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Google Maps: Besuche von Abtreibungskliniken werden jetzt automatisch aus dem Standortverlauf gelöscht

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Über den Google Maps Standortverlauf lassen sich automatisch alle besuchten Orte zum späteren Abruf im Google-Konto speichern, was bei vielen Nutzern – vielleicht auch ohne es zu wissen – dauerhaft passiert. Um die Nutzer vor möglichen Problemen zu schützen, hat man jetzt eine kleine aber dennoch extrem wichtige Änderung angekündigt: Besuche in bestimmten Einrichtungen werden zeitnah gelöscht.


Der Google Maps Standortverlauf kann ein sehr praktisches Werkzeug sein, um die eigenen Wege und besuchten Orte nachzuvollziehen. Wer keine automatische Löschung aktiviert hat, kann die eigenen Wege über viele Jahre zurückverfolgen und einen immer größeren Verlauf aufbauen. Diese Daten werden in anonymisierter Form auch für die gesamte Plattform verwendet und kommen an sehr vielen Stellen zum Einsatz, um die Popularität oder Auslastung einzelner Orte festzustellen.

Normalerweise stehen diese Daten nur für den Nutzer selbst zum Abruf bereit, doch gerade in den USA kann Google bekanntlich auch dazu verpflichtet werden, die Informationen mit Behörden zu teilen. Das ist in vielen Ländern der Welt der Fall und Google ist bekannt dafür, für jede einzelne (aus eigener Sicht) unrechtmäßige Anfrage notfalls auch vor Gericht zu kämpfen. In den USA ist das aber aussichtslos, sodass man um die Herausgabe von Daten nicht herumkommt.

Wegen einer aktuellen Entwicklung hat man daher nun eine Änderung angekündigt, die als Eigeninitiative erstmal sehr lobenswert ist, aber auch umfangreichere Änderungen in Zukunft mit sich bringen könnte. Man wird besuchte Orte automatisch löschen, wenn deren Aufzeichnung für den Nutzer problematisch werden könnte.




Man hat angekündigt, dass Besuche von Abtreibungskliniken in den USA direkt nach der Erkennung durch die Algorithmen wieder gelöscht werden. Den Grund dürften auch viele Menschen außerhalb der USA mitbekommen haben: Das Recht auf Abtreibung bzw. Schwangerschaftsabbruch wurde vom obersten Gerichtshof kassiert und kann gewaltigen Einfluss haben. Denn US-Staaten habe nun die Möglichkeit, Schwangerschaftsabbrüche zu verbieten und einige sollen das bereits getan haben. Der Besuch einer solchen Klinik ist damit strafbar.

Google Maps wird den Besuch daher automatisiert löschen, damit die Nutzer auf Grundlage dieser Daten keine rechtlichen Folgen befürchten müssen. Zur Situation in den USA kann ich nicht viel sagen, aber es gibt sicherlich auch andere Mittel und Wege, um solche Besuche festzustellen. Dennoch ein sehr guter Schritt des Google Maps-Teams, um die naheliegendste Methode vollständig zu entschärfen und die eigenen Nutzer vor den Folgen zu beschützen.

Ein solches Vorgehen könnte auch der Beginn einer umfangreicheren Selbstzensur im Standortverlauf sein. Daher kann man nur hoffen, dass es dennoch eine absolute Ausnahme bleibt. Die Ausnahme ist zu begrüßen, aber vielleicht sollte man den Menschen dennoch auf eigene Gefahr die Möglichkeit geben, diese Selbstzensur zu deaktivieren. Auch mit Blick auf künftige automatisierte Löschungen.

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