Ob ein Online-Casino in Deutschland eine Erlaubnis hat, muss man bisher selbst nachsehen. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) führt dafür eine öffentliche Whitelist, aber kein Anbieter ist verpflichtet, den eigenen Eintrag auf der Seite anzuzeigen. Diesen Abgleich soll jetzt eine Chrome-Erweiterung übernehmen. casino.de hat den GGL-Lizenzcheck fertig entwickelt, die Fassung 1.5.1 ist getestet und beim Chrome Web Store eingereicht. Die Freigabe durch Google steht noch aus. Wir haben uns angesehen, was die Erweiterung technisch macht, welche Berechtigungen sie verlangt und wo ihre Grenzen liegen.
Das Prinzip ist schnell erklärt. Der Casino Lizenz Checker von casino.de prüft jede geöffnete Seite gegen die Whitelist der GGL und zeigt per Popup, ob der Betreiber im Register steht. Ist das der Fall, listet das Popup den Betreiber, die Erlaubnisse einzeln je Spielart, die zuständige Aufsicht und den Registerstand, auf dem die Auskunft beruht. Steht der Anbieter nicht drin, sieht die Seite aber nach einem Glücksspielangebot mit Echtgeld aus, warnt die Erweiterung, bevor ihr Daten eingebt. Ein Schalter blockiert solche Seiten auf Wunsch komplett. Er ist ab Werk eingeschaltet.
Erkennung am Seitenaufbau statt an der Domain
Der spannende Teil ist die Frage, woran die Erweiterung ein Glücksspielangebot überhaupt erkennt. Eine Liste bekannter Casino-Domains wäre naheliegend, taugt aber wenig: Anbieter ohne Erlaubnis wechseln ihre Adressen laufend, und eine Sperrliste läuft dem immer hinterher. Deshalb trennt die Erweiterung zwei Fragen. Zuerst: Ist das überhaupt ein Echtgeld-Angebot? Das beantwortet sie am Aufbau der Seite, also an eingebetteten Spiel- und Wettplattformen, Spielstart- und Schnittstellenpfaden, typischen Zahlungswegen, Echtgeld-Vokabular und Hinweisen auf Offshore-Lizenzen. Erst danach kommt der Abgleich mit dem Register. So greift die Prüfung auch bei einer Domain, die gestern noch nicht existierte.
Diese Trennung hat einen zweiten Effekt. Ein Nachrichtenartikel oder ein Testbericht über ein Casino löst keine Warnung aus, weil dort keine echte Spielfunktion im Quelltext steckt: keine Registrierung, keine startbaren Spiele, kein Guthaben, keine Einzahlungswege. Laut casino.de wurde die Erkennung im Testlauf gegen alle Registereinträge, 121 bekannte Graumarkt-Marken und 23 gespeicherte echte Seiten geprüft. Die Einschätzung „Angebot ohne Erlaubnis“ bleibt trotzdem eine Einschätzung anhand von Merkmalen. Die Aussage „steht im Register“ dagegen kommt direkt aus dem Registerauszug und ist eindeutig. Dass der Anbieter diesen Unterschied auf seiner Seite selbst so klar benennt, finde ich bemerkenswert. Das machen längst nicht alle.
Register lokal, Abgleich alle 24 Stunden
Technisch ist der GGL-Lizenzcheck eine Chrome-Erweiterung nach Manifest V3, also nach dem Regelwerk, das Google seit dem Ende von Manifest V2 für alle Extensions vorschreibt. Die Erweiterung bringt eine vollständige Kopie des GGL-Registers mit, nicht nur eine Auswahl daraus. Alle 24 Stunden fragt sie über einen Zeitgeber nach einer neueren Fassung der Liste, prüft deren Aufbau und verwirft ein Update, wenn sich zu viel auf einmal ändert. Schlägt der Abruf fehl, bleibt der mitgelieferte Auszug aktiv. Geladen wird dabei nur ein Datensatz, kein ausführbarer Code. Zum Stand 11. September 2026 nennt casino.de 115 in Deutschland erlaubte Online-Angebote, die auf diese Weise abgeglichen werden.
