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Ein Drahtseilakt: YouTube führt neue Richtlinien gegen Hassreden und Lügen ein – das ist jetzt verboten

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YouTube ist (noch) eine offene Videoplattform, auf der jeder Nutzer seine Videos hochladen oder Livestreams starten kann, deren Inhalte und Gestaltung völlig frei sind und in der Hand des Nutzers liegen. Unter diesen Nutzern gibt es aber immer wieder kleine Gruppen, die die Plattform zur Verbreitung von Hass und Lügen nutzen. YouTube bastelt nahezu wöchentlich an den Nutzungsbedingungen und hat nun erneut Änderungen angekündigt, mit denen das Problem endlich in den Griff bekommen werden soll. Doch das ist nicht so einfach.


Wenn man Menschen eine offene Plattform bietet, dann wird es immer wieder Fälle geben, in denen diese zur Verbreitung von falschen Tatsachen oder Hass und Gewalt verwendet wird. Kontroversen, Provokationen und Ähnliches gehören dazu und sind auch wichtig, aber irgendwo gibt es eben auch einen roten Faden, der sehr deutlich sein muss und nicht überschritten werden darf. Und diesen streicht YouTube nun wieder etwas deutlicher an.

YouTube hat nun angekündigt, dass man ab sofort sehr viel schärfer gegen Hass und Lügen vorgeht. Gemeint sind damit sehr gezielte Anfeindungen oder das Leugnen von „gut dokumentierten Gewaltverbrechen“ – wobei jedem klar sein dürfte, was damit gemeint ist. Schon in der Vergangenheit hat YouTube solche Videos aus den Empfehlungen herausgenommen, aber ansonsten kaum Konsequenzen gezogen – und das wird sich nun ändern. Wer wiederholt dagegen verstößt, der verliert die Möglichkeit zur Monetarisierung des gesamten Kanals.

Wir verbieten Videos, die unterstellen, dass eine Gruppe einer anderen überlegen ist, um damit Diskriminierung, Segregation oder Ausschlüsse zu rechtfertigen, basierend auf Merkmalen wie Alter, Geschlecht, Rasse, Kaste, Religion, sexuelle Orientierung oder ehemalige Militärangehörigkeit

Wir erkennen an, dass einige dieser Inhalte wertvoll sind für Forscher und Nichtregierungsorganisationen, die Hassrede verstehen möchten, um sie zu bekämpfen. Wir suchen nach Möglichkeiten, ihnen diese Inhalte in Zukunft zur Verfügung zu stellen.

Diese Einordnung und das zeitnahe Löschen oder Eben-nicht-Löschen ist jedes Mal wieder ein Tanz auf dem Drahtseil, wie YouTube selbst schreib. Eine Unterscheidung zwischen Hass, Kritik oder Dokumentation ist selbst für Menschen sehr schwer zu unterscheiden und kann daher auch nicht von den berüchtigten Uploadfiltern durchgeführt werden. Die Grenze zur Zensur ist natürlich auch hauchdünn.



Aus den YouTube-Richtlinien

Hassreden sind auf YouTube nicht zulässig. Wir entfernen Inhalte, die in Bezug auf die folgenden Merkmale zu Gewalt oder Hass gegen Einzelpersonen oder Gruppen aufrufen:

– Alter
– Gesellschaftsklasse
– Behinderung
– Ethnische Herkunft
– geschlechtliche Identität
– Nationalität
– Rasse
– Einwanderungsstatus
– Religion
– Geschlecht
– Sexuelle Orientierung*
– Opfer von schwerwiegenden Gewaltereignissen und deren Angehörige
– Veteranenstatus
*Wir verwenden die Begriffe „geschlechtliche Identität“, „Geschlecht“ und „sexuelle Orientierung“ mit dem Bewusstsein, dass sich die gesellschaftliche Auffassung in Bezug auf diese Definitionen stetig weiterentwickelt.

Beispiele für Hassreden:

„Geh raus und schlag [eine Person mit oben genannten Merkmalen].“
„Jeder in [Gruppen mit oben genannten Merkmalen] ist ein Verbrecher und kriminell.“
„[Person mit oben genannten Merkmalen] ist der Abschaum der Menschheit.“
„[Personen mit oben genannten Merkmalen] sind eine Krankheit.“
„[Personen mit oben genannten Merkmalen] sind nicht so intelligent wie wir, weil ihr Gehirn kleiner ist.“
„[Eine Gruppe mit oben genannten Merkmalen] bedrohen unsere Existenz, daher sollten wir jede Gelegenheit nutzen, um sie aus dem Land zu vertreiben.“
„[Gruppe mit oben genannten Merkmalen] wollen die Weltherrschaft an sich reißen und uns vernichten.“
„[Oben genannte Eigenschaft] ist eine geistige Krankheit, die behandelt werden muss.“
„[Eine Person mit oben genannten Merkmalen] sollte keine Schule besuchen, denn sie sollte überhaupt keine Bildung erhalten.“
„Alle angeblichen Opfer dieses Gewaltereignisses sind nur Schauspieler. Niemand wurde verletzt, das ist alles nur gelogen.“

Die neuen Regeln gelten ab sofort, doch die harte Umsetzung wird noch etwas Zeit in Anspruch nehmen und ist ein laufender Prozess, der auch YouTubes menschliche Uploadfilter vor große Herausforderungen stellt.

» Ankündigung im YouTube-Blog

Siehe auch
» YouTube benachteiligt YouTuber: Werbefreundliche Kanäle gelangen deutlich leichter in die Trends (Studie)

[heise]


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