Seit einigen Jahren gibt es bei Google kaum ein anderes Thema als Gemini, das haben alle Nutzer bemerkt und kaum jemand kommt um die zum Teil aufgezwungenen Dienste der KI herum. Alles wurde dem großen Ziel der Marktführerschaft untergeordnet, doch jetzt scheint man plötzlich auf die Notbremse zu treten und die Kosten massiv senken zu wollen. Die jüngsten massiven Einschränkungen für alle Gemini-Nutzer sind ein deutliches Zeichen und für Google enorm riskant.
Schon vor eineinhalb Jahren hatte Google-CEO Sundar Pichai das Ziel ausgegeben, mit Gemini eine Milliarde Nutzer und innerhalb kürzester Zeit auch die Marktführerschaft zu erreichen. Mit unzähligen Produkten, tiefen Integrationen und einem Entwicklungstempo, bei dem jedem Beobachter nur schwindlig werden kann, hat man das tatsächlich erreicht. Vor wenigen Wochen hat Gemini eine Milliarde aktive Nutzer vermelden können. Jetzt geht es offenbar darum, die finanzielle Effizienz zu steigern.
Es ist kein Geheimnis, dass die Künstliche Intelligenz Unsummen verschlingt – auch bei Google. KI-Anfragen benötigen gewaltige Rechenpower, treiben parallel die Energiekosten in die Höhe und machen es erforderlich, dass Google (und alle anderen Unternehmen) ihre Infrastruktur massiv ausbauen müssen – von Rechenzentren über Google-eigene Atomkraftwerke bis hin zu weiteren Kapazitäten. Trotz allem konnte Google praktisch unbeeindruckt die Gewinne sprudeln lassen und gilt schon jetzt als der ganz große KI-Gewinner.
Tritt Google auf die Kostenbremse?
Doch jetzt scheint Google massiv auf die Bremse zu steigen: Die ärgerlichen Gemini-Einschränkungen für alle Nutzer werden sofort dafür sorgen, dass man deutlich weniger Ressourcen aufwenden muss. Klar, wenn Milliarden von Nutzern nur noch ein Viertel der Rechenpower benötigt, wirkt sich das ganz massiv (positiv) aus. Aber auch die Weiterentwicklung der KI-Modelle geht deutlich langsamer voran, sogar das neue Gemini 4 hat man zunächst mit angezogener Handbremse präsentiert.
Was steckt hinter den Einschränkungen?
Zum einen wird es Google große finanzielle Vorteile bringen, wenn die Kosten mit einfachsten Mitteln halbiert oder gar noch weiter gesenkt werden – aber das dürfte mit Blick auf die stetig steigenden Gewinne tatsächlich gar nicht die Hauptmotivation sein. Als wahrscheinlicher gilt es mittlerweile, dass man sich Zeit für den Ausbau der Infrastruktur verschaffen will. Denn Googles Infrastruktur ist am Limit und dürfte ein weiteres Wachstum wie in den vergangenen Jahren wohl nicht stemmen können.
Google baut weltweit neue Rechenzentren, baut bestehende massiv aus. Man mietet gar Kapazitäten bei der Konkurrenz, lässt sich Atomkraftwerke bauen und mehr. All diese Projekte sind auf dem Weg, aber sie brauchen Zeit. Erst vor wenigen Monaten wurde bekannt, dass Google innerhalb von zwei Jahren 500 Milliarden Dollar in den Ausbau der Infrastruktur stecken will. Bis diese Kapazitäten zur Verfügung stehen, wird man aber erst einmal auf die Bremse treten müssen.
Um neue Projekte nicht zu gefährden und im Wettlauf mit der Konkurrenz weiter die Nase vorn zu haben, muss man daher im Grundgeschäft einsparen. Nämlich bei den einer Milliarde Gemini-Nutzer, die nicht für die KI bezahlen und somit nichts weiter als ein Kostenfaktor sind, der noch dazu die verfügbaren Kapazitäten belastet. Das ist riskant, aber anders wird es bei einem Ressourcenhunger in Googles Dimensionen wohl nicht gehen.
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