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Endlich: Neuer Android-Vertrag zwingt Smartphone-Hersteller zu regelmäßigen Sicherheitsupdates (EU-only)

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Die Fragmentierung gehört ist seit vielen Jahren und bis heute das größte Problem des Android-Ökosystems und konnte trotz vieler Versuche bisher von Google nicht gelöst werden. Zumindest in puncto Sicherheit setzt man nun aber den Smartphone-Herstellern die Pistole auf die Brust und verpflichtet sie dazu, mindestens für zwei Jahre Sicherheitsupdates auszuliefern. Vorerst gilt das aber nur für Geräte, die in Europa verkauft werden.


Das EU-Urteil im Sommer hat dazu geführt, dass Google es den Smartphone-Herstellern freistellen muss, ob sie Google-Apps installieren möchten oder nicht. Wer sich nur für eines der Pakete entscheidet, wird mit bis zu 40 Dollar pro Gerät zur Kasse gebeten. Im Zuge dieser neuen Verträge hat Google aber gleich noch weitere Details in den Kontrakt geschrieben, die den Nutzern wirklich zugutekommen werden.

Laut Informationen von The Verge, denen wohl ein Vertragsentwurf zwischen Google und einem Smartphone-Hersteller vorliegt, müssen sich Smartphone-Hersteller nun verpflichten, ihre Geräte für mindestens zwei Jahre mit Sicherheitsupdates zu versorgen. Allerdings bedeutet das nicht, das die Smartphones 24 Updates enthalten, sondern man lässt den Herstellern realistische Chancen zur Umsetzung.

Smartphones müssen mindestens vier mal pro Jahr versorgt werden und dürfen nicht länger als 90 Tage auf einem alten Sicherheitslevel sein. Praktisch bedeutet das also, dass jedes Smartphone mindestens alle drei Monate ein aktuelles Sicherheitsupdate bekommen wird. Das ist längst nicht so gut wie bei den Google-Geräten oder einigen anderen Herstellern, aber doch ein sehr deutlicher Schritt nach vorne, der die Sicherheit des gesamten Ökosystems erhöhen wird.

Diese Bedingungen gelten rückwirkend ab dem 31. Januar 2018 für alle Geräte, die mindestens 100.000 mal aktiviert wurden. Ab dem 31. Juli 2018 gelten sie für 75 Prozent aller Hersteller (?) und ab dem 31. Januar 2019 ist es für alle Hersteller verpflichtend.



Ähnliche Vereinbarungen hat es in der Vergangenheit schon gegeben, aber bisher haben sich die Hersteller kaum für solche Absprachen interessiert – aber das wird sich nun schlagartig ändern. Denn Google setzt nun Druckmittel ein, die den Herstellern weh tun werden: Bei Zuwiderhandlungen werden Provisionen gestrichen. Wer seine Smartphones für einen längeren Zeitraum nicht aktualisiert, riskiert, dass Google zukünftig keine Geräte mehr des Herstellers zulässt. Sprich: Kein Play Store.

Es ist ein sehr großer Schritt für Android, der vorerst nur für die Sicherheitsupdates und auch nur für Europa gilt (womit für Europäer ja ausnahmsweise einmal profitieren). Bei Erfolg könnt man das aber vielleicht auch auf die Betriebssystem-Updates übertragen, mit denen sich die Fragmentierung dann endgültig stark verbessern würde. Aber soweit sind wir noch lange nicht.

Auf der anderen Seite ist dieser Schritt natürlich gerade jetzt für Google doch recht riskant, denn schon jetzt sind die neuen Bedingungen ein Vorteil für künftige Konkurrenz-Plattformen, die nun noch einmal ein Schritt attraktiver werden. Derzeit muss aber realistisch wohl nicht befürchtet werden, das ein relevanter Hersteller sich von Googles Android verabschiedet.

Siehe auch
» Android: Großes Botnetz erbeutete bis zu 750 Millionen Dollar mit systematischem Klickbetrug
» Voice Action Services: Neue Google-App bringt entbündelte europäische Version des Google Assistant
» Der Anfang vom Ende der Android-Dominanz? Googles neue Bedingungen spielen der Konkurrenz in die Karten

[The Verge]


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