ie Zahl der Android-Nutzer, die ihre Zimmerpflanzen, Balkonkästen oder Indoor-Gärten mit digitalen Helfern bewirtschaften, wächst. Laut einer Erhebung des Bundesverbands Digitale Wirtschaft aus diesem Jahr haben rund 38 Prozent der deutschen Smartphone-Nutzer mindestens eine App zur Pflanzenerkennung oder Pflanzenpflege installiert. Google Lens, PlantNet oder andere spezialisierte KI-Tools versprechen, aus dem Hobbygärtner einen datengestützten Kultivator zu machen.
Google Lens und PlantNet: Pflanzenerkennung für den Alltag
Google Lens gehört seit 2017 zum Android-Ökosystem und ist inzwischen fester Bestandteil der Google-App, des Assistant und der Kamera vieler Hersteller. Für die Pflanzenerkennung greift Lens auf ein neuronales Netz zurück, das mit Millionen Bildern aus Google-Datenbanken und Nutzerbeiträgen trainiert wurde. Die Trefferquote bei den häufigsten Zierpflanzen liegt nach unabhängigen Tests der Fachzeitschrift c’t aus 2023 bei etwa 85 Prozent, bei seltenen ist sie spürbar schlechter.
Eine spezialisierte Alternative ist PlantNet, ein Projekt französischer Forschungseinrichtungen wie CIRAD und INRAE. PlantNet arbeitet mit einer offenen Datenbank, an der Nutzer mitwirken können, und kennt über 45.000 Arten. Für ambitionierte Anwender, die beispielsweise aus zertifizierter Quelle Hanfstecklinge kaufen und deren Wachstum systematisch dokumentieren möchten, ist PlantNet besser geeignet als Lens, weil die Metadaten zu Standort, Blattform und Blütenstand exportierbar sind.
KI-Tools zur Diagnose von Nährstoffmangel und Schädlingen
Neben der reinen Erkennung sind in den vergangenen zwei Jahren auch Apps entstanden, die auf maschinellem Lernen basierende Krankheiten und Nährstoffdefizite über Blattfotos identifizieren. Anwendungen wie Plantix arbeiten mit einem Bildklassifikator, welcher nach Angaben des Herstellers über 500 Pflanzenkrankheiten unterscheiden könne. Die zugrunde liegende Datenbank umfasse angeblich mehr als 30 Millionen annotierte Bilder. Typische Diagnosen betreffen Stickstoffmangel (gelbliche ältere Blätter), Magnesiummangel (Interkostalchlorose) oder Befall durch Spinnmilben und Thripse.
Die Genauigkeit hängt stark von der Bildqualität ab. KI-gestützte Diagnosetools erzielen bei standardisierten Aufnahmen unter Laborbedingungen Trefferquoten von 92 Prozent, unter realen Bedingungen mit wechselndem Licht jedoch auf 65 bis 75 Prozent absinken.
Digitales Anbautagebuch, Sensor-Integration
Ebenfalls ein wichtiger Baustein ist das digitale Anbautagebuch. Es gibt eine Vielzahl an Apps, die dir bei der Pflege deiner Pflanzen helfen können. Die am häufigsten empfohlenen sind GrowBuddy, Bud oder Grow with Jane. Sie bieten Vorlagen für Bewässerungsintervalle, Düngergaben, pH-Wert des Substrats und Temperaturverlauf. Einige Apps lassen sich sogar mit Bluetooth-Sensoren koppeln, die Bodenfeuchte, Licht in Lux und Umgebungstememperatur messen. Xiaomi Mi Flora, Parrot Flower Power und die Sensoren von Sensibo geben ihre Werte ebenfalls direkt in die App weiter.
Um diese Werte sinnvoll in eine Erfahrungsskurve umwandeln zu können, müssen Vergleiche möglich sein. Die Bodenfeuchte liegt bei den meisten Pflanzen zwischen 30 und 60 Prozent des maximalen Wassergehalts. Der pH-Wert sollte bei Hydrokulturen zwischen 5,5 und 6,5, bei Erdsubstraten zwischen 6,0 und 7,0 liegen. Wer diese Werte regelmäßig protokolliert, erkennt Muster schneller, etwa den Zusammenhang zwischen sinkender Nachttemperatur und verlangsamtem Pflanzenwachstum.
Datenschutz und Grenzen der App-Pflege
Wer Fotos und Standortdaten seiner Pflanzen in irgendeine Cloud hochlädt, sollte die Datenschutzerklärungen genau lesen. Google Lens versendet seine Bilddaten an Google-Server, PlantNet verarbeitet seine Daten in der EU nach DSGVO-Vorgaben. Kommerzielle Anbieter in Drittländern dagegen haben teilweise sehr viel ungenauere und weniger transparente Regelungen. Für sensible Anwendungen lohnt sich der Blick auf eine Open-Source-Anwendung wie Pl@ntNet-K oder lokale KI-Modelle, die vollständig auf dem Endgerät laufen und keine Daten übertragen.
Dennoch kann App-basierte Pflanzenpflege kein Fachwissen ersetzen. Eine App erkennt zwar einen Nährstoffmangel, die Entscheidung, welcher Dünger und in welcher Dosierung nun wirklich sinnvoll ist, wann der optimale Zeitpunkt für das Umtopfen gekommen ist oder wann sich der Lichtzyklus bedarfsgerecht ändern lässt, liegt dann immer noch beim Anwender.