Google hat im Laufe der Jahre viele Pixel-Produkte auf den Markt gebracht und es ist gut möglich, dass irgendwann auch wieder eine Pixel Kamera in das Portfolio aufgenommen werden wird. Tatsächlich hatte Google schon vor einigen Jahren eine smarte Kamera mit KI-Steuerung auf den Markt gebracht, die ihrer Zeit sicherlich voraus gewesen ist. Wir blicken auf Google Clips zurück und belegen, woran die Kamera aus interner Sicht gescheitert ist.
Google hat schon sehr viele Produkte auf den Markt gebracht und auch wieder eingestellt, wobei oftmals strategische Neuausrichtungen oder schlechte finanzielle Ausblicke den Ausschlag geben. Im Hardware-Bereich war das bisher nicht ganz so dramatisch, doch neben dem von uns bereits beleuchteten Megaflop Google Glass gibt es noch ein zweites Produkt, das ähnlich ambitioniert war und recht schnell wieder vom Markt verschwunden ist.
Die Rede ist von der smarten Kamera Google Clips, die eine nachvollziehbare und sicherlich auch geniale Grundidee gehabt hat: Es war eine Kamera, die ganz von selbst entscheidet, wann sie auslöst und damit wichtige Momente automatisch festhalten soll. Mit den Pixel-Kameras und Google Fotos hat das Unternehmen oft bewiesen, dass die Algorithmen wichtige Motive erkennen können. Das wollte man in Hardwareform gießen. Die Idee war also: Eine Kamera, die nicht nur interessante Fotos aufnimmt, sondern auch gleich dafür sorgt, dass langweilige oder schlechte Bilder gar nicht erst existieren. Kein Wunder, dass das Projekt begeistert aufgenommen wurde, doch es zeigt sich recht schnell die Probleme.
In Deutschland ist die Kamera nie offiziell auf den Markt gekommen, dennoch konnte sie über US-Quellen bezogen werden. Das Produkt wurde schon nach kurzer Zeit wieder eingestellt und wird von Google seither praktisch verschwiegen – kein Wunder, denn es war ein Scheitern mit Ansage. Einige Jahre später hat sich ein beteiligter Entwickler geäußert und viele interessante Details verraten, die wir im Folgenden beleuchten wollen.
It was, honestly, a great idea!
Who wouldn't want to come home and find a whole reel of awesome photos of your friends, with no effort beyond clipping a camera to your jacket?
Of course, it also had a fatal flaw. The pictures were taken from weird vantage points. 14/n
— Warren Craddock (@warren_craddock) October 10, 2022
Schon der Beginn der Kritik am Produkt beginnt damit, dass es als großartige Idee beschrieben wird – was sicherlich auch nicht verkehrt ist. Der Tenor ist: Die Technologie hat sehr gut funktioniert, aber es gab einen entscheidenden Schwachpunkt – nämlich der Blickwinkel. Weil die meisten Menschen die Kamera auf dem Tisch platziert und entsprechend nach oben ausgerichtet haben, waren die Fotos nicht unbedingt ansehnlich. Das wusste man im Team schon weit vor der Markteinführung, konnte aber nicht viel daran ändern.
It turns out that humans only like pictures that are taken from the perspective of other humans' eyes.
It's a basic feature of our psychology, and it makes perfect sense.
We don't like the vibe of pictures taken from tabletops or backpacks or lapel pins or dog collars. 15/n
— Warren Craddock (@warren_craddock) October 10, 2022
Es scheint die Psyche des Menschen zu sein, die uns nur Bilder aus waagerechter Perspektive als schön empfinden lässt. Also Bilder auf Augenhöhe, und sei es die Augenhöhe eines Kindes – es geht um den Winkel und nicht die Höhe. Es ist bekannt, dass das Fotografieren von unten nach oben nur selten gute Motive ergibt, das gilt vor allem dann, wenn Menschen abgebildet sind. Das ist übrigens mit ein Grund, warum Videotelefonie oder Webcam-Chats ein merkwürdiges Bild liefern. Das Team kannte diese Schwäche und wollte sie durch eine fast schon absurde Idee beheben, die im nächsten Tweet beschrieben wird.
Instead, the team again tried to paper over the flaw.
They tried to add AI-based perspective correction. They tried view synthesis, so the camera could be virtually "moved" a few inches. They tried ever more elaborate (and ever more intrusive) mounting hardware. 17/n
— Warren Craddock (@warren_craddock) October 10, 2022
Die Idee war es, dass man starke Bildalgorithmen zum Einsatz bringt und die Perspektive nachträglich korrigiert. Die Kamera bleibt also dort wo sie ist und es werden viele wichtige Detailinformationen erst nachträglich per KI in das Bild gebracht. Wohl vergleichbar mit dem, was Google seit kurzer Zeit mit den Cinematic Photos tut, aber in dieser Größenordnung war das nicht umsetzbar und wäre es auch heute noch nicht in bester Qualität. Es fehlten einfach zu viele Bildinformationen, da kann auch die KI nicht helfen. Denn gerade bei wichtigen Momenten wissen die Menschen sehr genau, wie eine Szenerie ausgesehen hat.
Even those sophisticated techniques were woefully insufficient to fix the fatal flaw at its core.
Then they tried to spruce the product up with ancillary features like time lapses.
Then they brought Clips all the way to market… where it very predictably failed. 18/n
— Warren Craddock (@warren_craddock) October 10, 2022
Weil das Konzept nicht umsetzbar war, kam man auf eine simplere Idee und hat eine Reihe von Standfüßen und Stativen entwickelt, damit die Kamera mehr auf Augenhöhe kommt. Warum das nicht funktioniert hat oder diese nicht auf den Markt kamen, wird allerdings im Tweet nicht näher erläutert. In der praktischen Umsetzung wäre es wohl DIE Lösung gewesen. Andersherum ist es aber eine Kamera auf Augenhöhe, die auch den Menschen wieder auffällt und für eine unnatürliche Beobachtungs-Situation sorgt. Damit ergibt sich eine Analogie zum Scheitern von Google Glass.
If you notice such a fatal flaw in your own project, you're probably not alone. Your colleagues probably notice it, too.
Yet… it may remain unspoken for years, then one day suddenly define the entire arc of your project. 20/n
— Warren Craddock (@warren_craddock) October 10, 2022
Obwohl man über dieses massive Konzeptproblem Bescheid wusste, hat man das Produkt dennoch auf den Markt gebracht. Doch auch dei Nutzer bemerkten diese Probleme schnell und Google hat mit einer zeitnahen Einstellung reagiert. Es zeigt sich einmal mehr, dass die Kultur in diesen Teams wohl keine Fehler zuließ. Entweder hat man sich nicht getraut, Probleme anzusprechen oder man hatte die rosarote Brille für das eigene Produkt so fest auf der Nase, dass man dachte, auch die Endnutzer werden das alles ignorieren können.
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Letzte Aktualisierung am 10.03.2026 / Bilder von der Amazon Product Advertising API / Affiliate Links, vielen Dank für eure Unterstützung! Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen.