interessieren könnte. Das hat im Laufe der Jahre zu steigenden Umsätzen geführt und ist damit längst zum Standard geworden. Doch das könnte sich schon sehr bald wieder ändern, denn durch die neue Datenschutz-Grundverordnung ist das nicht mehr ohne weiteres möglich und bedarf der Zustimmung der Nutzer.

Das Phänomen kennt jeder: Man hat nach einem Produkt oder Angebot gesucht und sieht plötzlich an allen Stellen im Web Werbung für genau dieses oder ein sehr ähnliches Produkt. Dadurch soll die Werbung nicht nur für den Nutzer interessanter werden, sondern soll auch beim Inserenten, beim Werbenetzwerk und schlussendlich auch beim Webmaster für gute Umsätze sorgen. In Zukunft soll diese personenbezogene Werbung aber nur noch dann möglich sein, wenn der Nutzer dem einmalig zugestimmt hat.

Als Betreiber des weltweit größten Werbenetzwerks hat Google nun angekündigt, dass man die Verantwortung zur Befragung der Nutzer auf die eigenen AdSense-Kunden abwälzen wird. Die Webmaster werden dafür sorgen müssen, dass die Surfer der personenbezogenen Werbung zustimmen oder eben nicht zustimmen werden. Wichtig ist aber, dass sie vorher gefragt werden. Sollten sie zustimmen, bleibt alles beim alten. Stimmen sie nicht zu, liefert das Google Werbenetzwerk nur noch „neutrale“ Banner ohne Bezug zum Surfer aus.

Nun könnte es dem Webmaster rein theoretisch egal sein, für welche (seriösen) Produkte die Besucher Werbeanzeigen sehen – ist es aber nicht. Denn mit den nicht personalisierten Bannern lässt sich nur sehr viel weniger Geld verdienen und die Klickpreise können um bis zu 40 Prozent einbrechen. Was das zur Folge hat, kann sich jeder ausmalen.



Folgen für Webseiten
Gehen wir einmal davon aus, dass die Nutzer dem nicht zustimmen oder ihre Zustimmung verweigern: Dann gehen die Klickpreise direkt in den Keller und die Webseite wird unmittelbar sehr viel weniger Umsatz erwirtschaften als bisher. Darauf kann man dann aus betriebswirtschaftlicher Sicht nur mit zwei Mitteln reagieren: Kosten senken oder Einnahmen steigern. Erstes wäre Personalabbau und damit weniger Content für die Besucher. Zweites sind noch mehr Werbebanner, um über die Masse wieder die alten Umsätze zu erreichen. Und damit sind wir auch schon bei den Folgen für die Nutzer.

Folgen für die Nutzer
Die Nutzer dürfen sich, wenn viele schon aus Protest nicht zustimmen, über noch mehr Werbebanner freuen. Diese werden zwar dank des Werbeblockers im Chrome-Browser für viele nicht in lästiger Form auftreten, aber dafür noch häufiger auftreten. Aber das ist nicht das einzige Ärgernis: Auf jeder neu besuchten Webseite wird es eine Abfrage über die Zustimmung geben, so wie wir es nun schon seit einigen Jahren von der Cookie-Abfrage kennen und hassen gelernt haben. Wer diese Meldungen einfach wegblockt, verschärft damit nur das Problem.

Folgen für die Industrie
Schlussendlich dreht sich der Kreislauf natürlich auch in die Industrie: Durch ein deutlich gesunkenes Nutzertracking können die Produkte nicht mehr so zielgerichtet wie bisher beworben werden. Wie viele Verkäufe dadurch nicht zustande kommen lässt sich wohl so einfach nicht ermitteln, aber schlussendlich muss man wohl von Umsatzeinbrüchen ausgehen. Um die vielen fehlgeleiteten Bannern zu kompensieren, kann man dann nur noch mehr Werbung schalten und auf Glückstreffer hoffen, so dass nicht nur der Umsatz sinkt, sondern gleichzeitig auch die Kosten steigen.

Wie man sieht, gibt es dabei eigentlich keine Gewinner… Nicht falsch verstehen, ich halte Datenschutz für sehr wichtig, aber irgendwo schießt man vielleicht doch über das Ziel hinaus.



Google möchte die Verantwortung zwar abschieben, hat aber angekündigt, dass man den Webmaster bis zum Inkrafttreten am 25. Mai Tools an die Hand geben möchte, um die Umsetzung zu vereinfachen. Denkbar wäre es, dass eine solche Abfrage automatisch mit dem AdSense-Code geladen und für den Nutzer eingeblendet wird. Das wäre wohl auch die beste Variante, da so eine einheitliche Abfrage sichergestellt ist, die dem Nutzer bekannt ist und die er dann vielleicht auch eher abnickt.

Obwohl es das Geschäftsmodell von Millionen Webseiten betrifft und auch Googles wichtigste Einnahmequelle bedroht, war bisher vom Unternehmen relativ wenig zu hören, außer der Information über die geänderten Nutzungsbedingungen. Echte gute Informationsquellen, Tools, Fragen und Antworten und so weiter sucht man derzeit aber noch vergeblich. Die Zeit drängt, denn schon am 25. Mai tritt die neue Verordnung in Kraft.

Natürlich werden wir euch hier im Blog weiter über das Thema auf dem Laufenden halten, denn insbesondere für Webmaster kann das ganze nun an die Existenzbedrohung gehen. Wer möchte, kann sich bis zu weiteren Informationen einmal den Wikipedia-Artikel zur Datenschutz-Grundverordnung zu Gemüte führen und sich über die grundsätzlichen Änderungen und Umsetzungen informieren.

Google selbst hat sich bisher nur in einem kurzen englischen Blogpost zu Wort gemeldet.

Siehe auch
» AdSense-Nutzer aufgepasst: Richtlinie zur Einwilligung der Nutzer muss auf allen Webseiten integriert werden

[heise]


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