Ohne Installation geht es übrigens auch, denn dieselbe Datenbasis liegt bei der Behörde selbst. Für alle, die eine online casino lizenz prüfen wollen, ohne dafür eine Erweiterung zu laden: Die Whitelist der GGL ist die verbindliche Quelle, und die Erweiterung ersetzt ausdrücklich keinen Blick hinein. Einen Punkt kann auch sie nicht prüfen: Der Glücksspielstaatsvertrag kennt bei virtuellen Automatenspielen neben der Erlaubnis des Veranstalters eine gesonderte Erlaubnis für jedes einzelne Spiel. Für diese zweite Ebene gibt es keine öffentliche Liste, die Erweiterung prüft also nur den Veranstalter. Manche Einträge gelten außerdem nur für einen Pfad unterhalb der Domain. Dann zeigt die Erweiterung die Registerdaten auch nur dort und sperrt einen solchen Anbieter nie domainweit.
Zugriff auf alle Websites: warum die Berechtigung nötig ist
Bei der Installation fragt Chrome nach dem Zugriff auf alle Websites. Bei einer Erweiterung mit diesem Zweck geht es nicht anders, denn ohne diese Berechtigung könnte sie nur bereits bekannte Adressen prüfen. Die Analyse läuft laut Anbieter vollständig lokal im Browser. Es werden keine besuchten Adressen, kein Verlauf und keine personenbezogenen Daten übertragen. Auch die Hinweisseite, die beim Blockieren erscheint, liegt in der Erweiterung selbst, es wird also keine Adresse an einen Server gemeldet. Dazu kommen die üblichen Berechtigungen für den aktiven Tab, den lokalen Speicher für Einstellung und Registerauszug, Benachrichtigungen, Netzwerkregeln für die Sperre und der Zeitgeber für das tägliche Update.
Bei „Zugriff auf alle Websites“ zusammenzuzucken, ist trotzdem berechtigt. Wir haben erst im Januar vor vier Extensions gewarnt, die mit genau dieser Berechtigung spioniert und manipuliert haben. Der Unterschied liegt in der Richtung der Daten. Eine Erweiterung, die nur einen Datensatz herunterlädt und nichts zurückschickt, könnt ihr im Netzwerk-Tab der Entwicklertools selbst kontrollieren. Ein Konto gibt es nicht, und beim Entfernen über „Aus Chrome entfernen“ sind auch die lokal gespeicherten Einstellungen weg.
Bedienung im Alltag und der Fahrplan für Edge und Firefox
Nach der Installation lohnt es sich, das Symbol über das Puzzleteil oben rechts anzupinnen. Auf einer Anbieterseite reicht dann ein Klick. Rot bedeutet: Die Seite sieht nach einem Glücksspielangebot aus, steht aber nicht im Register. „Keine Warnung für diese Seite“ ist der Normalfall beim Surfen und heißt nur, dass kein unerlaubtes Angebot erkannt wurde. Über die Seite in anderer Hinsicht sagt das nichts aus. Im Bereich Spielerschutz sitzt der einzige Schalter der Erweiterung. Empfehlungen, Bestenlisten oder Punkte gibt es im Popup nicht, und das ist bei einem Anbieter, der sich über Provisionen finanziert, durchaus erwähnenswert.
Der Fahrplan lautet Chrome zuerst, danach Edge, Firefox später. Ein Datum für die Store-Freigabe nennt casino.de nicht, solange Google die Prüfung nicht abgeschlossen hat, denn die beiden anderen Fassungen hängen daran. Chrome selbst schützt mit Safe Browsing seit Jahren vor Phishing und Malware, ein Pendant für unerlaubtes Glücksspiel gibt es dort bisher nicht. Ob Google diese Lücke irgendwann selbst schließt, ist offen. Bis dahin ist eine Erweiterung, die nur einen amtlichen Datensatz abgleicht und nichts nach Hause funkt, ein vergleichsweise unaufgeregter Weg, das Register direkt in den Browser zu holen.