Die Google-Schwester Waymo ist seit mehreren Jahren mit den autonomen Fahrzeugen in einer wachsenden Zahl von US-Großstädten unterwegs und hat den automatisierten Taxidienst weitgehend etabliert. Jetzt baut man auf diesem Fundament auf und hat mit Waymo Ojaj erstmals ein völlig neues Fahrzeug vorgestellt, das man in Eigenregie entworfen hat und mit Partnern in großen Stückzahlen bauen will. Wir zeigen euch das erste echte Waymo-Fahrzeug.
Im Laufe der Jahre hat Waymo, das vor vielen Jahren noch als Moonshot-Projekt unter dem Dach von Google begonnen hat, ein gutes Dutzend unterschiedlicher Fahrzeuge verwendet. Diese wurden von den Herstellern bezogen und wurden in den Waymo-Hallen aufwendig umgerüstet. Ein enormer Kostenfaktor, denn nicht nur die Umrüstung ist teuer, sondern auch die notwendigen Komponenten. Aus dem Aufbau der Fahrzeuge ergab es sich außerdem, dass mehr Sensoren und Kameras als vielleicht notwendig verbaut werden mussten.
Die erste große Welle bestreitet man seit einigen Jahren mit dem umgerüsteten Jaguar I-Pace, der zu Tausenden auf den US-Straßen unterwegs ist und wohl auch weiterhin betrieben werden soll. Zusätzlich soll schon bald das erste Waymo-eigene Automobil starten, das als eines der ersten Fahrzeuge überhaupt von Grund auf für den autonomen Betrieb konzipiert und für die Ansprüche von Waymo konstruiert wurde.
Das neue Fahrzeug nennt sich Waymo Ojaj und zeichnet sich durch ein sympathisches Design aus, das ein wenig an einen Kleinbus erinnert – aber gar keine ist. Gemeinsam mit Geely hat man ein Fahrzeug entwickelt, das über einen sehr großen Innenraum verfügt, der über zwei Schiebetüren betreten wird. Das Konzept dürfte absichtlich an den Aufbau eines Zuges oder Busses angelehnt sein. Auch ein Lenkrad und ein Gas- sowie Bremspedal sind an Bord – allerdings nur aus rechtlichen Gründen. Diese sollen sehr einfach entfernt werden können und dürften in zukünftigen Generationen wohl nicht mehr zu finden sein.
In der Waymo-Ankündigung heißt es, dass die Fahrgäste beim Einstieg eine Kabine betreten – keine Rede von einem Auto, einer Sitzreihe. Die Kabine ist viel mehr ein fahrender Aufenthaltsort, der wohl erstaunlich geräumig sein soll. Dank des niedrigen Einstiegs und des ebenen Bodens soll der Ein- und Ausstieg besonders komfortabel sein. Man spricht gar von einem Wohnzimmer auf Rädern, in dem sich die Fahrgäste sowohl auf kurzen als auch längeren Strecken wohlfühlen können. Vorbei sind die Zeiten der engen Taxis.
Begrüßt werden die Fahrgäste von mindestens drei großen LED-Bildschirmen, die sowohl informieren als auch für das Infotainment verwendet werden können. Die Fahrgäste sehen die Route, können aber auch Musik abspielen, die Temperatur im Fahrzeug ändern und einiges mehr. Schon bald will man noch mehr Möglichkeiten bieten, hat aber noch keine Details verraten.
Waymo spricht vermutlich nicht ganz ohne Grund vom „Ojaj“-Erlebnis. Man will eine Marke aufbauen, bei der die Nutzer mit gutem Gefühl Taxi fahren und dieses vielleicht zukünftig dem eigenen Auto vorziehen. Wie dieses Erlebnis genau aussehen wird, ist auf den Bildern und Videos in diesem Artikel nur zu erahnen, man dürfte aber sicherlich einiges an Ideen und Ressourcen hereingepackt haben. Von der reinen Technik und dem autonomen Fahren ist dabei schon gar keine Rede mehr. It just works.
Im unten eingebundenen Video könnt ihr euch einen Eindruck vom neuen Fahrzeug verschaffen, das auch technisch sehr viel mehr bietet, als es auf den ersten Blick wirkt.
Für Waymo sicherlich das wichtigste Argument für das neue Fahrzeug: Man hat es mit Geely von Grund auf entwickelt, sodass alle technischen Anforderungen perfekt an die eigenen Ansprüche umgesetzt sind. Weil alle Komponenten schon bei der Produktion verbaut werden, spart man sich die Umrüstung und kann außerdem auf viel Technik verzichten. Jetzt kommen nur noch vier LIDAR-Sensoren und 13 Kameras pro Fahrzeug zum Einsatz – in den vorherigen Generationen soll die Zahl deutlich höher gelegen haben. In Sachen Software soll der Waymo Driver der sechsten Generation zum Einsatz kommen.
Der neue Waymo Ojaj soll in großen Stückzahlen produziert und schon bald landesweit in den USA auf die Straßen gebracht werden. Man spricht von mehreren Zehntausend Fahrzeugen pro Jahr, die produziert werden sollen. Zunächst führt man noch Probefahrten in Städten wie San Francisco, Phoenix und Los Angeles durch, bei denen man Feedback der Fahrgäste sammeln will.
Verläuft der Testlauf erfolgreich, wovon auszugehen ist, steht einem Großangriff auf die US-amerikanischen Straßen und auch dem schon in Aussicht gestellten ersten Sprung nach Europa und weiteren Kontinenten nichts mehr im Wege. Dass man „Ojaj“ als neue Marke etablieren will, spricht dafür, dass man sehr große Pläne hat.
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