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Garten- und Grow-Apps: Was Pflanzen-Tracker über ihre Nutzer wirklich wissen

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In den letzten Jahren sind Apps zur Pflanzenpflege, Lichtmessung und Anbauplanung aus der Hauptstadt nicht mehr wegzudenken. Vom einfachen Bestimmen einer Zimmerpflanze per Kamera bis zur akribischen Aufzeichnung sämtlicher Wachstumsphasen im Indoor-Anbau ist alles möglich. Viel weniger sichtbar ist, welche Daten die Anwendungen im Hintergrund fallen lassen, an wen sie sie abgeben — und welche Rolle dabei Google-Dienste spielen.




Welche Daten Pflanzen-Apps typischerweise sammeln

Ein Blick in die Datenschutzhinweise gängiger Anwendungen wie PictureThis, PlantNet oder Grow-Tracker zeigt ein wiederkehrendes Muster. Erfasst werden neben Kontodaten häufig Standortinformationen, Gerätekennungen, Foto-Metadaten (EXIF) sowie Nutzungsverhalten innerhalb der App. Die französische Datenschutzbehörde CNIL hat in mehreren Untersuchungen dokumentiert, dass zahlreiche Android-Apps bereits beim ersten Start SDKs von Drittanbietern initialisieren, bevor Nutzer überhaupt eine Einwilligung erteilen konnten.

Besonders relevant sind dabei Werbe-IDs. Auf Android-Geräten liefert die Advertising ID ein pseudonymes Identifikationsmerkmal, das über verschiedene Apps hinweg zugeordnet werden kann. Wer eine Anwendung zur Anbauplanung nutzt, dazu eine Wetter-App und einen Onlineshop, hinterlässt so ein zusammenhängendes Interessenprofil, das für zielgerichtete Werbung verwertbar ist. Google hat mit der Privacy Sandbox for Android angekündigt, dieses Modell mittelfristig zu ersetzen, ein verbindliches Enddatum für die Werbe-ID besteht bislang jedoch nicht.

Warum der Kontext beim Anbau sensibel ist

Beim Thema Pflanzenanbau, insbesondere bei Nutzhanf und CBD-Sorten, sind die erhobenen Daten sensibler als sie zunächst wirken. Ein Grow-Log mit GPS-Standort, Sortenname und Erntedatum kann in Verbindung mit einer Werbe-ID Rückschlüsse auf konkrete Personen und Adressen zulassen. Wer solche Informationen lieber offline verwaltet oder auf Fachwissen aus dem stationären Handel setzt, findet in einem regionalen Growshop eine Alternative zur rein digitalen Beratung. Der Vorteil liegt in der direkten Ansprache ohne Kontoerstellung, Cloud-Sync oder Analyse-SDKs im Hintergrund.




Die Rechtsgrundlage in Deutschland ist dabei klar geregelt. Seit dem 1. April 2024 erlaubt das Konsumcannabisgesetz (KCanG) den privaten Eigenanbau von bis zu drei Pflanzen für Erwachsene. Für Nutzhanf mit einem THC-Gehalt unter 0,3 Prozent sowie für CBD-Zubehör bestehen ohnehin abweichende Regelungen. Trotzdem gilt: Daten, die einmal in einer Cloud liegen, unterliegen den Zugriffsmöglichkeiten des jeweiligen Anbieters und dessen Rechtsraum.

Berechtigungen prüfen und Alternativen nutzen

Ein pragmatischer Ansatz besteht darin, App-Berechtigungen konsequent zu minimieren. Android bietet seit Version 11 die Option, Standortzugriffe nur einmalig zu gewähren. Die Werbe-ID lässt sich in den Google-Einstellungen unter „Datenschutz > Werbung“ vollständig löschen und durch eine Nullkennung ersetzen. Für iOS gilt Vergleichbares über das App Tracking Transparency Framework, das seit iOS 14.5 eine explizite Zustimmung zur Nachverfolgung verlangt.

Wer auf Open-Source-Alternativen setzt, wird bei Projekten wie PlantNet fündig, das vom französischen Forschungsinstitut Inria und dem Cirad getragen wird und seine Datenschutzpraxis öffentlich dokumentiert. Für die reine Protokollierung von Anbauzyklen genügen häufig lokal gespeicherte Notiz-Apps oder eine simple Tabelle. Beides funktioniert ohne Cloud-Anbindung und ohne Drittanbieter-Tracker.

Was Nutzer konkret tun können

Vor der Installation einer neuen Pflanzen-App lohnt ein Blick auf drei Punkte. Erstens die Datensicherheits-Angaben im Google Play Store, die seit 2022 verpflichtend sind und Auskunft über gesammelte Datenkategorien geben. Zweitens die Frage, ob ein Nutzerkonto tatsächlich erforderlich ist oder ob die Anwendung auch anonym funktioniert. Drittens die Netzwerkaktivität, die sich mit Tools wie TrackerControl oder Exodus Privacy analysieren lässt. Exodus, betrieben von der französischen Organisation Exodus Privacy, listet für zahlreiche Apps die enthaltenen Tracker auf und macht damit sichtbar, was sonst unsichtbar bliebe.

Die Entscheidung zwischen App-basiertem Komfort und datensparsamem Vorgehen bleibt individuell. Wer die eigenen Pflanzen dokumentieren möchte, muss dafür nicht zwangsläufig ein digitales Profil aufbauen, das weit über den Garten hinausreicht.

 


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